Erdbeben in Japan Auswirkungen auf die Lieferkette

Die Situation in Japan ist noch viel zu unübersichtlich, um verlässliche Aussagen über die Auswirkungen des Erbebens auf die Produktion von Elektronik geben zu können. Momentan sind wichtigere Probleme zu lösen. Dass die Katastrophe aber Effekte auf die Elektronik-Lieferkette nehmen wird, dürfte klar sein.

Derzeit steht in Japan die Rettung von Menschen im Zentrum. Außerdem bemühen sich die Techniker, die Atomkraftwerke unter Kontrolle zu bekommen. Welche Auswirkungen die Katastrophe auf die Versorgung der Welt mit Halbleitern und anderen Elektronik-Produkten nimmt, fällt dagegen weniger ins Gewicht.

Weil sich die meisten IC-Fabs südlich von Tokio befinden, hat das Erdbeben dort keine größeren Schäden angerichtet, zumindest sind nach den bisher vorliegenden Berichten keine Menschen verletzt worden. Das sagt im Moment noch wenig drüber aus, wie viel der ursprünglich geplanten Produktion ausfällt. Denn auch wenn Fabs aus Sicherheitsgründen nur kurz ihre Produktion unterbrechen, ist ein Großteil der ICs verloren, die sich zu diesem Zeitpunkt im Fertigungsprozess befanden. Wo und wie lange die Stromversorgung von Fabs unterbrochen wurde, ist ebenfalls zur Stunde nicht bekannt. Weil auch sonst wenig Information zu bekommen sind, ist weder abzusehen, wie hoch die Verluste durch eventuelle Produktionsausfälle liegen könnte, noch lässt sich sagen, welche Auswirkungen die Katastrophe auf die Lieferzeiten nehmen wird.

Japan spielt eine große Rolle in der IC-Lieferkette weltweit. Ob es um die Maschinen für die Halbleiterfertigung geht, um die ICs selber oder um Bildschirme – überall spielen japanische Hersteller eine führende Rolle.

Besonders hoch ist der Anteil der japanischen Produktion im Sektor der NAND-Flash-Speicher, Analysten schätzen, dass bis zu 40 Prozent aller NAND-Flash-Speicher aus Japan kommen. Kein Wunder, dass die Preise bereits anziehen. Am DRAM-Markt halten die japanischen Firmen einen Anteil von rund 15 Prozent.

SanDisk hatte bereits am 11. März bekannt gegeben, dass Fab 3 und Fab 4 (Joint-ventures mit Toshiba) in Yokkaichi ihre Produktion nach dem Beben kurz unterbrochen hätten, die Auswirkungen auf die Fertigung seien aber minimal geblieben. Keiner der Mitarbeiter sei verletzt worden. Yokkaichi liegt rund 500 km vom Epizentrum entfernt. Wie sich das Erdbeben insgesamt auf die Lieferkette auswirkt, weiß SanDisk derzeit auch nicht zu sagen.

Texas Instruments hat mitgeteilt, dass die Mitarbeiter der Fabs in Miho und Aizu nach dem Beben evakuiert worden seinen, es hätte keine Verletzten gegeben. Das Werk in Hiji sei nicht vom Erdbeben betroffen worden. Insgesamt beschäftigt TI 2.100 Mitarbeiter in Japan. TI und die Texas Instruments Foundation wolle insgesamt 250.000 Dollar an das japanische Rote Kreuz spenden, um den Erdbebenopfern zu helfen.

Die japanische Zeitung Mainichi Shinbun berichtete auf ihrer Website, dass Sony sechs Fabriken geschlossen habe und Toshiba eine Fab in der Präfektur Iwate. Wegen Strommangels arbeite eine Fab von Renesas in der Präfektur Aomori nicht. Auch Sharp und Panasonic sollen Werke geschlossen haben.