Studie zu gefälschten Bauteilen 2011 war Rekordjahr bei Fälschungen

Original und Fälschung: Als Hersteller kompakter Wandler wird Recom Electronics immer wieder mit Fälschungen seiner Produkte konfrontiert. So auch hier: links das Recom-Original, rechts die Fälschung.
Original und Fälschung unter dem Röntgen-Mikroskop: Der »zusammengenagelte« Trafo rechts entsprach nicht im entferntesten den geforderten Isolationswerten.

Nichts ist ärgerlicher als ein Ausfall im Feld aufgrund des Einsatzes gefälschter Bauteile. Nach einer Marktstudie von IHS wurden noch nie so viele Fälschungen am Markt bekannt, wie 2011. Haupteinfallstor für Fälschungen sind weiter Broker, am häufigsten gefälscht wird immer noch in China.

»Der bei weitem größte Anteil der gemeldeten gefälschten Bauteile entfiel im letzten Jahr auf kommerzielle Anwendungen«, fasst Rory King, Director Supply Chain Product Marketing beim Marktforschungsinstitut IHS, das Ergebnis seiner jüngsten Marktstudie zusammen, »bei jedem vierten, der gemeldeten gefälschten Bauteile handelte es sich übrigens um Analog-ICs«.

Gefunden wurden die Fälschungen im gesamten Einsatzspektrum der Elektronik, von der Industrieelektronik über Automotive, Computer und Consumeranwendungen bis zu Wireless-Applikationen und Militäranwendungen. Speziell der letzte Aspekt hatte im Vorjahr unter anderem einen Unterausschuss des US-Senats beschäftigt.

Mit 25,2 Prozent, der im Vorjahr gemeldeten Fälschungen, liegen Analog-ICs,  wie von King erwähnt, klar auf Platz 1. Der Anteil gefälschter Mikroprozessoren fällt mit 13,4 Prozent schon geringer aus. Fast gleichauf liegt der Anteil der gefälschten Speicher-Chips mit 13,1 Prozent. Auf Rang 4 folgen mit 8,3 Prozent Programmierbare Logik-ICs und gefälschte Transistoren liegen mit 7,6 Prozent auf Rang 5. Insgesamt hat IHS mehr als 100 Kategorien unterschiedlicher gefälschter Produkte aus den Bereichen Halbleiter, passive Bauelemente und elektromechanische Komponenten in seinem Fälschungs-Report über das Jahr 2011 aufgelistet.

Auch wenn das Thema Fälschungen bei den Herstellern aus verständlichen Gründen nicht populär ist, so ist dieses Thema nicht nur während Allokationszeiten in der Elektronikbranche präsent. So ergab vor kurzem unter anderem eine Umfrage des VDMA, das 53 Prozent aller ausstellenden Firmen auf Messen schon einmal auf Fälschungen oder Nachbauten ihrer Produkte gestoßen sind. Nach Einschätzung der EU, handelt es sich bei mindestens 10 Prozent der weltweit im Handel befindlichen Waren um Fälschungen.

Die Gründe für Fälschungen sind dabei durchaus unterschiedlich. Während etwa bei  aktiven und passiven Bauelementen, oder elektromechanischen Komponenten oftmals lange Lieferzeiten und Allokation den Weg für Fälschungen in den Markt ebenen, sind es bei anderen Produkten, wie etwa Relais oder Batterien und Akkus oftmals schlicht Kostenaspekte. Dass diese Fälscher dafür minderwertige Materialien verwenden, ist auf den ersten Blick nicht erkennbar.

»Als OEM-Lieferant für internationale Kunden muss man immer darauf achten, das Hersteller die original Komponenten einsetzen, bis dahingehend, dass man selbst die Beschaffung der Originalkomponenten übernimmt«, fasst Dr. Jürgen Heydecke, Managing Director der Batteries and Power Solutions, seine langjährigen Asienerfahrungen zusammen, »natürlich lassen sich Batterien auch durch das Weglassen kritischer Schutzschaltungen, oder Sicherheitselemente besonders günstig produzieren«. Erfahrungen, die Sven Bauer, Gründer und Geschäftsführer der BMZ, bestätigen kann: »Bei den Fakes handelt es sich meist um sehr schlechte Kopien, manchmal auch um B-Ware, wenn wir Fälschungen sehen, dann reicht das vom falschen Label bis hin zu gemischter, oder umgelaserter Ware«.

Beim Thema Halbeiter sind es meist Allokationsszenarien, die Kunden dazu verleiten, sich beispielsweise über Broker mit der knappen Ware zu versorgen. Ein Bezugsweg, vor dem Thomas Grasshoff, Leiter Internationales Produktmanagement, eindringlich warnt: »Gefälscht wird meist durch umlabeln, geändert werden dabei die Strom- und Spannungsklassen, durch DateCode-Fälschungen werden aber auch aus alten Leistungshalbleitermodulen neue gemacht«. Zu erkennen sind die Fälschungen etwa von einfachen Bipolar- oder IGBT-Modulen meist nur durch aufwendige Eingangsuntersuchungen. »Der sicherste Weg Fälschungen zu vermeiden«, so Grasshoff, »ist immer noch der Bezug über den Hersteller, oder freigegebene Distributoren, Broker sind nach unseren Erfahrungen dagegen immer noch die einzigen Vertriebskanäle für Fälschungen.