Kommentar Dedizierte Fabs: Die Flucht nach vorne

Heinz Arnold, Chefredakteur Energie&Technik
Heinz Arnold, Chefredakteur Energie&Technik

Funktioniert das Foundry-Modell noch, wenn eine Foundry eine komplette Fab für nur einen großen Kunden betreibt, wie Morris Chang, CEO von TSMC, kürzlich angedeutet hat? Und was steckt hinter dieser Überlegung?

Foundries produzieren ICs für Firmen, die sich eine eigene Fertigung nicht leisten können oder wollen, und für Firmen, die ihre Fertigung teilweise auslagern. Weil sie für viele Kunden arbeiten, können die Foundries ihre Fabriken füllen und profitabel arbeiten. Damit erwirtschaften sie das Geld für die Investitionen in große Fabs und neue Prozesstechniken. Foundry-Pionier TSMC hat gezeigt, dass dieses Geschäftsmodell mit vielen Kunden und vielen verschiedenen Produkten funktioniert.

Da hat es allerdings eine Firma einfacher, die sich auf einige wenige Produkte spezialisiert hat, davon aber sehr hohe Stückzahlen fertigt. Firmen wie Samsung und Intel können sich eigene Fabs leisten und sie sind in der Prozesstechnik führend. Jetzt eröffnet sich ihnen sogar die Chance, ihre Führungsposition weiter auszubauen, denn sie können sich den Sprung zur 450-mm-Wafergeneration leisten.

Doch werden auch einzelne Foundries den Sprung wagen, das Geschäftsmodell dieser Foundries sollte also weiter funktionieren.

Kürzlich aber hat Morris Chang, CEO von TSMC, eine interessante Bemerkung fallen lassen: Er könne sich vorstellen, dass eine Foundry künftig eine eigene Fab ausschließlich für einen großen Kunden baue und betreibe. Würde dies das Geschäftsmodell nicht auf den Kopf stellen?

Nun fahren die Foundries schon heute bestimmte Prozesse, die speziell auf einen Kunden zugeschnitten sind. Dennoch, der Sprung von einem dedizierten Prozess zu einer dedizierten Fab wäre schon gewaltig. Warum denkt Morris Chang dann wohl über dedizierte Fabs nach?

Da stellt sich zunächst die Frage: Wer käme als Kunde für eine dedizierte Fab überhaupt in Betracht? Hier drängen sich nur ganz wenige Hersteller auf, die über keine eigene Fab verfügen, wohl aber in Volumen vorstoßen, die eine eigene Fab rechtfertigen würden. Warum sollten diese Firmen nicht gleich eine eigene Fab bauen, ohne Umweg über eine Foundry?  Eine Firma wie Intel zeigt, dass dies funktioniert und hat Intel nicht erst kürzlich davon gesprochen, dass das Foundry-Modell ein Auslaufmodell wäre, weil es technisch gesehen mehr und mehr ins Hintertreffen gerät?

Vielleicht tritt Chang also mit der dedizierten Fab die Flucht nach vorne an. Bevor einer der Großen ohne eigene Fab plötzlich auf die Idee kommt, seine eigenen Fertigungen dort zu bauen, wo Subventionen winken, oder gar mit einem IDM anzubandeln, bietet TSMC die dedizierte Fab. Risikoreich wäre dieser Ansatz sicherlich für beide Seiten, Foundry und großen Fabless-Hersteller. Von der Risikobewertung hängt ab, ob am Ende nicht doch Intel zumindest ein wenig Recht behält. Denn das Foundry-Modell ist sicherlich kein Auslaufmodell - aber vielleicht doch auf der Ebene der allerneusten Prozesse und der größten Fabless-Hersteller?

Ihr Heinz Arnold