Texas Instruments Das Portfolio: ein wichtiger Wettbewerbsvorteil

Heinz-Peter Beckemeyer, Texas Instruments

»Wir kombinieren Halbleiterexpertise mit Automobil-Expertise, was enorme Vorteile mit sich bringt.«
Heinz-Peter Beckemeyer, Texas Instruments »Wir kombinieren Halbleiterexpertise mit Automobil-Expertise, was enorme Vorteile mit sich bringt.«

Texas Instruments ist seit Jahren führender Halbleiterhersteller für die Automobilindustrie. Markt&Technik sprach mit Heinz-Peter Beckemeyer, Director Automotive Systems von Texas Instruments, über die Gründe, spannende Technologien und vieles mehr.

Markt&Technik: TI adressiert im Fahrzeug vier Segmente: ADAS, Infotainment & Cluster, Body & Lighting und alles, was mit der Elektrifizierung zusammenhängt. Welcher Bereich ist der wichtigste?

Heinz-Peter Beckemeyer: Eigentlich sprechen wir von fünf Sektoren, denn passive Safety fehlt in Ihrer Aufzählung. Allerdings liegt hier nicht unser Hauptfokus drauf. Wir fokussieren ganz klar die Wachstumsbereiche, die Sie erwähnt haben. Im Body-Bereich werden viele Entwicklungen ganz klar durch die sogenannten Convenience-Applikationen getrieben. Aber auch der Lighting-Bereich weist hohe Wachstumsraten auf. Das bezieht sich besonders auf die Außenbeleuchtung, sprich: Frontscheinwerfer mit LED-Matrix und in Zukunft auch mit der DLP-Technik (Anmerkung der Redaktion: DLP = Digital Light-Processing).

DLP-Technik im Frontscheinwerfer?

Ja, weil sie eine differenzierte Technologie ist, mit der man komplett neue Anwendungen realisieren kann. Hier haben wir schon erste Erfolge verbuchen können, manche sind auch schon öffentlich gemacht worden, demnächst kommen aber sicherlich noch mehr Ankündigungen dazu. Offiziell ist beispielsweise bekannt, dass Mercedes die DLP-Technik in seinen Scheinwerfern einsetzt. Ich würde sagen, mit der DLP-Technik lässt sich DAS adaptive Fernlicht schlechthin realisieren. Bei LED-Matrix-Scheinwerfern können bestimmte LEDs ein- und ausgeschaltet werden, bei uns geht es um Millionen von Pixeln. Das heißt, mit der DLP-Technik eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten. Ein Extrembeispiel: Sie fahren im Winter bei Schneefall. Normalerweise kann man das Fernlicht nicht einschalten, weil man dann nichts mehr sieht. Mit der DLP-Technik wäre es möglich, die Schneeflocken auszublenden.

Also gibt es schon konkrete Zeitpläne, wann die ersten Fahrzeuge mit DLP-Technik auf der Straße sein werden?

Ja.

Wird die DLP-Technik noch in anderen Bereichen im Fahrzeug eingesetzt?

Ja, in Head-Units. Auch hier ist die Technik sehr erfolgreich. Headup-Displays mit DLP sind heute schon auf der Straße. Außerdem bin ich überzeugt, dass die DLP-Technik in Zukunft verstärkt auch als Display eingesetzt wird. Darüber hinaus gibt es auch Anwendungen, die heute noch nach absoluter Zukunftsmusik klingen, die aber durchaus vorstellbar sind. In Zukunft könnte beispielsweise die gesamte Windschutzscheibe zum Display werden. Und davon sind wir eigentlich gar nicht mehr so weit entfernt, weil ein Headup-Display ja schon in diese Richtung geht.

Die DLP-Technik hat noch viel Luft nach oben. Auch im Scheinwerfer. So kann mit der DLP-Technik beispielsweise nur der Kopf des Fahrers ausgeblendet werden, oder ein autonomes Fahrzeug projiziert einen Zebrastreifen auf die Straße, sodass der Fußgänger weiß, dass er die Straße kreuzen kann.

DLP ist eine von TI entwickelte Technik. Wo sehen Sie weitere Besonderheiten von TI?

