Cadence 2011: Eine neue Vision für die EDA-Industrie

Die Elektronikindustrie verändert sich: Bislang stand die reine Chip-Entwicklung im Mittelpunkt, aber in Zukunft werden Software-Anwendungen diesen Platz einnehmen. Es ist daher höchste Zeit für einen neuen EDA-Ansatz, der sich vor allem auf die Applikationsseite konzentriert.

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die EDA-Branche haben sich im Jahr 2010 zwar durchgehend verbessert, dennoch gilt es, in diesem Jahr und darüber hinaus eine Vielzahl von neuen Herausforderungen zu bewältigen. Die Branche konnte in den vergangenen Jahren nur ein sehr schwaches Wachstum verzeichnen. Aus Kundensicht wird EDA zunehmend aus taktischer und weniger aus strategischer Sicht betrachtet. In diesem Zusammenhang sinken die durchschnittlichen Verkaufspreise parallel zum immer stärkeren Druck Preisnachlässe zu gewähren. Sofern sich dieses Szenario nicht dramatisch ändert, sieht die EDA-Industrie in Zukunft schweren Zeiten entgegen und droht an Bedeutung zu verlieren.

Das Problem basiert dabei nicht auf der Tatsache, dass sich der EDA-Bereich geändert hätte oder die jeweiligen EDA-Tools und -Services nicht mehr den gewohnten Mehrwert leisten würden. Die Problematik beruht vielmehr auf dem veränderten Werte- und Geschäftsmodell der Elektronikindustrie - weg vom alleinigen Fokus auf Silizium und hin zur Bereitstellung von Hardware-/Software-Plattformen. Einer der wesentlichen Treiber dieses Trends war dabei sicherlich das iPhone von Apple. Während Elektronikprodukte in der Vergangenheit nach dem einmal vollzogenen Verkauf an den Endkunden keine weiteren Ertragspotenziale mehr boten, bestehen heute vielfältige weitere Umsatzmöglichkeiten: Apple war Vorreiter eines ganz neuen Geschäftsmodells, bei dem sich aus dem kontinuierlichen Verkauf sogenannter »Apps« immer neue Erträge erzielen lassen.

Und die anderen Branchen ziehen mit. Wenn Sie sich heute einen neuen Flachbildschirm-Fernseher zulegen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Sie das Gerät nach dem Auspacken nicht einfach nur einschalten, sondern es wie einen PC booten müssen. Es kann zudem Anwendungen wie Netflix oder Pandora beinhalten und die Option bieten, weitere Applikationen dazuzukaufen. Auch das moderne Auto verwandelt sich mit den im Fahrzeug angebotenen Entertainment-Systemen und GPS-Funktionen immer mehr zu einer Applikationsplattform. Heute ist fast jeder Systemanbieter auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen, die über immer neue Applikationen dauerhafte Ertragspotenziale bieten.