Kein IP mehr ARM bricht mit Huawei

Die US-Politik gegenüber Huawei ist schwankend: Der Lieferbann wurde zum Teil und auf Zeit eingeschränkt.
ARM wird kein IP mehr an Huawei liefern.

Über 90 Prozent der Mobiltelefone der Welt arbeiten mit IP von ARM. Die von Huawei in Zukunft nicht mehr.

Wie die BBC berichtete, werde sich das britische Unternehmen allen Vorschriften entsprechen, die sich daraus ergeben, dass das US-Handelsministerium Huawei auf die »Entity List« gesetzt hat. US-Unternehmen dürfen an Firmen auf dieser Liste keine Technologie liefern. Den Bestimmungen ist auch zu entnehmen, dass ausländische Firmen, deren Produkte einen Anteil von über 25 Prozent an amerikanischer Technologie enthalten, ebenfalls nicht liefern dürften. Details darüber, wie die Regelungen genau aussehen werden, sind aber noch unbekannt.

Auch andere Firmen wie Google und HF-Spezialist Qorvo haben angekündigt, Huawei nicht mehr zu beliefern. Dasselbe erklärte gestern Vincent Roche, CEO von Analog Devices, anlässlich der Bekanntgabe der Ergebnisse für das zweite Qaurtal des Finanzjahres 2019. Wie sich die Exportbeschränkungen genau auswirken werden, könne er noch nicht sagen, weil im Moment nicht klar sei, inwieweit Komponenten doch geliefert werden dürfen und welche Chancen bestehen, Lizenzen für Lieferungen zu erhalten.

ARM jedenfalls hat laut BBC erklärt, dass alle Lieferungen in Rahmen von Verträgen und der Support gestoppt würden. Das Unternehmen hatte im April 2016 die japanische Softbank für 32 Mrd. Dollar übernommen.

Kann Huawei sich selber versorgen?

Nachdem die USA in der vergangenen Woche bekannt gegeben hatten, dass Huawei auf die Entity List gesetzt wurde, hatte CEO Ren Zhengfei erklärt, dass Huawei durchaus in der Lage sei, sich selbst zu versorgen. Erstens hätte man mit einer solchen Maßnahme gerechnet und die Lager mit Komponenten für ein Jahr aufgefüllt. Zweitens werde sich Huawei nicht zuletzt über die eigene Chiptochter HiSilicon unabhängig machen.

HiSilicon hat inzwischen eigene Prozessoren für Smartphones entwickelt. Die Mitglieder der eigenen »Kirin«-Familie finden bereits in den Geräten von Huawei Einsatz. In ihnen arbeitet allerdings IP von ARM. Dasselbe gilt für den Anfang des Jahres vorgestellten »Kunpeng 920«. Gefertigt werden die ICs von der taiwanischen Foundry TSMC.

Von Huawei ist zu hören, dass sich das Unternehmen auch auf dem Gebiet von IP Zugang gesichert habe, so dass Huawei für diese und die nächste Chipgeneration kaum Probleme entstünden. Die Nikkei Asian Review zitiert allerdings Experten, laut der es Huawei schwer fallen dürfte, die darauf folgenden Generationen ohne Unterstützung durch ARM zu entwickeln.

Huawei unternimmt allerdings große Anstrengungen, um sich unabhängig zu machen. So will das Unternehmen bis spätestens Frühjahr 2020 ein eigenes Betriebssystem fertig gestellt haben, um nicht mehr auf Google angewiesen zu sein.

Joint-Venture gegen Abhängigkeit

Was den IP von ARM betrifft, so war auch Softbank in China aktiv: Im vergangenen Jahr gründete das Unternehmen ein Joint-Venture, an dem chinesische Partner 51 Prozent der Anteile halten. ARM wollte sich damit Zugang zu einem bis dahin verschlossenen Markt verschaffen, Chinas Halbleiterindustrie wollte auf diesem Weg  auch unter dem Eindruck vom ZTE-Bann unabhängiger werden.

Auf diese Idee sind auch andere westliche Firmen gekommen. So hat Macom, Anbieter von HF- und photonischen ICs, im April dieses Jahres ein Joint Venture mit der chinesischen Goertek gegründet. »Ein wesentlicher Schritt, um zu einer bedeutenden Größe im 5G-Markt zu werden«, wie der damals noch amtierende CEO John Croteau erklärte. Ziel ist es vor allem, GaN-on-SI-Komponenten für den chinesischen Markt für Basisstationen zur Verfügung zu stellen. Macom erzielt laut eigenen Angaben 30 Prozent des Umsatzes in China (im übrigen Asien 15, in EMEA 9 und in den USA 46 Prozent). Ob derartige Joint-Venture ein Weg für Huawei wäre, weiterhin Zugriff auf bestimmte Technologien zu haben, bleibt abzuwarten.  

Ein chinesischer Ratschlag für Europa
 
Parallel dazu sieht es die chinesische Regierung als vorrangige Aufgabe an, China von Chipeinkäufen aus dem Ausland unabhängiger zu machen und baut gerade mit Hilfe von viel Geld eine eigene Halbleiterindustrie auf. Aber auch ausländische Chip-Hersteller würden in China kräftig investieren, wie die regierungsnahe »Global Times« kürzlich berichtete. Ausdrücklich nannte sie darin Qualcomm und SK Hynix. Und was Huawei selber betrifft: Die gesamte chinesische Gesellschaft werde Huawei in der aktuellen Situation tatkräftig unterstützen, so war in einem Kommentar der  »Global Times« zu lesen.

Und für Europa hat die Publikation auch einen Rat: Folge Europa der Boykott-Politik der USA, dann verliere es nicht nur Huawei sondern auch die Grundlage, um »als Supermacht in einer multipolaren Welt auftreten zu können.