Über 11.000 AMD-Prozessoren 26-PFLOP-Rechner in Stuttgart eingeweiht

Der »Hawk«, das Flaggschiff des High-Performance Computing Center Stuttgart (HLRS).
Der »Hawk«, das Flaggschiff des High-Performance Computing Center Stuttgart (HLRS).

Die Universität Stuttgart hat mit »Hawk« einen der weltweit schnellsten Hochleistungscomputer in Betrieb genommen, der 26 PFLOPs erreicht.

»Hawk«, ein Apollo 9000 System von Hewlett Packard Enterprise (HPE), sei nicht nur einer der leistungsfähigsten Supercomputer der Welt, sondern das schnellste General-Purpose-System für universelle Anwendungen im akademischen und industriellen Bereich in ganz Europa, freut sich das Höchstleistungsrechenzentrum der Universität Stuttgart (HLRS).

In dem 38 Mio. Euro teuren Rechner arbeiten in 5.632 Rechenknoten je zwei EPYC-7743-Prozessoren von AMD mit jeweils 64 Kernen. Sie werden mit 2,25 GHz getaktet. Damit ist »Hawk« die größte Installation der EPYC-Prozessoren in Deutschland und Europa. Der Systemspeicher erreicht rund 1,44 PB. Die Leistungsaufnahme im Normalbetrieb liegt bei 3,5 MW.

Mit bis zu 26 PFLOPS (26 Billiarden Gleitkommaoperationen pro Sekunde) übertrifft »Hawk« die Leistung des bisherigen Flaggschiff-Rechners »Hazel Hen« um das 3,5-fache und wird völlig neue akademische und industrielle Einsatzgebiete eröffnen.
»Hawk« lässt sich in ganz unterschiedlichen Disziplinen und Aufgabenbereichen einsetzen: Etwa um die  Energieeffizienz von Windkraftanlagen, Motoren und Kraftwerken zu optimieren oder die Aerodynamik von Flugzeugen und Autos zu verbessern. »Hawk« könnte zum ersten Mal die Lärmentwicklung eines ganzen Flugzeugs detailliert simulieren oder die komplexe Interaktion globaler und regionaler Klimamodelle für die Simulation mittelfristiger regionaler Klimavorhersagen berechnen. Auch ausführlichere und präzisere Simulationen bezüglich der Pandemieforschung, der Vorhersage von Migrationsströmen und anderer globaler Herausforderungen werden durch »Hawk« möglich.

Das HLRS will aber nicht nur die akademische Forschung unterstützen, sondern auch der Privatwirtschaft den Zugang zu seinen Supercomputing-Technologien geben. Bis zu 10 Prozent der Rechenzeit von »Hawk« wird der Digitalisierung der Wirtschaft in Baden-Württemberg und Deutschland zur Verfügung stehen. Aktuell arbeiten mehr als 40 vor allem mittelständische Firmen auf den Systemen des HLRS. Dies sei laut HLRS ein europäisches Alleinstellungsmerkmal des Standortes Stuttgart und des nationalen Gauss Centers for Supercomputing.

»Hawk ermöglicht akademische und industrielle Spitzenforschung überall dort, wo Simulationen und Big Data eine wichtige Rolle spielen. Damit leistet der neue Höchstleistungsrechner einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der Vision ‚Intelligente Systeme für eine zukunftsfähige Gesellschaft‘ der Universität Stuttgart«, sagt Prof. Wolfram Ressel, Rektor der Universität Stuttgart.

Ein zentraler Standort für die Spitzenforschung

»Nicht nur für Baden-Württemberg ist die Arbeit am HLRS von enormer Bedeutung: ‚Hawk‘ stärkt sowohl den bundesweiten Superrechner-Zusammenschluss als auch Europa, da das HLRS unter anderem vier der zehn europäischen Exzellenzzentren mit aufbaut«, erklärte Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, anlässlich der Einweihung.

HLRS und HPE kooperieren

Die Inbetriebnahme von »Hawk« markiert auch den Beginn einer neuen Kooperation zwischen HLRS und HPE, um gemeinsam die Zukunftstechnologien für das Supercomputing voranzubringen. Dazu zählen die Entwicklung neuer Software und Tools für das Höchstleistungsrechnen, die Leistungsoptimierung sowie Anwendungen der künstlichen Intelligenz und anderer neuer Technologien. Diese Technologien sind das Sprungbrett für die nächste Leistungsstufe der Supercomputer, sogenannte Exascale-Rechner, die in den nächsten Jahren entwickelt werden.
38 Mio. Euro

Die Hälfte der Mittel für Hawk in Höhe von insgesamt 38 Mio. Euro hat das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg im Rahmen der HPC/DIC-Strategie des Landes bereitgestellt. Die zweite Hälfte steuerte das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Projekts SiVeGCS bei. Die Finanzierung erfolgte durch das Gauss Centre for Supercomputing (GCS), der Allianz der drei nationalen deutschen Supercomputing-Zentren.