Die Lieferkette spannt sich Die Folgen des Japan-Bebens

Wenn die Katastrophe in Japan sich auf die Lieferkette in der Elektronik auswirkt, dann durch Schwierigkeiten mit der Energie- und Wasserversorgung und durch Lieferengpässe für Rohmaterialien, hervorgerufen durch zerstörte Verkehrswege. Die meisten IC-Fabs selber sind nur wenig betroffen.

Die Halbleiterhersteller sind von wenigen Ausnahmen abgesehen nicht direkt von den Auswirkungen der Katastrophe in Japan betroffen, die Fabs liegen meist südlich von Tokio. Allerdings wurde die Region um Tokio kräftig erschüttert, so dass die dort ansässigen Werke ihre Fertigung nach dem Beben eingestellt hatten. Aus Sicherheitsgründen unterbrechen die Maschinen automatisch ihre Arbeit, wenn ein Beben der Stärke 5 oder mehr registriert wird.

Insgesamt hat es bislang ungewöhnlich viele Nachbeben über der Stärke 5 gegeben, sie können noch über mehrere Wochen auftreten. Viele Hersteller zögern außerdem, die Produktion anlaufen zu lassen, solange es noch häufig zu Energieunterbrechungen kommt. Werke, die nur von fehlender Strom- und Wasserversorgung betroffen sind, werden ihre Arbeit vermutlich in wenigen Wochen wieder voll aufnehmen können, bei Schäden an Gebäuden und Maschinen wird es zwei bis drei Monate dauern.

Angesichts der Unsicherheiten über eine Woche nach der Katastrophe ist es kein Wunder, dass die großen OEM-Hersteller weltweit ihre Bestellaktivitäten erhöht haben, wie von vielen Distributoren zu hören ist. Sie beichten von teils rüden Anfragen. Die OEMs wollen sich für alle Fälle eindecken, wie auch die Analysten von IHS iSuppli festgestellt haben. Gleichzeitig wiegeln die Analysten aber auch ab: Die Lagerbestände in der Versorgungskette seien in vielen Bereichen groß genug, um reduzierte Lieferungen aus Japan ausgleichen zu können.  

Gut beraten ist jeder, der eine Second Source zur Auswahl hat: Denn wie von den Distributoren zu hören ist, gibt es bereits über alle Produktgruppen hinweg Bauteile, deren Lieferzeiten sich seit dem Erdbeben in Japan deutlich verlängert haben. Nicht Panik zu schüren, sondern sich umfassend zu informieren, sei jetzt das Gebot der Stunde, so der Tenor vieler Distribuoren: Rutronik beispielsweise bietet auf seiner Web-Site eine Übersicht über betroffene Hersteller der eigenen Linecard sowie weitere Informationen zu Lieferzeiten und Stellungnahmen der Hersteller.

Laufend Aktuelles zur Verfügbarkeitslage in Japan bietet auch Farnell über die online Community »element 14«. Dort posten viele Hersteller ihre aktuellen Liefer-Updates.   

Wer nur auf die Fertigung von ICs selber schaut, sieht bei weitem nicht das ganze Bild: So spielt die Chemieindustrie eine wichtige Rolle in der Lieferkette. Gerade die Fertigungen in der chemischen Industrie reagieren besonders sensibel auf Unterbrechungen in der Stromversorgung, einige werden aus Sicherheitsgründen mit dem Anlauf der Produktion warten müssen, bis wieder eine weitgehend unterbrechungsfreie Stromversorgung gewährleistet ist. Craig Berger von FBR Research weist darauf hin, dass Bismaleimide Triazine (BT) Bestandteil vieler IC-Gehäuse ist und vor allem in Japan hergestellt wird. Lieferengpässe könnten sich so auf IC-Hersteller wie Xilinx, Altera und Qualcom auswirken. Auch Packaging-Firmen wie ASE, Siliconware Precision und Amkor könnten davon betroffen sein.

Materialien für die Fertigung von Leiterplatten kommen zwar auch aus Japan, hier gibt es aber laut FBR Research genügend Quellen aus anderen Regionen.

Das wichtigste Basismaterial für ICs ist jedoch Silizium, daran halten japanische Unternehmen einen Anteil von 60 Prozent. Shin-Etsu (SEH) hat die Produktion in drei Werken gestoppt. Teilweise wurden Maschinen beschädigt, wann die Fertigung aufgenommen werden kann, ist unklar. MEMC hat ein Werk, das derzeit nicht arbeitet. Es ist eines von drei Werken, in denen das Unternehmen 300-mm-Wafer produziert. Insgesamt unterhält MEMC weltweit zwölf Standorte für die Wafer-Fertigung.