ZVEI/DekaBank Der Euro - ein Segen oder doch ein Fluch?

Die deutsche Elektroindustrie – die mit mehr als 840.000 Beschäftigten zweitgrößte Industriebranche hierzulande – ist sowohl in dem Jahrzehnt vor der Einführung des Euro als auch danach dynamisch gewachsen. Dies ist zentrales Ergebnis einer gemeinsamen Studie von DekaBank und ZVEI - Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie.

Seit Einführung des Euro-Buchgeldes im Jahr 1999 ist die Produktion elektrotechnischer und elektronischer Erzeugnisse in Deutschland um mehr als 4 Prozent pro Jahr gestiegen. Die deutschen Elektroexporte haben seitdem jährlich um 5,5 Prozent – und damit also nochmals stärker als der Output – zugelegt. Über den gesamten Zeitraum haben sich die Ausfuhren entsprechend fast verdoppelt. »Seit Euro-Einführung sind die Ausfuhren in die Eurozone um knapp 4 Prozent pro Jahr gewachsen«, sagt Dr. Andreas Gontermann, Chefvolkswirt beim ZVEI. »In die Gruppe mit vergleichbaren Industrieländern innerhalb Europas, die noch eine eigene Währung haben – also Großbritannien, Schweden, Dänemark, Norwegen, Schweiz -, legten die Elektroexporte nur um etwa 2,5 Prozent jährlich zu.«

Aus der Sicht von Gontermann sei bei der Betrachtung der Vorteile des Euro auch zu bedenken, dass die ehemalige D-Mark heute wohl deutlich stärker wäre, als es der Euro ist. Darüber hinaus fallen heute im Euroraum keine Transaktionskosten und teure Sicherungsgeschäfte mehr an, die früher regelmäßig mit dem Währungsumtausch verbunden gewesen sind. Die weitere konjunkturelle Entwicklung sei wie nie zuvor von Politikentscheidungen abhängig. »Die baldige und nachhaltige Bewältigung der europäischen Schuldenkrise ist derzeit die mit Abstand größte Herausforderung«, betont Gontermann.

Das bestätigt Dr. Andreas Scheuerle, Leiter Konjunktur Industrieländer im Makro Research der DekaBank: »Der Euro ist es wert, alle Möglichkeiten zu seiner Rettung auszuschöpfen. Er bietet etwa die Chance, neben den großen Wirtschaftsräumen Nordamerika und Asien bestehen zu können und schafft einen großen Kapitalmarkt, der eine interessante Alternative zum Dollar bietet.« Eine Europäische Transferunion sei aber ökonomisch wie politisch nur begrenzt möglich. »Letztlich hängt die Zukunft der Währungsunion von der Reformfähigkeit Südeuropas ab«, so Dr. Scheuerle. Zudem müsse die Politik näher zusammenrücken und den bestehenden Fiskalpakt um glaubwürdige Regeln, Sanktionsmechanismen und eine Überwachungsinstanz ergänzen sowie Strukturhilfen gewähren.