Linear Technology Auf dem Weg in neue Märkte

Bob Swanson gründete Linear Technology mit.

Zwar musste auch Linear Federn lassen, doch 2009 hat das Unternehmen gut überstanden. Für die Zukunft setzt Linear auf neue Märkte rund um Elektromobilität, Energieeffizienz und Energy Harvesting sowie auf μModule, HF und isolierte Schnittstellen.

Markt&Technik: Linear Technology erfreut sich zwar einer hohen Marge, aber der Umsatz entwickelte sich relativ flach: Nach einen Hoch von 1 Mrd. Dollar 2001 und dem Absturz nach dem Platzen der Internetblase erreichte er 2005 wieder rund 1 Mrd. Dollar und verharrt seitdem auf diesem Niveau. Ist kein weiteres Wachstum mehr drin?

Bob Swanson: So haben uns die Experten der Wallstreet die Frage auch jahrelang gestellt. Der Eindruck täuscht aber. Denn 2005 haben wir die Firma neu positioniert und uns auf die alten Werte besonnen, mit denen Linear Technology groß geworden ist: ICs anzubieten, die den Anwendern zusätzlichen Wert bringen und für die sie dann auch einen entsprechenden Preis zu bezahlen bereit sind. In manchen Marktsektoren funktioniert dieser Ansatz sehr gut, im Sektor Handheld/Consumer- Markt aber nicht: Hier kommt es nur auf den Preis an, hier können wir über zusätzlichen Wert unser Geschäft nicht verteidigen.

In diesen Prozess waren Sie stark involviert.

Ja, ich wollte mich eigentlich zurückziehen, aber dann habe ich klargemacht, dass die alte Strategie auch in Zukunft Erfolg haben wird. Jetzt sind alle überzeugt, auch die Charts zeigen es. Der Wert der Firma liegt beim siebenfachen Umsatz. Dieser Faktor liegt bei Wettbewerbern, denen es ja auch nicht schlecht geht, im Bereich von 2 bis 3,5. Ich glaube, dass wir seit 2008 aufgrund dieser Zahlen auch die Wall-Street-Experten von unserer Strategie überzeugen konnten.

Linear hat also den Umsatzanteil in den Consumer-Märkten stark reduziert…

ICs für den Einsatz in Consumer- Produkten haben 2005 einen Anteil von 30 Prozent an unserem Umsatz ausgemacht, 2009 ist er auf 14 Prozent gesunken, und 2010 wird er bei voraussichtlich 8,9 Prozent landen. ICs für Handys machen nur noch 2 Prozent aus. Aber mit den Produkten, die wir für den Consumer-Sektor jetzt noch anbieten, verdienen wir wenigstens Geld. Ich gehe davon aus, dass der Umsatzanteil weiter auf 5 Prozent sinken wird.

Und der Umsatz insgesamt?

Dass wir den Umsatz während der Repositionierungsphase zwischen 2005 und 2008 halten konnten, sehe ich als Erfolg an. Und der Umsatz von 969 Mio. Dollar 2009 nach 1,18 Mrd. 2008 und 1,08 Mrd. Dollar 2007 kann sich sehen lassen. Von 2007 auf 2008 sind wir schneller als der Durchschnitt der Analog- Firmen gewachsen.

Wer Märkte verlässt, der muss neue Umsatzquellen finden. Ein Hoffnungsträger ist die HF-Technik, in die Linear 2001 eingestiegen ist. Tragen die HF-ICs nun einen nennenswerten Teil zum Umsatz bei?

Wir haben bereits einige 10 Mio. Stück geliefert. Hier zeigt sich deutlich, dass gute Produkte überzeugen und der Preis nicht die allererste Priorität hat. Der Aufbau des 3G-Netzes in China hilft uns dabei, den Umsatz weiter auszubauen. Wir haben viele Design-ins gewonnen. Erst kürzlich haben wir mit der Mixer-Familie LTC55xx gezeigt, wie man sich in diesem Markt differenzieren kann. Auf den in einem 0,18-μm-BiCMOS-Prozess gefertigten ICs sind die Transformer integriert, weshalb sie sehr gute Leistungswerte erreichen. Das wichtigste aber ist die niedrige Leistungsaufnahme. Sie arbeiten mit einer Spannung von nur 3,3 V, da würden die derzeit erhältlichen Mixer eine kaum brauchbare Performance liefern. Das bedeutet eine um 30 Prozent geringerer Leistungsaufnahme gegenüber herkömmlichen Typen. Das freut die Hersteller von 3G- und 4GBasisstationen.

Linear Technology hat auch stark auf den Automotive-Markt gesetzt. Der macht ja gegenwärtig weniger Freude…

2012 wird der Umsatzanteil der Elektronik in einem Auto 15 Prozent erreichen. Das sieht ja nicht schlecht aus. Die Automotive- Kunden verlangen sowohl Innovation als auch sehr hohe Qualität. Das klingt für uns ausgesprochen gut. Uns ist es gelungen, unter 3 ppm zu kommen, die Voraussetzung, um die Schlüsselkunden in Japan beliefern zu können. Damit sind wir die einzige US-Firma in Japan, die dieses Qualitäts-Level erreicht hat. Aber wir mussten natürlich eine gewisse Geduld mitbringen, um dieses Ziel erreichen zu können. Sobald die Nachfrage aus dem Automobilbereich wieder anzieht, sind wir für überdurchschnittliches Wachstum gerüstet. Im Moment erwirtschaften wir 13 Prozent des Umsatzes mit Produkten für Autos, in Europa sind es über 20 Prozent.