iSuppli 3D-Fernsehen – »Early Adopters« machen's möglich

3D-Fernseher finden langsam Einzug in die Haushalte. Für den endgültigen Durchbruch müssen sie aber noch diverse Hürden nehmen, angefangen bei der Standardisierung, über die Verfügbarkeit von 3D-Inhalten, bis hin zu Interoperabilität. Dennoch: Der Markt soll innerhalb der nächsten 5 Jahre im Schnitt um 80 Prozent wachsen.

In diesem Jahr sind die ersten 3D-Fernseher auf den Markt gekommen. Mittlerweile sind 26 TV-Modelle, die 3D-fähig sind, in den Regalen zu finden, im März waren es noch 23 Modelle. So wie die Anzahl der Modelle steigt, steigt auch die Anzahl der Konsumenten, die sich für ein 3D-Gerät entscheiden.

iSuppli geht davon aus, dass bis zum Ende 2010 4,2 Mio. 3D-Fernseher über den Ladentisch wandern. Im nächsten Jahr wiederum soll sich die Stückzahl verdreifachen und auf 12,9 Mio. landen, um sich im Jahr 2012 nochmals zu verdoppeln und dann auf 27,4 Mio. Stück zu kommen. Für das Jahr 2015 prognostiziert iSuppli 78,1 Mio. 3D-Fernseher, wodurch sich zwischen 2010 und 2015 ein Jahresdurchschnittswachstum von 80,2 Prozent ergibt.

Auch wenn die Wachstumsraten beeindruckend sind, läuft der 3D-Fernsehmarkt noch auf kleiner Flamme. iSuppli hat nämlich auch herausgefunden, dass lediglich 4 Prozent der US-Konsumenten, die im ersten Quartal 2010 einen neuen Fernseher gekauft haben, ein 3D-fähiges Gerät gewählt haben. Übrigens 60 Prozent davon haben sich für die LCD-Technik und 40 Prozent für die Plasma-Technik entschieden. Auch hier zeigt ein Vergleich, wie klein der 3D-TV-Markt noch ist: iSuppli prognostiziert, dass in diesem Jahr 170 Mio. LCD-Fernseher verkauft werden - so oder so: für 3D ist noch viel Spielraum offen.

Riddhi Patel, Principal Analyst für Fernsehsysteme bei iSuppli, kommentiert dementsprechend: »Auch wenn das Umsatzwachstum mit 3D-Fernsehern in den nächsten Jahren durchaus beeindruckend ist, die Akzeptanz am Massenmarkt fehlt. Und sie wird nicht kommen, bevor die Probleme mit der Standardisierung, der Verfügbarkeit von Inhalten und der Interoperabilität von 3D-Brillen nicht gelöst sind.«

Standard: Der Blu-ray-Standard (1080p 3-D für jedes Auge) für 3D-Fernseher wurde 2009 festgelegt. Aber weitere Standards sind derzeit noch in der Entwicklungsphase, einschließlich HDMI 1.4 für eine Vielzahl von 3D-Formaten, SMPTE für 60 Frames/s-Auflösung, CEA für 3D-Brillen und SCTE für 3D Inhalte über Kabel. Und erst wenn diese alle feststehen, wäre ein Durchbruch von 3D möglich.

Inhalte: Das gleiche gilt natürlich für die Inhalte. Denn nur wenn die Konsumenten auch 3D-Inhalte sehen können, ist ein 3D-Fernseher interessant. Allerdings wurden hier ebenfalls bereits einige Aktivitäten auf den Weg gebracht. So hat beispielsweise ESPN Pläne angekündigt, das erste 3D-Netzwerk vorzustellen; Walt Disney und Sony wiederum haben beide für dieses Jahr erste 3D-Blu-ray-Filme angekündigt.

3D-Brillen: In Bezug auf die 3D-Brillen sieht iSuppli noch viel Handlungsbedarf. Auch wenn die Fernsehhersteller ein oder zwei Brillen im Bundle zu ihren 3D-Fernsehern hinzugeben, ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn viele Haushalte bestehen aus mehr als nur einer oder zwei Personen, und ein gemeinsamer Fernsehabend mit Gästen ist mit zwei Brillen auch nicht zu machen. Will der Konsument diese Brillen aber selbst kaufen, muss er noch sehr tief in die Taschen greifen. Und auch wenn die Gäste ihre eigenen Brillen mitbringen würden, wäre heute noch vollkommen unklar, ob das funktioniert. Denn derzeit ist noch vollkommen offen, ob die Brillen, die der eine Fernsehhersteller für seine Modelle entwickelt hat, auch mit Modellen eines konkurrierenden Herstellers funktionieren.

Wer sich überhaupt nicht vorstellen kann, irgendwann im eigenen Wohnzimmer mit einer etwas eigenwilligen Brille vor dem Fernseher zu sitzen, der wird wohl noch einige Jahre auf 3D-Fernsehen verzichten müssen. Denn Patel ist überzeugt, dass 3D-Fernsehen ohne Brillen noch diverse Jahre auf sich warten lassen wird.