Furcht vor Handelskrieg Betreffen US-Zölle die Elektronikbranche?

Noch funktiniert der Handel zwischen den USA und Europa. Eine Eskalation mit gegenseitigen Vergeltungsmaßnahmen würde in eine Abwärtsspirale führen, die am Ende nur Verlierer kennt.
Noch funktioniert der Handel zwischen den USA und Europa. Doch eine Eskalation mit gegenseitigen Vergeltungsmaßnahmen würde in eine Abwärtsspirale führen, die am Ende nur Verlierer kennt.

Welche Auswirkungen Importzölle der USA auf die hiesige Elektronikindustrie nehmen könnten, ist derzeit kaum abzuschätzen. Verunsicherung aber ist immer schlecht.

Von direkten Einfuhrzöllen im Bereich der elektronischen Komponenten ist im Moment noch nicht die Rede. Im Moment will die US-Regierung Einfuhrzölle von 25 Prozent auf Stahl und 10 Prozent auf Aluminium erheben. Sollte die EU mit Schutzzöllen antworten, drohen die USA Importzöllen auf europäische Autos zu erheben.

Das gefällt dem VDA ganz und gar nicht. Bernhard Mattes, Präsident des VDA, rief deshalb am Freitag die Politik auf, einen Handelskrieg auf jeden Fall zu vermeiden. »Mit Emotionen kommen wir nicht weiter, wir brauchen eine sachliche Debatte«, sagte Mattes. Maßstab dafür seien sind die Prinzipien der Welthandelsorganisation WTO, die fairen und freien Handel sichern sollen.

Ähnlich argumentiert Dr. Andreas Gontermann, Chefvolkswirt des ZVEI, gegenüber Markt&Technik: »Es kommt darauf an, wie die von Strafzöllen benachteiligten Handelspartner reagieren. Folgt Schlag auf Schlag oder wird Ruhe bewahrt – davon wird einiges abhängen.« Eine Eskalation mit gegenseitigen Vergeltungsmaßnahmen würde in eine Abwärtsspirale führen, die am Ende nur Verlierer kennt.

»Äußerst besorgt« zeigte sich denn auch die deutsche Wirtschaft anlässlich eines Treffens mit Angela Merkel am Freitag: »Um eine Spirale des Protektionismus abzuwenden, sind Bundesregierung und EU gefordert, für das Welthandelssystem weiterhin einzustehen«, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Spitzenverbände zum Treffen mit Kanzlerin CDU-Chefin Angela Merkel am Freitag in München.

Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft hat Zahlen von TwinEconomics vorgelegt, nach denen bayerische Firmen 186.000 Menschen in den USA beschäftigen. Bayerische Unternehmen trugen demnach 2014 rund 120 Milliarden Euro zum Produktionswert der US-Wirtschaft bei, jüngere Daten liegen nicht vor. Davon würden 62 Milliarden Euro direkt von den bayerischen Firmen selbst produziert, weitere 41 Milliarden Euro werden den US-Zulieferern der bayerischen Unternehmen zugerechnet. Und außerdem geben die Mitarbeiter bayerischer Firmen und deren Zulieferer laut Studie jährlich etwa 18 Milliarden Euro aus.

Niedersachsen befürchtet Nachteile

Die zu 80 Prozent vom Export abhängige Metall- und Elektroindustrie in Niedersachsen befürchtet geschäftliche Nachteile durch den Handelsstreit mit den USA über Strafzölle. Das ist das Ergebnis einer am Freitag vorgestellten Umfrage des Metallarbeitgeber-Verbandes unter 900 Unternehmen. Die Sorge vor einer Eskalation verunsichere die Betriebe spürbar und dämpfe die Erwartungshaltung bei den Auftragseingängen, hieß es in Hannover.

»Rund 7 Prozent der Exporte der rheinland-pfälzischen Wirtschaft in die USA sind Metalle und Metallwaren«, sagt Andrea Wedig, USA-Expertin der Industrie- und Handelskammer (IHK)-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz. Auch wenn nicht alle diese Waren von den Strafzöllen betroffen seien, blicke man mit Sorge auf die Ankündigung. Die USA seien der zweitwichtigste Absatzmarkt für Produkte aus dem Land, so Wedig. Entsprechend wichtig seien verlässliche Handelsbeziehungen. Die IHK fordere offene Märkte und ein funktionierendes Welthandelssystem. Die Entscheidung der US-Regierung dürfe nicht ohne Gegenreaktion bleiben. Es sei aber wichtig, einen Handelskrieg zu vermeiden.