Interview mit Peter Bauer »An einen großen Einbruch im Halbleitermarkt glaube ich nicht«

Peter Bauer, Infineon: »Wir wollen künftig Leistungshalbleiter auf 300-mm-Wafern fertigen. Ich bin überzeugt, dass wir das im Laufe der nächsten zwei Jahre hinbekommen. Da kann derzeit weltweit kein anderer Hersteller mithalten.«
Peter Bauer, Infineon: »Mit unseren Schwerpunkten auf Energieeffizienz, Mobilität und Sicherheit haben wir uns von den starken Konjunkturschwankungen der reinen Consumer-Märkte abgekoppelt.«

Infineon will künftig organisch wachsen, wie der Vorstandsvorsitzende Peter Bauer im Interview mit Markt & Technik erklärt. Dazu steckt das Unternehmen viel Geld in F&E sowie den Kapazitätsausbau. Denn Peter Bauer rechnet zwar damit, dass sich die Konjunktur etwas abschwächt, nicht jedoch mit einem massiven Einbruch - und langfristig gehe von den Märkten Energieeffizienz, Mobilität und Sicherheit eine sehr robuste Nachfrage aus.

Markt & Technik: Das Halbleitergeschäft zeichnet sich durch seine stark zyklische Natur aus. Hat sich das Muster der Zyklen über die letzten Jahre verändert?

Peter Bauer: Seitdem die Internetblase 2001 geplatzt ist, passen alle Akteure in der Supply-Chain sehr genau auf und reagieren sehr schnell. 2001 hatten viele über lange Zeit ignoriert, was sich in der Realität abspielte. So dauerte es relativ lange, bis die Überbestände abgebaut waren. Jetzt agieren die Beteiligten schon früher antizyklisch und reagieren schnell - das erzeugt dann wiederum die teilweise hohe Volatilität in der Halbleiterindustrie.

Wie beeinflussen die Kapitalmärkte die Situation für die Halbleiterindustrie?

Die Kapitalmärkte tragen natürlich einen erheblichen Teil zur Verunsicherung bei. Die Akteure wollen den Wendepunkt in den Up- oder Down-Turn möglichst genau erkennen, jedenfalls keinesfalls zu spät ein- oder aussteigen. Das kann sich zu einer selbst erfüllenden Prophezeiung entwickeln. Auch als stabiles Unternehmen spüren wir dies heute stärker als früher.

Inwieweit bezeichnen Sie Infineon als ein stabiles Halbleiterunternehmen?

Mit Energieeffizienz, Mobilität und Sicherheit befassen wir uns mit Themen von hoher gesellschaftlicher Relevanz und steigender ökonomischer Bedeutung, die besonders zukunftsträchtig sind. Gegen Konjunkturzyklen sind wir zwar nicht immun, haben uns jedoch von den starken Schwankungen der reinen Consumer-Märkte abgekoppelt. Wir liegen in gutem Fahrwasser und sind sehr robust aufgestellt: Infineon hat eine solide Bilanz, ein profitables Geschäft und ausreichend liquide Mittel.

Sie haben gerade die Geschäftszahlen für das abgelaufene Quartal veröffentlicht. Wie beurteilen Sie die Situation bei Infineon?

Gut - Infineon ist weiter profitabel. Zwar hat Infineon in einem deutlich schwächeren Marktumfeld im abgelaufenen Quartal einen Umsatzrückgang von rund neun Prozent auf 946 Millionen Euro erlebt. Aber das ist leicht besser als wir prognostiziert hatten. Die Gesamtergebnismarge im abgelaufenen Quartal ist mit 14,9 Prozent im Zielkorridor von 15 Prozent im Schnitt durch den Zyklus. Für das laufende Quartal rechnet das Unternehmen mit gleichbleibenden oder leicht geringeren Umsätzen und Ergebnissen. Tatsächlich hat Infineon im Jahr 2011 beim Umsatz 14 Prozent zugelegt und ist somit gegenüber zwei Prozent Wachstum für den Halbleitermarkt ohne Speicherchips und Mikroprozessoren überdurchschnittlich gewachsen. Die Fokussierung auf die Bereiche Energieeffizienz, Mobilität und Sicherheit zahlt sich aus.

Nach dem Einbruch 2008/9 folgte ein starker Anstieg. Sehen wir nun wieder einer Abschwächung entgegen?

Die Schuldenkrise dämpft zwar die Realwirtschaft, an einen großen Einbruch im Halbleitermarkt glaube ich nicht. Ich bin keinesfalls Pessimist und rechne insgesamt mit einem normalen Zyklus für unser Geschäft. Dabei verhalten sich verschiedene Branchen recht unterschiedlich. Im Automobilmarkt beispielsweise ist die Nachfrage weiterhin stark. Im Consumer-Markt - in der Unterhaltungselektronik und bei Computern - sehen wir eine gewisse Abschwächung, zusätzlich zum saisonal bedingten Rückgang nach dem Ende des Weihnachtsgeschäftes.

Könnte China die Rolle des Zugpferdes verlieren?

Obwohl in China eine gewisse Zurückhaltung spürbar ist, werden die gesamte Region Asien und die BRIC-Staaten die Nachfrage nach Halbleitern weiter ankurbeln. Im vergangenen Geschäftsjahr kamen bereits fast 20 Prozent unseres Umsatzes aus China; insgesamt 46 Prozent aus Asien einschließlich Japan.