Erweiterung der Produktpalette »Zurück zu unseren Wurzeln«

Josef Bressner, Bressner Technology, (links) und Jorge Magalhaes, Emerson Network Power, wollen durch eine Partnerschaft alte Traditionen für den deutschen Markt wiederbeleben.

Emerson Network Power will im deutschen Embedded-Markt besser vorankommen und ist dazu eine Vertriebsvereinbarung mit Bressner Technology eingegangen. Zusätzlich sollen alte Traditionen aus Motorola- und Force-Zeiten wiederbelebt werden.

»Der Grund für die Partnerschaft ist das Wachstum im größten europäischen Embedded-Markt – und das ist Deutschland«, erklärt Jorge Magalhaes, Vice-President EMEA Sales Embedded Computing von Emerson Network Power. Er schätzt den Embedded-Weltmarkt auf 6 bis 7 Mrd. Dollar und sieht eine gleichmäßige Drittelung auf Asien, Europa und Amerika. »In Europa ist Deutschland bei weitem der größte Markt«, betont Magalhaes, »allerdings war bis vor etwa 18 Monaten unser Portfolio nicht passend für Deutschland«.

Zu stark auf die Telekommunikation fokussiert, konnten die Baugruppen industrielle Applikationen nur selten bedienen. »Wir haben deshalb die Produktpalette erweitert und nach Partnern gesucht, die den Markt kennen und einen echten Mehrwert bieten können«, berichtet Magalhaes. Mit Bressner Technology habe man dann einen geeigneten Partner gefunden.

»Wir wollen neben den industriellen Märkten auch spezielle Segmente bedienen, die besondere Anforderungen wie einen erweiterten Temperaturbereich haben – mit den Emerson-Produkten können wir diese Märkte besser adressieren als mit anderen«, beschreibt Josef Bressner, Geschäftführer von Bressner Technology, seine Motivation für die Kooperation. »Wir haben lange Erfahrung mit amerikanischen Unternehmen und wie sie arbeiten. Durch die asiatische Fertigung von Emerson ist zudem das Preisniveau sehr gut.«

Bressner Technology ist gut in einigen vertikalen Märkten verankert und zeigt in Projekten ganz bewusst die Partnerschaft mit Emerson und den damit verbunden Technologiezugängen. »Wir sind ein großer Partner von Intel«, betont Magalhaes, »und hatten damit von Atom bis Westmere vorzeitig Zugriff auf die neuesten CPU-Technologien«. Bressner ergänzt: »Wenn Intel einen neuen Embedded-Prozessor herausbrachte, konnte Emerson praktisch zeitgleich ein entsprechendes Board präsentieren – die meisten Wettbewerber zogen erst Monate später nach.«

»Die neuesten CPU-Generationen sind für deutsche Firmen von besonderer Bedeutung, weil sie weltweit führend sind mit ihren Technologien«, berichtet Magalhaes. »Die Embedded-Welt ist schon interessant – die neuste Technik muss langfristig verfügbar sein.«

Dabei geben sich viele Embedded-Märkte wie Automotive, Avionik oder Medical nicht mit Standardware zufrieden und verlangen nach Besonderheiten. »Ein Hersteller kann nicht alle I/Os und Gehäuse haben. Deshalb haben wir Bressner Technology gewählt, weil sie dem Kunden seine Lösung maßschneidern können«, erklärt Magalhaes. Dass dabei das Beste von verschiedenen Herstellern zum Zuge kommen wird, sieht er sogar als Kern der Embedded-Welt an. »Realistisch gesehen, können wir nie alles abdecken – es wird aber immer Engineering benötigt, dem man vertraut.« An der Erweiterung der Produktpalette wird weiterhin gearbeitet, dabei lege man mehr Wert auf eine »weise statt eine breite« Produktpalette.

Nach den Motherboards und COM-Express-Modulen für x86-Prozessoren sollen nun andere Architekturen zum Zuge kommen. »Von unserer Historie her sind wir ein starkes Freescale-Haus, deshalb bieten wir künftig vermehrt kleine Boards mit Freescale-Bausteinen an«, betont Magalhaes. »Besonders im industriellen Bereich sehen wir einen Bedarf für diese Produkte.« Den Auftakt machen die COM-Express-Module »COMX-P2020« und »COMX-P4080« auf Basis der QorIQ-Architektur – im Laufe des Jahres ist mit vier weiteren Modulen zu rechnen.

Die Entwicklung dieser für den deutschen Markt interessanten Baugruppen erfolgte in China und den Philippinen. »Das kann sich aber ändern«, erklärt Magalhaes, »unser Münchner Design-Center legt bislang den Schwerpunkt auf High-End-Server-Blades. Der Hauptabnehmer dafür ist die Telekommunikation – das Interesse an AdvancedTCA wächst aber auch bei Militär und Medical.« Das größte Wachstum bei Emersons Embedded-Computing-Aktivitäten verzeichnen die Motherboards. »Wir starten von einem niedrigen Niveau, aber der Gesamtmarkt wächst sehr stark«, erläutert Magalhaes. »Durch die Kooperation mit Bressner wollen wir wieder ein breit aufgestellter Anbieter werden – also zurück zu unseren Wurzeln – und nicht mehr nur ein Telco-Zulieferer sein.«

ComExpress mit QorIQ

Emerson Network Power setzt als erster Anbieter von COM-Express-Modulen auf die QoriQ-Architektur von Freescale: Im COMX-P2020 und COMX-P4080 sind die Multi-Core-Prozessoren »QorIQ P2020« und »P4080« integriert. Die Module nutzen dabei die mechanischen Eigenschaften und Maße von COM Express. Typische Einsatzbeispiele für COMX-P2020 sind speicherprogrammierbare Steuerungen, Sicherheits-Gateways, zivile Luft- und Raumfahrt sowie erneuerbare Energien, während das leistungsstärkere Modul COMX-4080 in Speicher-Servern, Firmen-Routern, Firmen-VPN-Gateways und Eisenbahn-Signal-/Steuersystemen einsetzbar ist.

COMX-P2020 hat zwei Prozessorkerne, die mit 1,2 GHz arbeiten, während COMX-P4080 mit acht 1,5-GHz-Prozessorkernen ausgestattet ist. Die Module bieten kompakte Grundflächen (95 x 95 mm beim COMX-P2020 und 95 x 125 mm beim COMX-P4080) und sind sparsam im Energieverbrauch: In einem typischen Einsatzfall verbraucht das COMX-P2020 nur 12 W. Beide Baugruppen unterstützen diverse Embedded-Betriebssysteme, einschließlich der Softwarepakete von Green Hills Software, Lynuxworks, Mentor Graphics, QNX und Wind River.

Die beiden Module sind die ersten in einer Reihe von Baugruppen, die aus der im März angekündigten Kooperation zwischen Emerson Network Power und Freescale hervorgehen. Die beiden Unternehmen arbeiten mit der PCI Industrial Computer Manufacturers Group (PICMG) und dem Embedded-Computing-Ökosystem an der Entwicklung eines offenen Industriestandards für Ein-Chip-Systemarchitekturen auf modularen SBCs mit dem kleinen COM-Express-Formfaktor.