Markt&Technik-Forum Halbleiter Der Halbleiterbedarf wächst – so oder so

Die Teilnehmer des Forums: Raphael Hrobarsch, Sales Manager Automotive Europe und Sales Manager CEE von Diodes Hans Adlkofer, Vice President Head of Automotive Systems Group von Infineon Technologies Thomas Rothhaupt, Director Sales & Marketing bei Inova Semiconductors Norbert Siedhoff, Geschäftsführer bei Microchip Technology Jürgen Weyer, Vice President Automotive Sales EMEA von NXP Semiconductors Dr. Ulrich Giese, Senior Director Automotive Solution Business Unit bei Renesas Electronics Europe Dr. Bernhard Rauscher, Vice President EMEA Region, Managing Director von STMicroelectronics

Der WSTS geht in seiner Herbstprognose davon aus, dass der weltweite Halbleitermarkt in diesem Jahr ein Volumen von 478 Mrd. Dollar aufweisen wird, 15,9 Prozent mehr als 2017. Nächstes Jahr soll es abermals aufwärts gehen, allerdings nur noch um 2,6 Prozent.

In absoluten Zahlen ausgedrückt heißt das, dass der globale Halbleitermarkt 2019 ein Umsatzvolumen von 490 Mrd. Dollar erreichen wird und alle Regionen sollen wachsen. Die Teilnehmer des Halbleiterforums der Markt&Technik sind sich ebenfalls einig, dass der Bedarf an Halbleitern steigt, was besonders für den Automotive-Markt, aber auch für das Industriesegment gilt. Jürgen Weyer, Vice President Automotive Sales EMEA von NXP Semiconductors, erklärt stellvertretend, dass die Automobilindustrie zwar kein großes Stückzahlwachstum aufweist – von 2 bis 3 Prozent ist die Rede –, aber der Elektronikanteil in den Fahrzeugen wächst seit Jahren und dieser Trend hält an. Weyer: »Ich bin sehr zuversichtlich, dass der Markt wachsen wird, auch wenn die gesamten Randbedingungen sehr schwierig sind; die Kombination von Brexit, Trump und Handelsbarrieren machen das nicht leichter. Und ob die Chinesen ihr Wachstumsziel von 6,5 Prozent schaffen, muss man ebenfalls abwarten.«

Der Optimismus wird auch nicht dadurch getrübt, dass der Automotive-Markt gerade jetzt in Deutschland eher unrund läuft. Hans Adlkofer, Vice President Head of Automotive Systems Group von Infineon Technologies, merkt an, dass alle die Auswirkungen der WLTP (Worldwide Harmonised Light-Duty Vehicles Test Procedure) unterschätzt hätten. Denn das seit Herbst 2017 geltende Testverfahren zur Bestimmung des Kraftstoffverbrauchs und der Abgasemissionen hat dazu geführt, dass manche Fahrzeugmodelle nicht ausgeliefert bzw. gar nicht bestellt werden konnten. Und das hatte enorme Auswirkungen: Der ZVEI erklärt, dass das BIP-Wachstum in der Euro-Zone im dritten Quartal 2018 verlangsamt ablief, bedingt durch die Abschwächung der Auto-Industrieproduktion, besonders in Deutschland und Frankreich, was wiederum WLTP-bedingt war.

Diese Entwicklung war natürlich in keinem Forecast vorgesehen, wobei Thomas Rothhaupt, Director Sales & Marketing bei Inova Semiconductors, überzeugt ist, dass das Problem zeitlich begrenzt ist. Adlkofer erklärt weiter: »Wenn man sich den globalen Trend anschaut, gebe ich Herrn Weyer Recht: Der Halbleiterumsatz im Automotive-Markt wird deutlich wachsen, weil Anwendungen wie ADAS den Halbleiterbedarf treiben.«

Das Stückzahlwachstum ist aber auch in anderen Märkten nicht mehr der Wachstumstreiber. So weist Dr. Bernhard Rauscher, Vice President EMEA Region, Managing Director von STMicroelectronics, darauf hin, dass die Stückzahlen verkaufter Smart­phones nur noch sehr moderat steigen, wenn überhaupt, und dennoch: Für ST wächst der Umsatz in diesem Segment, denn auch hier treiben Innovationen die Nachfrage nach Halbleitern nach oben.

Eine Delle

Das vom WSTS prognostizierte Umsatzwachstum von 2,6 Prozent für 2019 fällt deutlich geringer aus als in den letzten zwei Jahren. Das erwarten die Halbleiterhersteller wohl ebenfalls, denn Norbert Siedhoff, Geschäftsführer bei Microchip Technology, verweist darauf, dass diverse Halbleiterfirmen für das laufende Quartal einen Umsatzrückgang vorhergesagt haben. Auch das erste Quartal 2019 soll noch schwach ausfallen, wirkliche Besserung soll erst im dritten Quartal 2019 erfolgen. »Das ist eine Delle, langfristig steht das Halbleiterwachstum aber nicht in Frage, denn Chips werden auch weiter gebraucht.«