Ich würde es folgendermaßen formulieren: TI beschleunigt die zukünftige Systementwicklung im Automotive-Bereich. Und warum behaupte ich das? Weil wir ein umfassendes Portfolio anbieten, angefangen bei Analogtechnik und Embedded Processing bis hin zur DLP-Technik, und nicht nur einen Chip. Egal um welches End-Equipment es geht, wir können typischerweise 80 bis 100 Prozent der benötigten Chips abdecken. Das bilden wir auch auf unserer Web-Seite ab. Wenn Sie dort auf Applikationen & Designs gehen und dann in den Automotive-Bereich, finden Sie viele Beispielapplikationen, die wir mehr oder minder komplett abdecken können. Und ich rede wirklich von vielen Beispielen, denn wir sprechen von ca. 150 verschiedenen End-Equipments.

Wie sieht das dann konkret aus?

Nehmen wir als Beispiel ein Motormodul für das Sonnendach. Sie finden für diese Anwendung auf unserer Webseite ein interaktives Blockdiagramm. Wenn Sie auf eines der dazugehörigen Subsysteme klicken, dann gibt es dazu die empfohlene Produkteliste und die Referenzdesigns, die wir bei uns im Team entwickeln. Das ist der große Unterschied zu vielen anderen Halbleiterherstellern: Wir kombinieren Automotive-Expertise und Halbleiterexpertise.

Auf dem Automotive-Markt hätte ich nicht erwartet, dass jemand an Referenzdesigns interessiert ist. Geht es hier um eine kurze Time to Market?

Das ist ein Punkt. Wir helfen den Entwicklern, schneller zu Lösungen zu kommen. Dabei geht es nicht darum, dass die Schematics, die wir anbieten, 1:1 übernommen werden. Aber sie stellen eine Basis dar, mit der Entwickler sehr schnell zum Ziel kommen. Für uns wiederum hat die Entwicklung der Referenzdesigns zur Folge, dass wir uns diese Systeme im Detail anschauen und sie damit auch genauestens zu verstehen lernen. Dementsprechend können wir auch die richtigen Empfehlungen geben.

Stellen Sie sich vor, ein Entwickler braucht für sein System einen LDO oder einen DC/DC-Wandler. Früher musste er auf die Webseiten der Hersteller gehen und versuchen, ein entsprechendes Produkt zu finden. Nach gut einer Stunde hat er dann herausgefunden, dass es 380 mögliche Varianten gibt. Dann muss er seine Parameter herausfinden und hoffen, dass das entsprechende Produkt auch noch AEC-Q100-qualifiziert ist. Das nimmt viel Zeit in Anspruch. Mit unserer gezielten Produktempfehlung auf der jeweiligen End-Equipment-Webseite und unseren Referenzdesigns können wir sehr schnell entsprechende Empfehlungen geben.

Es gibt aber noch einen zweiten Punkt: Die Landschaft der End-Equipments ändert sich radikal. Allein wenn Sie sich den Bereich HEV/EV anschauen: Da sind viele Systeme dabei, die die OEMs oder Tier-Ones noch nie entwickelt haben, die jetzt aber gefordert sind. Nehmen wir einen bidirektionalen DC/DC-Wandler, der das 48-V-Bordnetz mit dem 12-V-Bordnetz verbindet. Diese Wandler sind heute wichtig, denn die 48-V-Technik hilft, die CO2-Emissionen zu reduzieren, durch beispielsweise eine stabile Stromversorgung auch bei ausgeschaltetem Verbrennungsmotor. Das dazugehörige Design steht bei uns auf der Webseite. Die verfügbaren Informationen können die Entwickler nehmen und komplett testen. Und auf Basis dieses Designs können sie weiterentwickeln, sei es hinsichtlich des Formfaktors oder dass der eine oder andere Parameter unterschiedlich ist. Aber das Beispiel-Design ist der perfekte Ausgangspunkt, mit dem er schon ziemlich weit kommen kann. Dazu gibt es dann noch die entsprechenden Empfehlungen bezüglich der zu verwendenden Produkte. Bei dem eben erwähnten Beispielswandler gibt es beispielsweise das „Primary Current Sense“-Subsystem. Für dieses Subsystem gibt es wieder ein Referenzdesign, was wir anbieten. Auch wenn es um Batteriemanagementsysteme geht, finden die Entwickler entsprechende Beispiele bei uns, egal ob es um 800-, 400- oder 48-V-Systeme geht. Alle Varianten haben wir abgebildet. Auch für diverse Funktionsblöcke bieten wir entsprechende Designs an. Ein Beispiel: Monitoring und Over-Current-Detection. In diesem Fall gibt es von uns zwei Referenzdesigns, die ganz explizit auf diese Thematik eingehen, mit der Sie eine hochpräzise Strommessung von mA bis in den kA-Bereich vornehmen können.