Jean-Marc Chery, CEO STMicroelectronics Die Industrieelektronik wird ausgebaut

Führung bei E-Mobility verfehlt...

Deutschland sollte mal weltweit führend in der E-Mobility werden. Dieses Ziel wurde verfehlt. Was erwarten Sie sich von der Politik?

Ich hoffe, dass die Europäische Union und die einzelnen Staaten eine Strategie beschließen und eine entsprechende Industriepolitik umsetzen, die dann entsprechende Standards, Regularien und die Infrastruktur schafft, mit der die strategischen Ziele erreicht werden können.

Außerdem sollten Firmen finanziell unterstützt werden, die innovative Ideen haben, die der europäischen Strategie dienlich sind. Solche Firmen benötigen oft viel Geld, um von der Idee bis zur Serienfertigung zu kommen.

Ein Beispiel: Als ST das Risiko eingegangen ist, hunderte Mio. Dollar in SiC zu investieren, waren wir allein. Keiner hat an SiC geglaubt. So etwas kann ein Startup überhaupt nicht leisten, die Lücke zwischen einer guten Idee und der Serienfertigung ist wirklich groß. Also sollte sich die EU dazu entschließen, Dinge, die der Zukunft Europas dienen, finanziell zu fördern.

Hat sich mit den Projects of Common Interests nicht schon einiges geändert?

Ja, PCIs sind gute Beispiele, denn hier wurde endlich eine gute Balance zwischen Unterstützung von R&D und Unterstützung für die Industrialisierung gefunden. Aus meiner Sicht spielt die Industrialisierung aber eine wichtigere Rolle, denn Länder wie die USA oder China bieten genau hier Unterstützung an. Das müssen wir in Europa auch schaffen. In Europa ist der Weg vom Startup zum Unternehmen, das in Serie fertigt, sehr steinig. Dafür ist Kapital notwendig, Venture-Capital reicht nicht aus. Es gibt in Europa viele gute Ideen, aber jeder braucht Hilfe beim Ramp-up.

Finanzielle Förderung für F&E-Aktivitäten sind nicht wichtig?

Doch, wenn es um Technologien geht, mit denen wir uns differenzieren können. Beispielsweise können wir als Halbleiterhersteller viele Dinge in Taiwan kaufen, aber in manchen Bereichen wäre es vielleicht sinnvoll, diese Technologien hier zu entwickeln und auch hier zu fertigen.

Wie sehen die aktuellen Lieferzeiten von ST für Leistungshalbleiter, insbesondere MOSFETs, aus? Welche Maßnahmen haben Sie ergriffen, um die Situation offenbar schneller zu entspannen als andere?

Dank des Erfolgs unserer Strategie und Produkt-Roadmap stiegen die Volumina 2018 deutlich an, sogar stärker als von uns erwartet. Um dieser hohen Nachfrage gerecht zu werden, haben wir stark in unsere Fertigungen in Catania und Singapur investiert, um die Bedürfnisse unserer Kunden, insbesondere im Automobil- und Industriebereich, zu erfüllen.

ST konzentriert sich im Leistungshalbleiterbereich traditionell auf kleinere Leistungen. Ist in Zukunft eine Ausweitung des Engagements auf höhere Leistungen denkbar?

Wir haben unsere Produkt-Roadmap sowohl im Die- als auch im Modulbereich für IGBTs in 750, 900 und 1200 V ausgebaut und arbeiten an 1700 V für industrielle Anwendungen. Wir drängen definitiv auf dieses Gebiet, insbesondere im Automobilbereich. Auch im Siliziumbereich haben wir unsere Strategie bei den Leistungsmodulen um ein Komplettangebot ergänzt.