Microsemi Die Übernahme hat sich gelohnt – für beide Seiten

Bruce Weyer, Microsemi: »Microsemi verbessert seine Position gegenüber seinen Konkurrenten im FPGA-Markt kontinuierlich. Wir gewinnen Marktanteile, und wir haben uns auch vom Angebot neu aufgestellt. War Actel eher im Low-End-PLD-Segment tätig, sprich mehr im CPLD-Bereich, iso st Microsemi heute im Low-End- und Midrange-FPGA-Bereich aktiv.«

2010 hat Microsemi Actel übernommen. Markt&Technik fragte Bruce Weyer, Vice President und Business Unit Manager der SoC Products Group von Microsemi, ob sich die Übernahme aus FPGA-Sicht bezahlt gemacht hat und wie er die letzten zwei Übernahmen von Microsemi – Vitesse und PMC-Sierra – beurteilt.

Markt&Technik: Microsemi hat schon viele Unternehmen gekauft, zuletzt Vitesse und jüngst PMC-Sierra. Doch Übernahmen sind oft nicht von Erfolg gekrönt. Warum also so viele Übernahmen?

Bruce Weyer, Microsemi: Für ein Unternehmen gibt es zwei Arten zu wachsen: organisch und über Akquisitionen. Microsemi nutzt beide Wege, und das durchaus erfolgreich. Ich bin überzeugt, dass wir zu den Unternehmen gehören, denen die Integration von übernommenen Firmen hervorragend gelingt.

Als Actel von Microsemi übernommen wurde, erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 190,6 Mio. Dollar, Microsemi lag damals bei 453,0 Mio. Dollar. Hat sich die Übernahme durch Microsemi positiv auf das FPGA-Geschäft ausgewirkt?

2015 belief sich der Umsatzanteil, den wir über FPGAs erzielt haben, auf 24 Prozent des Gesamtumsatzes. Das sind rund 285 bis 290 Mio. Dollar. Der FPGA-Umsatz ist also in den letzten fünf Jahren signifikant angestiegen. Hinzu kommt noch, dass unser FPGA-Umsatz zwischen 2014 und 2015 um 15 Prozent gewachsen ist. Im Vergleich dazu mussten unsere Konkurrenten Altera und Xilinx zusammen einen Umsatzrückgang von rund 8,5 Prozent hinnehmen. Wir haben also letztes Jahr deutlich an Marktanteilen hinzugewonnen. Das zeigt, dass sich die Übernahme also durchaus positiv auf das FPGA-Geschäft ausgewirkt hat.

Microsemi ist bei Low Power absolut führend, und das gilt auch, wenn es um Security und Zuverlässigkeit geht. Das sind die Vorteile, die unseren FPGAs inhärent sind. Hinzu kommen die Synergien mit Microsemis Produktspektrum. Der größte Absatzmarkt für Microsemi ist der Kommunikationsmarkt. Aus FPGA-Sicht stellt dieses Segment aber den kleinsten Absatzmarkt dar. Als Actel noch als eigenständiges Unternehmen aktiv war, konnte es solche Märkte gar nicht adressieren, das Unternehmen hatte hier überhaupt keinen Zugang. Heute ist das anders. Durch die Übernahme haben sich für Microsemi die Türen zu neuen Kunden geöffnet.

Die letzten zwei Akquisitionen, die Microsemi getätigt hat, waren Vitesse und PMC-Sierra. Erwarten Sie, dass sich auch diese beiden Übernehmen positiv auf das FPGA-Geschäft auswirken?

Natürlich, denn die Unternehmen sind im Kommunikationssektor, aber auch im Storage-Bereich tätig. Dadurch ergeben sich für die FPGAs ebenfalls deutliche Wachstumsimpulse. Bereits jetzt sitzen die Entwickler aus den verschiedenen Bereichen zusammen und überlegen, was man beispielsweise in einem Referenz-Design kombinieren könnte, oder ob irgendwelche Stacks in die Fabric gelegt werden können.

Mit den neuen Übernahmen dürften sich die Schwerpunkte von Microsemi leicht verschieben, oder?

Der Kommunikationsmarkt ist derzeit für Microsemi der größte Absatzmarkt und auch der, der am stärksten wächst. Darüber hinaus ist Microsemi der weltweit führende Hersteller für Aerospace und Military. Mit der Übernahme von PMC-Sierra sind wir ein 1,8-Milliarden-Dollar-Unternehmen. Der Großteil des Umsatzes dieses Unternehmens kommt aus dem Storage-Bereich. Damit erweitert Microsemi seine Kernbereiche: Zur Kommunikation, Aerospace/Military und Industrie kommt jetzt noch Storage. Das sind unsere vier Sektoren, die wir künftig adressieren. Und auch im Storage-Bereich ergeben sich neue Möglichkeiten für die FPGAs.

Wo genau?

Im Highend-Bereich werden viele FPGAs im Datenpfad eingesetzt.

Aber das sind ja nicht die Produkte, die Microsemi anbietet.

Nein, wir sind auch hier auf der Steuerebene aktiv, aber auch wenn es um Sicherheit der Cloud und der Daten geht. Dafür haben wir sehr spezielle Produkte, die kein Konkurrent anbieten kann. Mit unseren Komponenten ist es beispielsweise möglich, Prozessoren oder größere FPGAs sicher zu booten. Gerade im Storage-Bereich ist das Thema »Security« sehr wichtig.

Die Kommunikation ist für Altera und Xilinx der größte Absatzmarkt, weil hier die großen FPGAs benötigt werden. Aber das ist ja nicht die Spezialität von Microsemi. Wo werden also Ihre Produkte eingesetzt?

Microsemi war historisch betrachtet schon immer auf der Steuerebene aktiv. Wir nutzen in unseren FPGAs Cortex-M3-Prozessoren, unsere Konkurrenten setzen auf die Applikationsprozessoren wie den A53 von ARM. Cortex-M3 ist aber deutlich energieeffizienter, und das ist auf der Steuerebene ein wichtiger Punkt.

Darüber hinaus eignen sich die Komponenten aber auch hervorragend für den Industriemarkt. Wir differenzieren uns ganz klar über die Leistungsaufnahme und nicht über höchste Komplexitäten. Das zeigt sich auch bei unseren 5-GBit-Transceivern: Auch sie sind deutlich leistungssparender als konkurrierende Lösungen. Wir adressieren den Low- und Midrange-Bereich. Da sind auch unsere Konkurrenten aktiv, doch wir bieten Lösungen an, die energieeffizienter, sicherer und zuverlässiger sind.