Meinung Auf die Stärken besinnen statt jammern

Was der G-20-Gipfel der führenden Industrie und Schwellenländer gebracht hat – darüber lässt sich trefflich streiten. Eines aber hat er wieder gezeigt: Die Gewichte in der Welt verschieben sich.

Der rapide Aufstieg Chinas und anderer Schwellenländer in Asien und auch in anderen Weltregionen wie Südamerika steht in krassem Gegensatz zu den Schwierigkeiten, in denen so manche europäischen Länder stecken. Nun wurde der Untergang des Abendlandes schon öfter prophezeit. So schien Ende der 80er Jahre der Aufstieg Japans zur elektronischen Weltmacht unaufhaltsam. Die Amerikaner hatten den Speichermarkt an Japan verloren, wann die Japaner auch die Nummer 1 unter den Prozessorherstellern würden, war für viele nur noch eine Frage der Zeit. Wie wir heute wissen, verlief die Geschichte dann doch ganz anders.

Doch dass sich jetzt in China mehr tut als damals in Japan, scheint offensichtlich zu sein. Dazu nur zwei kleine Beispiele aus jüngster Zeit: Um die Chipproduktion in China war es relativ ruhig geworden. Der Einstieg in das Foundry-Geschäft schien etwas ins Stocken geraten zu sein. Allerdings darf man sich nicht von kurzfristigen Entwicklungen den Blick auf die langfristigen Ziele verstellen lassen. Und die hat China weiter im Auge, wie »The Information Network« festgestellt hat. China hat 2009 immerhin 25,1 Prozent des heimischen Bedarfs an Chips selber gefertigt, 2004 waren es noch 21 Prozent gewesen. Bis 2013 soll der Anteil laut den Marktforschern auf ein Drittel steigen.

Eine zweite Nachricht passt dazu: Foxconn wird in Hebi in der Provinz Henan eine neue Fabrik bauen. Diese Fabrik soll 300.000 Mitarbeiter beschäftigen. Foxconn unterhält an dem Standort bereits eine Fabrik, deren Mitarbeiter dort für Apple und Dell fertigen. Die Zahl der Mitarbeiter: 600.000. Allein die Zahlen beeindrucken.

Der Aufstieg von Ländern wie China – schon dass es auf dem G-20-Treffen die Wechselkursfrage gar nicht erst in die Abschlusserklärung gebracht hat, zeigt einiges – kann auf den Rest der Welt nicht ohne Einfluss bleiben. Wer jetzt um die 50 Jahre alt ist, der hat eine Welt kennen gelernt, die fest geprägt zu sein schien und nach dem Fall der Sowjetunion und der Mauer schien klar zu sein, dass »der Westen« die Welt dominiert.

Das ändert sich jetzt doch ein wenig. Es wird uns sicher ein paar lieb gewonnen Annehmlichkeiten kosten. Doch statt wie das Kaninchen auf die Schlange zu starren, sollte man sich auf die eigenen Stärken besinnen und sie ausbauen. Davon gibt es genug, wie ja der Exporterfolg zeigt. Da stört das viele Klein-Klein-Hick-Hack um die Absicherung von Privilegien schon ein wenig, das derzeit die gesellschaftliche Diskussion hierzulande zu beherrschen scheint. Das Jammern auf hohem Niveau ist das Letzte, was uns weiter bringen könnte.

Ihr Heinz Arnold