Post-PC-Zeitalter Die PC-Ära ist definitiv vorbei

Erstmals seit 1980 entfallen weniger als 50 Prozent des DRAM-Marktes auf den PC-Bereich. Das geht aus einer Analyse von IHS iSuppli hervor. Aus der Sicht der Marktforscher ist dies als weiteres Signal dafür zu werten, dass wir in der Post-PC-Ära angekommen sind.

Im zweiten Quartal standen die PCs nur noch für 49 Prozent der gelieferten DRAM-Bits, im ersten Quartal waren es noch 50,2 Prozent. Das ist laut iSuppli-Analyst Clifford Leimbach (Memory Analyst bei IHS iSuppli) das erste Mal seit 1980, dass die PCs nicht mehr der Hauptabnehmer von DRAMs sind. »Früher ist der Großteil der DRAMs in PCs gewandert. Seit dem ersten Quartal 2008 sinkt der Anteil aber kontinuierlich«, konkretisiert Leimbach weiter.

Die Entwicklung im DRAM-Markt ist für Leimbach nur ein weiteres Indiz dafür, dass der PC-Markt dank Smartphones und Tablets an Bedeutung verliert. Weitere Indizes sind die nachlassende Macht der Wintel-Allianz und die zunehmende Macht von Apple als Halbleitereinkäufer, denn Apple hat HP mittlerweile als wichtigster Halbleiterkunde abgelöst.

Leimbach betont aber gleichzeitig, dass das Erreichen der Post-PC-Ära nicht gleichbedeutend damit wäre, dass die Menschen keine PCs mehr benutzen würden oder dass der PC-Markt gar schrumpft. Für ihn heißt die Nach-PC-Ära lediglich, dass die PCs nicht mehr länger das Zentrum der Technologieentwicklung bilden und dass eben ihre Vormachtstellung in der Wertschöpfungskette schwindet. Leimbach: »PC-Hersteller können nicht mehr das Wachstum generieren und die erdrückende Marktgröße beibehalten, die es ihnen ermöglichten, eigenmächtig die Preisgestaltung und Technologieentwicklung in wichtigen Geschäftsbereichen voranzutreiben. Die DRAM-Hersteller werden sich in Zukunft darauf konzentrieren, die schnell wachsenden Smartphone- und Tablet-Märkten zu bedienen. Und das geht zulasten des PC-Geschäfts.«

Die Hersteller von Tablets gehören nicht gerade zu den Großabnehmern von DRAMs. So sind laut Leimbach im ersten Quartal nur 1,6 Prozent der Speicherkapazitäten in Bits gerechnet an Tablet-Hersteller gegangen, im zweiten Quartal waren es immerhin schon 2,7 Prozent. Leimbach prognostiziert, dass dieser Anteil bis zum vierten Quartal 2013 auf 4 Prozent ansteigen wird. Die steigende Nachfrage nach DRAMs führt Leimbach weniger auf den steigenden Speicherbedarf im Tablet zurück, sondern vielmehr auf den riesigen Erfolg der Tablets an sich. Bis 2016 soll der Anteil der Tablets allerdings auf 9 Prozent ansteigen.

Mobiltelefone hingegen benötigen deutlich mehr DRAMs. Für diesen Anwendungsbereich prognostiziert Leimbach einen Zuwachs auf 19,8 Prozent im vierten Quartal 2013. Das wären fast 7 Prozent mehr als die 13,2 Prozent aus dem zweiten Quartal 2012. In Kombination sollen Tablets und Mobiltelefone bis Ende 2013 für 26,7 Prozent des gesamten DRAM-Bedarfs stehen.

Auch wenn Leimbach den Rückgang des PC-Marktes für endgültig hält, will er dennoch verstanden wissen, dass der PC-Markt mindestens bis Anfang 2014 der größte Einzelmarkt für die DRAM-Hersteller bleiben wird und dass der Bedarf an Speicher in diesem Bereich auch weiterhin zunehmen wird.