Reaktionen aus China auf US-Politik »Der chinesische Markt ist für die USA verloren!«

Die chnesische IC-Industrie boomt - keine Gefahr sondern eine Chance für die weltweiten Hersteller, wie Prof. Wei Shaojun erklärt.
Der US-Lieferbann gegen Huawei dürfte berächtliche Auswirkungen auf das Unternehmen haben. China reagiert mit Durchhalteparolen.

China gibt sich äußerst selbstbewusst: Die USA würden einen Markt verlieren, China könne nur gewinnen. Ganz so einfach dürfte es nicht werden.

Denn wie lange Hauwei ohne Zulieferer wie Qualcomm und Intel auskommen kann, wie lange die angeblich angelegten IC-Vorräte halten, bleibt abzuwarten. Die Huawei-Tochter HiSilicon hat zwar einige eigene Chips entwickelt, die aber von TSMC produziert werden. Wie wird sich TSMC in Zukunft verhalten? Die USA könnten mächtig Druck ausüben. Außerdem gibt es bestimmte ICs, etwa im HF-Sektor, die China kaum in absehbarer Zeit durch eigene Produkte ersetzen könnte. So hat Qorvo hat die Lieferungen beretis eingestellt.

Auch die eigenen Fabs wollen erst einmal gebaut sein. Und um darin fertigen zu können, sind viele Spezialmaschinen erforderlich – die zum größten Teil wieder aus den USA kommen müssten. Das hatte der Fall von Fujian Jin Hua Integrated Circuit Company deutlich gezeigt: Der chinesische Hersteller von DRAMs wollte die Fertigung in einer neuen Fab Ende vergangenen Jahres aufnehmen, darf aber von amerikanischen Equipment-Herstellern nicht beliefert werden. Der Grund: Micron wirft Jin Hua Integrated Circuit vor, spioniert zu haben, auch Foundry UMC ist involviert, die nun wohl nicht ins DRAM-Geschäft einsteigen wird.

Das ficht die regierungsnahe chinesischen Zeitung »Global Times« nicht an. China sei schon jetzt auf dem Halbleitersektor führend – gemessen an der Wachstumsrate. Nach Erhebung der China Semiconductor Industry Association (CSIA) habe der Umsatz der chinesischen Halbleiterindustrie  2018 um 25,7 Prozent auf 653,2 Mrd. Yuan zugenommen.

In der jetzigen Situation wolle China die unabhängige Forschung und Entwicklung erst Recht vorantreiben. Es müsse eine vollständige Wertschöpfungskette im Land entstehen. Allerdings gehe das ohne ausländische Unterstützung nicht.

Die Global Times weist darauf hin, dass praktisch alle großen weltweit operierenden Halbleiterfirmen in China investierten, darunter Qualcomm Technology, die zusammen mit China Datang in die chinesische C-Firma JLQ investiert hätte. Die koreanische SK Hynix wolle vier Fabs in China bauen.   

Es fehlt an High-Tech-Personal

Allerdings benötige die chinesische Industrie auch gut ausgebildete Mitarbeiter. Daran aber mangele es: Während die chinesische Halbeiterindustrie bis 2020 rund 720.000 Mitarbeiter benötige, stehen aus dem Inland nur 400.000 zur Verfügung.  »Wir brauchen Zuversicht und Geduld und wir müssen uns auf einen langen Kampf einstellen«, sagte Wei Shaojun, Director of the Institute of Microelectronics at Tsinghua University, gegenüber der Global Times.

Was speziell Huawei betrifft, ist Global Times überzeugt, dass Gründer und CEO Ren Zhengfei das Unternehmen auf die Auseinandersetzung gut vorbereitet hat. Zudem sei auch die gesamte chinesische Bevölkerung entschlossen, Huawei dabei zu helfen, eventuelle Schwierigkeiten zu überwinden, Schwierigkeiten, denen jedes Unternehmen gegenüberstünde, die plötzlich von einem großen Wirtschaftsraum abgeschnitten sei. Wenn aber ein Äunternehmen weltweit einen solchen Schlag überleben könnte, dann wäre es Huawei.

»Wo Huawei nicht installieren darf, fällt 5G zurück«

Umgekehrt würde das eben auch funktionieren: Huawei halte viele Patente und wenn Huawei von Aufbau der 5G-Infrasturktur in diesen Wirtschaftsräumen ausgeschlossen wäre, würde sie das treffen: Sie gerieten dann technologisch ins Hintertreffen. Auch China habe die Fähigkeit, Lieferketten zu zerstören, auf die externe Industrien bisher vertraut haben.

Der Bann habe darüber hinaus den Ruf der amerikanischen Unternehmen beschädigt. Das sei ein Wendepunkt für China, das Land werde sich nun von amerikanischen Kerntechnologien wie IT und Chips verabschieden.

Sicherlich werde Huawei Schwierigkeiten haben, aber gestärkt aus ihnen hervorgehen, mit Unterstützung der chinesischen Gesellschaft insgesamt. Die amerikanischen Hersteller könnten dagegen nur zusehen, wie ihr Geschäft schrumpft. Sie würden den chinesischen Markt unwiederbringlich verlieren.