Forum Medizintechnik Die Halbleitertechnik hat die zelluläre Schnittstelle erreicht

Stromversorgungshersteller über das Medizingeschäft

Ganz anders sieht das Medizingeschäft für die Hersteller von Power-Lösungen aus. »Als Stromversorgungshersteller kommen wir eigentlich erst dazu, wenn es in die Systementwicklung geht«, erläutert Schwarz. »So gesehen machen wir häufig nur die letzten ein, zwei Jahre bei der Entwicklung des Kunden mit.« Wenn es dann um Standardprodukte geht, ist häufig schnell eine Lösung aus dem umfangreichen Produktspektrum z.B. von TDK-Lambda gefunden; manche Medizinelektronikapplikationen, wie etwa MRTs, stellen aber spezielle Herausforderungen dar: »In einem Magnetfeld kann man ja keine Ferrite verwenden, da kommen dann Luftspulen zum Einsatz, das ist eine ganz andere Technologie«, erläutert Schwarz, »das stellt eine Herausforderung für unsere Entwickler dar, aber Geld verdient man mit Standard«.

Für Schwarz passt die Medizinelektronik zu TDK-Lambda, weil die Kunden zum Unternehmen passen: »Wir mögen es beratungsintensiv, die mittleren Stückzahlen im Bereich von 500 bis 1000 Geräten bewegen sich genau in einem Bereich, in dem sich unsere Factories am wohlsten fühlen.« Zudem werde die Wichtigkeit des Zulieferers im Medizinbereich höher bewertet: »Die großen Hersteller haben viel mehr Preferred-Supplier-Programme als in anderen Marktsegmenten.« Zudem stellten diese Kunden Anforderungen wie eine Rückverfolgbarkeit bis auf die Bauelementeebene, »das sind Anforderungen, über die man sich differenzieren kann«.

Ganz ähnlich sieht das Steve Roberts, Technical Director bei Recom Engineering. »Medizinkunden brauchen den Kontakt, die kaufen nicht aus dem Katalog. Man muss die Anwendung kennen, um die richtige Antwort geben zu können.« Für ihn ist die Medizintechnik ein sehr persönliches Geschäft, »ganz ähnlich der Bahntechnik«. Roberts räumt aber auch mit dem Märchen auf, in der Medizintechnik könne man Produkte, die in der Produktion 400 Euro kosten, für 4000 Euro verkaufen. »Wenn dem jemals so war, dann ist das längst Vergangenheit; es gibt heute viel mehr Konkurrenz, deshalb ist das heute ein Projektgeschäft wie jedes andere auch.« Zwar müsse man viel Arbeit in das Abarbeiten der Regularien stecken, »doch dadurch, dass die Patienten immer früher nach Hause gebracht werden, um die Behandlung dort fortzusetzen, vergrößert sich der Markt ständig und bietet uns die Möglichkeit, Netzteile für diese neuen Geräte zu entwickeln«.

Beim Thema medizinische Vorschriften und Regularien verfolgt man bei Recom eine zweigleisige Strategie: »Wir entwickeln manchmal Netzteile so, dass sie eine medizinische Zulassung bekommen könnten, aber wir bringen es als Industriestromversorgung auf den Markt. Will ein Kunde das Gerät dann auch in einer Medizin-Form, investieren wir die 60.000 Euro für die entsprechende Zertifizierung.« Roberts macht aber auch noch auf eine interessante Entwicklung der jüngsten Zeit aufmerksam: »Wir beobachten, dass nach und nach medizintechnische Spezifikationen in der Industrieelektronik Einzug halten. So ist in der Medizinelektronik eine Isolierung von 4 kV üblich, in der Industrieelektronik dagegen nur 3 kV. Viele Industriekunden wollen nun auf Nummer sicher gehen und verlangen auch nach 4 kV. Ähnlich die Entwicklung im Bereich der Höhenangaben. Im Medizinsektor besteht immer die Forderung nach einer Einsatzhöhe von bis zu 5000 m, schließlich könnte die Stromversorgung auch in einem Rettungshubschrauber oder in einem Krankenhaus in den Bergen zum Einsatz kommen. Bislang begnügte sich die Industrie mit 2000 m; inzwischen, so Roberts, »kommen auch von dort immer häufiger Forderungen, wir brauchen 3000 oder 4000 m Einsatzhöhe.«