Lattice Semiconductor Control, Connect und jetzt auch Compute

Glen Hawk, Lattice Semiconductor: »Control und Connect – die zwei Bereiche versprechen auch weiterhin ein stabiles Wachstum, das wir nutzen werden. Aber jetzt kommt mit Compute ein vollkommen neuer Markt für Lattice, der ganz neue Wachstumschancen bietet.«

Im November 2016 wollte Canyon Bridge noch Lattice Semiconductor für 1,3 Mrd. Dollar, ein Plus von 30 Prozent auf den Aktienpreis, übernehmen. Im November 2017 kam dann das Aus, quasi von höchster Seite: Donald Trump hatte die Übernahme aus Sicherheitsgründen untersagt.

Markt&Technik sprach mit Glen Hawk, COO von Lattice Semiconductor, wie es jetzt weitergeht.

Markt&Technik: Donald Trump hat verhindert, dass Lattice von Canyon Bridge übernommen wurde; war das eine Überraschung?

Glen Hawk: Wir haben die Vereinbarung letztes Jahr im November unterzeichnet, da war Trump noch nicht US-Präsident. Wir waren uns nicht sicher, ob die Übernahme durchgeht, aber das Angebot war wirklich gut und wir mussten zustimmen. Meine Aufgabe bestand darin, dass dieser Schritt für uns kein Risiko darstellt, auch wenn die Akquisition nicht genehmigt wird. Heute würde ich sagen: Es hat sich nicht viel verändert dadurch, dass die Übernahme nicht genehmigt wurde. Wir hätten vielleicht etwas mehr Investitionen zur Verfügung gehabt, aber die Strategie hätte sich so oder so nicht geändert.

Wie sieht die Strategie denn aus?

Lattice fokussiert sich auf Edge-Anwendungen, was im krassen Gegensatz zu Altera bzw. Intel und Xilinx steht. Wir sind überzeugt, dass unsere Produkte im Edge drei Aufgaben übernehmen können: Control, Connect und neuerdings auch Compute.

Das klingt nach einer ziemlich neuen Strategie…

Ja. Lattice, Xilinx und Altera haben alle im gleichen Jahr angefangen. Sie haben alle in der Kommunikationsindustrie konkurriert, das war der erste große Markt für FPGAs, von der Nutzung als Prototyping-Umgebung mal ganz abgesehen. Damals haben Altera und Xilinx Lattice überholt und Lattice hat sich auf wirklich kleine FPGAs und CPLDs konzentriert. Als Darin Billerbeck CEO von Lattice wurde, war das Unternehmen zwar in einer guten Verfassung, wir hatten unsere Nische gefunden, aber es gab nicht viel Platz für Wachstum. Billerbeck entschied sich dafür, den Konsumgüter-Markt zu erobern, was schlussendlich auch zur Übernahme von Silicon Blue führte. Die iCE-FPGAs ebneten den Weg in die Mobiltelefone. Diese Bausteine wanderten beispielsweise in vier Mobiltelefongenerationen von Samsung; sie sind aber auch im iPhone 7, in Huawei-Telefonen und bei Oppo zu finden. Diese Übernahme hat sich als wirklich gut erwiesen und unser Connectivity-Geschäft gestärkt.

Und wie sieht es mit der Silicon-Image-Übernahme aus?

Die Übernahme von Silicon Image war eine gute Idee, von einem Technologiestandpunkt aus betrachtet, aber im Nachhinein war sie zu teuer. Denn der Großteil des Umsatzes von Silicon Image kam von Digital-TVs und es hat sich später herausgestellt, dass sich dieser Markt komplett verändert hat. Aber Billerbeck wollte die Technologie und langfristig wird sich diese Übernahme auch auszahlen.

Sie sprachen von drei Anwendungsbereichen: Connect, Control und Compute. Was ist mit dem Control-Bereich?

Finanziell gesehen ist die Control-Kategorie ziemlich stabil. Wenn man sich den Umsatz der letzten zehn Jahre anschaut, dann entfielen auf diesen Bereich rund 200 Mio. Dollar pro Jahr. Das ist das klassische Lattice-Geschäft.

Was ist genau darunter zu verstehen?

Zum Beispiel sitzen unsere PLDs in Servern, nicht für die Rechenaufgaben, sondern beispielsweise für die Power-up-Sequenzierung oder für die Pre-Boot-Authentifizierung. Für Lattice gibt es ungefähr sieben Sockets in neuen Server-Plattformen, wobei Server-Boards sehr unterschiedlich konfiguriert sind. Die sieben Sockets gelten für komplexe Server-Boards, in den meisten Fällen sind es weniger. Wir sind aber auch im industriellen Bereich vertreten. Hier können wir mit unseren PLDs von der Einzelmotorsteuerung bis hin zu den modernsten Robotern alles abdecken.

Der Control-Bereich ist sehr wichtig für uns, weil er eine große Stabilität gibt. Wenn man sich die 200 Mio. Dollar Umsatz aus diesem Bereich genauer ansieht, stellt man fest, dass im letzten Jahr noch rund 8 Prozent unseres Umsatzes aus Design-Wins von vor 2006 herrühren. In diesen Anwendungen sind die Design-Zyklen sehr lang. Dazu kommen all die Design-Wins aus den anderen Jahren, die auch heute noch zum Umsatz beitragen, was schlussendlich zu einer schönen Diversität führt. Die Anzahl der Kunden in diesem Bereich ist mit über 4000 riesig.

Dieser Bereich hat aber noch einen weiteren ganz entscheidenden Vorteil für Lattice: Diese Kundenbasis ist genau dieselbe, die heute Edge genannt wird. Das heißt: Wir sind in diesem Bereich schon sehr lange aktiv.

Gibt es Beispiele, die zeigen, dass die Lattice-Produkte schon im Edge angekommen sind?

Nehmen Sie die iCE-FPGAs, die ursprünglich für Mobiltelefone entwickelt wurden; sie haben bereits ihren Weg ins Edge gefunden. So sind diese Komponenten beispielsweise in den Assistenzsystemen Amazon Dot und Ling­Long Ding­Dong oder in der Virtual-Reality-Brille HTC Vive zu finden. In diesen Systemen übernehmen die iCE-PLDs zum Beispiel die Aggregation der Mikrofonsignale zur Spracherkennung durch Beamforming. CrossLink ist eine ähnliche Geschichte. Ursprünglich wurden diese FPGAs für Digitalkameras entwickelt. Heute sind aber über 70 Prozent der Design-Wins in industriellen und Automotive-Anwendungen zu finden. Denn auch hier werden sie dafür eingesetzt, jede Kombination aus Display und Bilderfassungsgerät zu verbinden. Auch in diesem Fall haben unsere Consumer-Produkte aus dem Mobilbereich ihren Weg in die Industrie gefunden und übernehmen hier Konnektivitätsaufgaben.