Interview mit Dr. Gerald Paul, Vishay »Chinas Industrieelektronikmarkt bietet uns ein riesiges Potenzial«

Dr. Gerald Paul, Vishay International: »Wir sind heute deutlich besser aufgestellt als vor vier Jahren und damit in der Lage schnell und flexibel auf plötzlich auftretende wirtschaftliche Ausschläge zu reagieren. Für 2013 bin ich optimistisch, wir rechnen mit einer klaren Steigerung.«
Dr. Gerald Paul, Vishay International: »Wir sind heute deutlich besser aufgestellt als vor vier Jahren und damit in der Lage schnell und flexibel auf plötzlich auftretende wirtschaftliche Ausschläge zu reagieren. Für 2013 bin ich optimistisch, wir rechnen mit einer klaren Steigerung.«

Neben den Märkten Mobilität, Nachhaltigkeit und Vernetzung setzt Dr. Gerald Paul, CEO und President von Vishay vor allem in Asien auf Wachstumschancen im Bereich Industrieelektronik.

Es war der Wunsch von Vishay-Gründer Dr. Felix Zandman, dass Dr. Gerald Paul, seit 2005 CEO und President des Unternehmens, zeitlich nicht limitiert im Amt bleiben solle. Zusammen mit dem Sohn des Gründers, Marc Zandman, dem Executive Chairman of the Board & Chief Business Development Officer des Unternehmens, bereitet Dr. Paul Vishay derzeit auf den nächsten Wachstumsschritt vor.

Markt&Technik: Das Jahr 2012 neigt sich dem Ende zu. Wie bewerten Sie seinen bisherigen Verlauf und mit welchen Erwartungen gehen Sie ins Jahr 2013?

Dr. Gerald Paul: Wenn Sie die nackten Zahlen betrachten, dann liegen wir 2012 deutlich hinter den Zahlen des Vorjahres. Nach drei Quartalen lag unser Umsatz bei knapp 1,7 Milliarden Dollar. Unsere Erwartungen für das letzte Quartal liegen angesichts verhaltener Orders zwischen 500 und 540 Mio. Dollar. Damit liegen wir auch 2012 klar über der 2-Milliarden-Dollar-Umsatzschwelle, aber doch deutlich unter dem Vorjahr. Trotz dieser Differenz, 2012 ist für uns kein schlechtes Jahr, aber eben auch kein richtig gutes. Dafür das 2013 ein richtig gutes wird, gibt es zwei Voraussetzungen: Amerika erholt sich und der chinesische Markt zieht spätestens ab der zweiten Jahreshälfte wieder so, wie in den letzten Jahren.

Sie haben einmal den Break-Even-Point für Vishay auf weniger als 1,850 Milliarden Dollar beziffert. Eine eher ungewöhnliche Maßnahme, warum haben Sie das getan?

Um ehrlich zu sein, ich war die ewigen Fragen der Analysten leid. Mit diesem Wert, und der Information, dass unser Deckungsbeitrag systematisch zwischen 46 und 48 Prozent liegt, verfügen sie nun über eine Formel anhand derer sie sich sehr gut errechnen können, wie gut, oder schlecht ein Jahr für Vishay verläuft.

Nach den Ereignissen und Maßstäben der der letzten Jahre wird 2012 von einigen als Übergangsjahr bezeichnet. Rechnen Sie mit einer Fortsetzung der starken Bedarfsausschläge in den nächsten Jahren?

Seit der weltweiten Krise 2008/09 nehmen die wirtschaftlichen Ausschläge in Häufigkeit und Ausmaß zu und stellen unsere Branche immer wieder vor Herausforderungen. Dennoch glaube ich an ein nach wie vor ungebrochenes Wachstum für die Elektronikbranche. Jedes abrupte Absinken des Bedarfs scheint von einem steilen Anstieg gefolgt zu werden. Wir sind inzwischen sehr gut für diese wechselnde Dynamik aufgestellt, und können schnell und flexibel darauf reagieren. Wir sind heute für diese wechselnden Dynamiken deutlich besser gerüstet, als vor vier Jahren.

Über einen Zeitraum von fast zwei Jahrzehnten ist Vishay von einem Nischenspezialisten über zahlreiche Akquisitionen zu einem Global Player gewachsen. Trotz dieser Zukäufe scheint das Unternehmen nur schwer über die 3-Milliarden-Dollar-Umsatzschwelle zu kommen. Ist der Wettbewerb bei diskreten aktiven und passiven Bauelementen so hoch?

Wir sind in der Vergangenheit kontinuierlich über Akquisitionen gewachsen. Durch die Marktverwerfungen der letzten Jahre war das nicht mehr in diesem Stil möglich. Wenn Sie den Weltmarkt für diskrete elektronische Komponenten betrachten, weist er ein jährliches Umsatzwachstum von 4 bis 6 Prozent auf, dem steht ein jährliches Stückzahlwachstum von 8 bis 10 Prozent gegenüber. Unser erklärtes Ziel ist es, ausgehend vom Basisjahr 2010 ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 8 Prozent zu erreichen. Wir haben dazu eine Strategie aufgesetzt, die neben Akquisitionen im gleichen Maße auf organisches Wachstum setzt.

Aktuell scheinen die Möglichkeiten für Akquisitionen eher dünn gesät zu sein. Ihre letzte Übernahme, HiRel Systems, datiert aus dem Januar 2012. Liegt das an häufig unterschiedlichen Preisvorstellungen?

Uns stehen aktuell rund 1,4 Milliarden Dollar an flüssigen Mitteln zur Verfügung. HiRel Systems haben wir rund 86 Millionen Dollar Cash übernommen. HiRel Systems mit seinen Induktivitäten hat unsere Anforderungen an Akquisitionen in idealer Weise erfüllt. HighRel Systems trägt von Beginn an zur Umsatzsteigerung bei, und der Payback von Akquisitions-und etwaigen Restrukturierungskosten erfolgt nach längstens acht Jahren. Aber häufig gingen in den letzten drei Jahren bei Sondierungsgesprächen mit potentiell interessanten, spezialisierten Firmen, die Einschätzungen über den angemessenen Kaufpreis auseinander. Unser Ziel sind spezialisierte Unternehmen mit gesundem Wachstum, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen unser existierendes Produktspektrum verstärken und erweitern. Dafür sind wir bereit pro Unternehmen bis zu 100 Millionen Dollar auszugeben.

Diese Strategie würde Sie, bezogen auf 5-Jahres-Intervalle schrittweise dem nächsten entscheidenden Wachstumsschritt näher bringen. Wäre aber die Übernahme eines größeren Unternehmens nicht effizienter?

Wir haben über die letzten zwei Jahrzehnte gezeigt, dass wir dazu in der Lage sind, und über die nötige Managementerfahrung für einen solchen Schritt verfügen. Mein persönliches Ziel ist es darum, vor dem Ende meiner Tätigkeit bei Vishay noch eine große Übernahme erfolgreich abzuschließen und damit entscheidend die Weichen für das weitere Wachstum des Unternehmens zu stellen. Ich gehe davon aus, dass sich eine solche Akquisition wohl eher im Bereich passiver Bauelemente, als bei diskreten Halbleitern realisieren ließe.