Der Halbleitermarkt wird nicht wachsen Die Erwartungen waren schlichtweg zu hoch

Wachstum von Mikroelektronik und Weltwirtschaft (BIP)

Ende November 2018 prognostizierte der WSTS für dieses Jahr einen Umsatzzuwachs von 2,6 Prozent auf dem Halbleitermarkt, der IHS hatte im Oktober 2018 sogar noch 4,4 Prozent Wachstum vorhergesagt.

Im Februar korrigierte der WSTS sein Plus von 2,6 Prozent auf ein Minus von 3,0 Prozent, IC Insights wiederum geht mittlerweile davon aus, dass der Halbleitermarkt um 7 Prozent schrumpfen wird. Auch diverse Firmen haben bereits ihre Umsatz- und Gewinnerwartungen nach unten korrigiert und zum Teil drastische Maßnahmen angekündigt, um der schlechten Umsatzentwicklung entgegenzuwirken. Auch auf dem Halbleiterforum der Markt&Technik im Dezember 2018 waren die meisten Halbleiterhersteller trotz aller Unwägbarkeiten – Brexit, Handelskrieg, China – überzeugt, dass der Markt in diesem Jahr wachsen wird.

Jetzt hat sich das Bild komplett gedreht, und das innerhalb von nur wenigen Monaten. Allerdings ist Dr. Ulrich Schaefer, Marktexperte Mikroelektronik des ZVEI, der Meinung, dass die IHS-Prognose von vornherein zu optimistisch war. Außerdem habe sich bereits im vierten Quartal 2018 ein deutlicher Rückgang des Wachstums gezeigt, nach zwei Jahren mit deutlichen Zuwachsraten: 2017: + 21,6 Prozent; 2018: +13,7 Prozent – ohne Speicher waren es 2017 noch +9,9 Prozent und 2018 +7,8 Prozent. »Im Januar und Februar hat sich der Negativtrend aus dem vierten Quartal fortgesetzt, weshalb heute klar ist, dass der Halbleitermarkt in diesem Jahr schrumpfen wird«, so Schaefer weiter.

Fragt man die Halbleiterhersteller nach ihrer jetzigen Einschätzung, wie sich Halbleiterumsatz, Applikationen und Regionen in diesem Jahr entwickeln werden, sind die Aussagen positiver als die WSTS-Prognose, auch wenn sie im Vergleich zum Vorjahr nach unten korrigiert werden mussten. Von Infineon heißt es beispielsweise in einem offiziellen Statement: »Infineon erwartet für 2019 ein Umsatzwachstum von 5 Prozent. Aufgrund der anhaltenden globalen wirtschaftlichen Unsicherheit und schwächerer Marktnachfrage in einigen Endmärkten haben wir unsere vorherige Prognose nach unten korrigiert. Wir erwarten dabei ein stärkeres zweites Geschäftshalbjahr, jedoch mit geringeren Steigerungsraten im Juni- und Septemberquartal als saisonal üblich. Die Nachfragesituation gestaltet sich uneinheitlich. Auf der einen Seite sehen wir nach wie vor eine starke, strukturelle Nachfrage, getrieben durch Trends wie EV, ADAS oder erneuerbare Energien. Auf der anderen Seite gibt es Marktschwächen, die zu erhöhten Händlerbeständen geführt haben. Betroffen sind Bereiche unseres Segments Power Management & Multimarket und auch einige klassische Automotive-Applikationen. Aus regionaler Sicht sehen wir Schwächen in China im Bereich Automotive im Zuge des Rückgangs des chinesischen Automarktes.«

Toshiba Electronics Europe beurteilt die Situation etwas anders. So erklärt Armin Derpmanns, General Manager Semiconductor Marketing bei Toshiba Electronics Europe, dass je nach Applikation und Produkttyp wie -kategorie die Erwartungen unterschiedlich ausfallen. »Während der Bedarf im Automobil-, Industriebereich als auch im Infrastrukturbereich im Schnitt weitgehend stabil ist, sehen wir bei Konsumgeräten, Weißer Ware, Kommunikationsendgeräten wie Mobiltelefonen, aber auch bei Lighting einen sinkenden Bedarf. Der Bereich Power entwickelt sich prinzipiell positiv, auch wenn dort leichte Korrekturen in einzelnen Segmenten zu erwarten sind.«