Micron bleibt gelassen Chinesische Hersteller: so schnell kein Wettbewerb

Platz 5: Sanjay Mehrotra (Micron)
Sanjay Mehrotra, CEO von Micron, sieht die etablierten Hersteller von DRAMs und NAND-Flash-ICs so weit in Führung, dass er demnächst noch keine Auswirkungen durch den Einstieg chinesischer Unternehmen erwartet.

Wann werden die chinesischen NAND-Flash-IC- und DRAM-Hersteller zu einer relevanten Größe am Markt? Das kann noch lange dauern, meint Sanjay Mehrotra, CEO von Micron.

Immerhin befasst sich Apple bereits mit dem Gedanken, NAND-Flash-Speicher künftig auch von chinesischen Herstellern zu beziehen. Die zur Tsinghua Unigroup gehörende Yangtze Memory Technologies – die gute Beziehungen zu Intel unterhält – will die Lieferung von NAND-Flash-ICs bereits in diesem Jahr aufnehmen. Dahinter steht der chinesische Staat, der Milliarden in den Aufbau einer eigenen Chip-Industrie steckt – und am liebsten gleich mit High-End-ICs anfangen will. Wie soll der Aufbau gelingen? Zunächst hatte es so ausgesehen, dass China einfach führende Firmen übernimmt, um das Know-how ins Land zu holen. Genau das hatte die Tsinghua Unigroup 2015 mit Micron versucht: Das Unternehmen wollte Micron für 23 Milliarden Dollar kaufen, was die USA aber nicht zuließen.

Das wäre keinesfalls eine schlechte Wahl gewesen, denn Micron gehört heute neben Samsung und SK Hynix zu den wenigen führenden Herstellern, die sowohl von NAND-Flash-ICs als auch DRAMs im Programm führen. Die Übernahme von Elpida 2013 hatte zusätzliches IP (auch von Qimonda, der ehemaligen Infineon-Speicher-Tochter) und eine große Fab in Hiroshima gebracht. Zudem habe Micron laut Sanjay Mehrotra einen weiteren Trumpf in der Hand: Die mit Intel zusammen entwickelte 3D-XPoint-Technik, auf deren Basis beide Unternehmen nichts weniger als eine neue Speicherklasse auf den Weg bringen wollen.

Das zeige – um auf die Eingangsfrage zurückzukommen –, dass sehr viel Know-how in der Entwicklung von neuen Speichertechniken, sehr viel IP und Patente, sehr viel Wissen darüber, was genau die Kunden benötigen, welche Produktspezifikationen also erforderlich sind, und sehr viel Erfahrung in der Fertigung, um riesige Menge dieser ICs in hoher Qualität produzieren, testen und assemblieren zu können.  »Die führenden Hersteller haben dieses Wissen über Jahrzehnte aufgebaut«, sagte Sanjay Mehrotra in einem Interview gegenüber der Nikkei Asian Review. Er gibt sich deshalb gegenüber der entstehenden chinesischen Konkurrenz sehr gelassen. Sie sei doch noch »in einer sehr frühen Phase«.

Speicherbedarf wird noch lange anhalten...

Ganz vorne sieht er dagegen Mircon, das Portfiolio sei eins der breitesten in der Industrie und brauche sich hinter Marktführer Samsung nicht zu verstecken. Weil umgekehrt der Bedarf aus den unterschiedlichen Branchen von Datencentern über Smartphones bis zu Kraftfahrtzeugen und generell IoT ungebrochen anhalte und ein Ende nicht absehbar sei, ist er guten Mutes für die Zukunft, auch nach der Trennung der Partnerschaft von Intel.

… und die Zyklen?

Den optimistischen Ausblick ist Sanjay Mehrotra seiner Stellung als CEO von Micron natürlich schuldig. Aber in »frühen Phasen« befanden sich die IC-Industrien anderer Länder, angefangen von Japan bis Korea und Taiwan, auch einmal.

Zudem haben Analysten immer wieder auf den Höhepunkten der Zyklen Ausblicke von nicht enden wollenden Speicherbedarfen geliefert. Sie hatten damit langfristig sogar Recht, wie wir heute sehen. Nur hatten diese Prognosen den meisten Unternehmen, die den kurzfristigen Zyklen unterworfen waren, nicht viel genützt. Wir dürfen also gespannt sein, wie sich dieser Zyklus weiter entwickelt.