Qualcomm versus Broadcom 146 Mrd. Dollar – viel zu wenig!

Übernahmen gehören zum Halbleitermarkt.
Wenn sich Quaolcomm schnell noch NXP einverleiben könnte, wäre der Happen für Broadcom vielleicht zu groß. Jetzt dürfen wir gespannt sein, was bis zur und auf der Hauptversammlung von Qualcomm am 6. März passiert.

Gelingt der Kauf von NXP und wieviel kostet er? Dies und die Hauptversammlung von Qualcomm am 6. März wird die Übernahmeschlacht voraussichtlich entscheiden.

Der Aufsichtsrat von Qualcomm hält das neuste Angebot von Broadcom in Höhe von 146 Mrd. Dollar immer noch für zu gering, die Zugeständnisse an Regulierer als nicht weitgehend genug.  Broadcom hatte erwogen, zwei Geschäftseinheiten von Qualcomm – Wi-Fi-Netzwerkprozessoren und RF-Front-End-ICs für Mobiltelefone abzugeben.  Außerdem will Broadcom 8 Mrd. Dollar bezahlen, falls die Übernahme an Kartellbehörden scheitern sollte.

Dennoch: Alles in allem also inakzeptabel, so lautet das Urteil von Qualcomm. Ob das alle Aktionäre so sehen, wird sich am 6. März auf der Hauptversammlung des Unternehmens herausstellen. Dort könnten nämlich die Anteilseigner mehrheitlich die Kandidaten von Broadcom in den Aufsichtsrat wählen, die dann wiederum alles tun würden, um den Plan von Broadcom aufgehen zu lassen.

Verlockend dürfte das neue Angebot auf jeden Fall sein: Es bewertet Qualcomm mit 121 Mrd. Dollar  und außerdem sollen Schulden von 25 Milliarden Dollar übernommen werden. Immerhin ein Aufschlag von über 50 Prozent auf den Aktienpreis vor dem Durchsickern erster Übernahmegerüchte im vergangenen November. Broadcom betont allerdings, dass diese bereits einmal nachgebesserte Offerte das letzte Angebot sei. Die Antwort des Boards von Qualcomm darauf: Man könne sich grundsätzlich einen Verkauf des Unternehmens vorstellen, wenn das Angebot angemessen sei.  

Wenn der Verkauf tatsächlich vollzogen würde, dann entstünde der drittgrößte Chiphersteller der Welt, der die Sektoren WiFi- und Broadband-ICs umfassen und unter anderem von den Anstrengungen Qualcomms in der Entwicklung von Chips für 5G profitieren würde.

Vieles hängt davon ab, ob Qualcomm die 38-Mrd.-Dollar-Übernahme von NXP gelingt. Noch hat die Regierungsbehörde von China nicht zugestimmt. Außerdem wollen aktivistische Anteilseigner von NXP den Preis noch weiter in die Höhe treiben. Das wiederum würde Broadcom nicht akzeptieren, wie Hock Tan, der CEO von Braodcom erklärte.

Er will sich den Kauf deshalb eine einiges kosten lassen, weil er überzeugt ist, dass Qualcomm finanziell besser geführt werden könnte. Deshalb befinde sich beispielsweise Apple im Rechtsstreit mit Qualcomm und das Unternehmen habe darüber hinaus in den letzten Jahren bereits sehr hohe Strafgelder bezahlen müssen, die Kartellbehörden verhängt hatten, vor allem in Zusammenhang mit den Lizenzgebühren, die Qualcomm verlangt.

Dieses Geschäftsmodell will Hock Tan wohl ändern, was den Kartellwächtern gefallen, das Einkommen von Qualcomm deutlich reduzieren dürfte. Wie das neue Geschäftsmodell aussehen könnte? Darüber wird sich Qualcomm wohl ebenfalls im Zuge des Prozesses mit Apple Gedanken machen. Ob Hock Tan mit seiner Argumentation überzeugen kann, ist jedenfalls im Moment noch nicht abzusehen.