Messe für Smartcards und Identifikation Cartes 2011 im Zeichen von Near Field Communication

Kaum ein Stand war auf der diesjährigen Cartes&Identification in Paris anzutreffen, auf dem das Wort »NFC« (Near Field Communication) nicht zu lesen war. Bargeldloses Bezahlen (Mobile Payment) via Smartphone könnte die Killerapplikation für den Durchbruch zum Massenmarkt werden.

Die Branche hat jedenfalls binnen Jahresfrist ihre Hausaufgaben gemacht, die erforderlichen NFC-Bauelemente für die Anwenderprodukte und die Infrastruktur sind vorhanden. NFC-Chips bzw. Lösungen für NFC gibt es von den in diesem Halbleitersegment dominierenden Herstellern wie NXP Semiconductors (hat zusammen mit Sony NFC ins Leben gerufen), STMicroelectronics und Infineon Technologies sowie seit 1 Jahr auch von Maxim. Marcus Venmann, Leiter Marketing der Chipkarten-Division von Infineon Technologies, ist folglich »nach dem NFC-Hype im letzten Jahr« auf der weltweit wichtigsten Fachmesse zuversichtlich: »NFC geht viel stärker in konkrete Anwendungen.« Und weil Smartphones derzeit als die favorisierten mobilen Geräte für bargeldloses Bezahlen und E-Ticketing gelten, fokussieren die Chips des Münchner Halbleiterspezialisten auf diese High-End-Handys.

Um die erforderliche Akzeptanz beim Anwender und den Kreditinstituten für das heikle Thema »Bezahlen« zu erreichen, »brauchen wir eine Sicherheit wie bei Kreditkarten«. Dieser Anforderung nach Sicherheit werde man wahlweise gleich dreifach gerecht: mit sicherheitszertifizierten SIM-Karten, der Komponente Secure Elements und einer nachrüstbaren µSD-Karte. Als Grund für diese unterschiedlichen Ansätze führt Venmann an, dass manche Hersteller von Smartphones die Sicherheitskomponente selbst managen und diese durch das fest integrierte Secure-Elementes-Bauteil  selbst garantieren möchten, andererseits wollen auch Telefonprovider diese über die von ihnen ausgewählten SIM-Karten bereitstellen. Im übrigen setzt Infineon im Unterschied zu manchem Mitbewerber auf den offenen Standard Cipurse.

Was also verhindert noch den Durchbruch von NFC zum Massenprodukt? 2011 wird weltweit immerhin in 40 Mio. Smartphones die für bargeldloses Bezahlen und E-Ticketing erforderliche NFC-Funktionalität integriert sein, doch sind das nur 10 Prozent der in diesem Jahr hergestellten 400 Mio. Smartphones. Nimmt man noch die restlichen Handys dazu – alles in allem weit über 1 Mrd. Geräte -, sinkt der Prozentsatz in den niedrigen einstelligen Bereich. Immerhin steige momentan die Nachfrage für Secure Elements deutlich, Infineon liefere im laufenden Quartal bereits eine zweistellige Millionen-Stückzahl, woraus 2012 zwangsläufig wesentlich mehr NFC-fähige Handys resultieren. Doch um auch den Anwendern mit einem Handy ohne NFC in den Genuss des bargeldlosen Bezahlens zu bringen, zeichnen sich – möglicherweise nur vorübergehend als Brückentechnlogie - andere Lösungen ab.

So hat die deutsche Schreiner Prosecure auf Basis von NXPs diversen NFC-Chips zwei unterschiedlich große, flache NFC-Sticker entwickelt, mit denen bargeldloses Bezahlen via Paypass-Verfahren der Kreditkartenorganisation Mastercard ebenfalls möglich ist. Typischerweise wird der NFC-Sticker einfach auf ein Handy aufgeklebt, das dabei aber nur als rein mechanischer Träger des Sticks dient, die Handyfunktionalität ist nicht erforderlich fürs Bezahlen. Mit dieser NFC-Variante ließe sich die Zahl der Anwender ohne große Kosten recht schnell in die Höhe treiben. Was nun noch fehlt – etwa in Deutschland, in kleineren Ländern wie im Baltikum gibt es schon flächendeckende Anwendungen – ist der rasche Ausbau der Infrastruktur, damit Anwender an möglichst vielen Orten Kleinstbeträge rasch bargeldlos bezahlen können.