Zum Tod der Silicon-Valley-Legende Andy Grove: Furcht und kreative Konfrontation

Andrew S. Grove, 1936 - 2016
Andrew S. Grove, 1936 - 2016

Der langjährige Intel-Chef Andy Grove, der als einer der Schöpfer des Silicon Valley gilt, ist im Alter von 79 Jahren gestorben. Mit wissenschaftlicher Brillanz, seinen etwas eigenen Führungsmethoden und einer Portion Ruppigkeit hat er Intel zum wertvollsten IC-Hersteller der Welt gemacht.

Andy Grove gehörte zum kleinen Kreis der frühen Halbleiter-Pioniere und zu dem noch kleineren Kreis der eingefleischten Wissenschaftler und Ingenieure, die auch als Manager überaus erfolgreich waren.

Wie er Intel zum Erfolg führte und was andere daraus lernen können, erzählte er in seinem Buch »Only the Paranoid Survive« (1996), das sofort nach Erscheinen großes Aufsehen erregte. Es gilt auch heute noch als eines der wenigen weit aus der Flut der Unterdurchschnittlichkeit herausragenden von Managern geschriebenen Management-Büchern.

Dadurch machte er sich einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, die mit dem Halbleitergeschäft eher weniger zu tun hatte. Das gilt insbesondere auch für Deutschland, wo recht freie Übersetzungen des Wortes »paranoid« dazu führten, dass viele, die den Titel des Buches zu verstehen glaubten, überzeugt waren, in der Halbleiterbranche trieben sich nur Verrückte herum.

Der Urheber des Werks war dagegen alles andere als verrückt: Aus dem kommunistischen Ungarn geflohen (wo er sich zuvor schon im Alter von acht Jahren vor den Nationalsozialisten verstecken musste) und seit 1956 in den USA lebend, studierte er zunächst in New York, dann in Berkley, wo er promovierte. Nicht allerdings die Elektrontechnik war sein Fach, sondern wie so viele frühe Halbleiterpioniere startete er als Chemiker. Denn eine Herausforderung bestand darin, die Halbleiter sehr rein, ohne jede Spur von Verschmutzung herzustellen – sie dann aber doch wieder zu verschmutzen, allerdings sehr gezielt und exakt (dotieren lautet der Fachausdruck). Schon während seiner Promotion war Andy Grove maßgeblich an der Entwicklung der MOS-LSI-Technik beteiligt, ab 1967 arbeitete er bei Fairchild, zunächst am Projekt #114 »Diffusion Research«.  

1968 stieg er als Mitarbeiter Nummer drei bei Integrated Electronics, kurz Intel, ein. Auch hier war er zunächst für die Fertigungstechnik zuständig. Gegründet hatten das Unternehmen Robert N. Noyce, der zusammen mit Jack Kilby den integrierten Schaltkreis erfunden hatte, und Gordon E. Moore (ebenfalls Chemiker, der Grove bei Fairchild schätzen gelernt hatte), heute vor allem durch sein berühmtes Gesetz (Moore´s Law) bekannt.

Noyce und Moore hatten zu den legendären »Traitorous Eight« gehört. Die verräterischen Acht hatten die von Nobelpreisträger William Schockley gegründete Schockley Semiconductor verlassenen, um Fairchild Semiconductor zu gründen. Sie konnten den Führungsstil des unleidlichen und zur Unternehmensführung wenig geeigneten Chefs (er wusste laut David Packard nicht, wie man eine Sekretärin einstellt und wo es Bleistifte zu kaufen gibt, dafür wandte er gegenüber Mitarbeitern das Führungstool des Lügendetektors an) nicht mehr ertragen. Immerhin wussten sie jetzt, wie man ein Unternehmen nicht führt.