Kommentar Warten auf Intel - Chancen für andere

Manne Kreuzer, Leitender Redakteur Markt&Technik
Manne Kreuzer, Leitender Redakteur Markt&Technik

Eigentlich passt es so gar nicht zu Intels Image, aber für viele Industriecomputer-Hersteller ist der Chip-Primus momentan ein Bremser - damit eröffnen sich nicht nur für Intels Konkurrenten neue Gelegenheiten.

Unlängst veröffentlichte Intel die Ergebnisse eines neuen Rekord-Quartals, aber eitel Sonnenschein herrscht deshalb noch lange nicht für die Industrie- und Embedded-Kunden. Man hört vieler Orten Klagen über Lieferengpässe durch die Umstellung von Produktionslinien, neue Prozessoren und Chipsätze verzögern sich und USB 3.0 sitzt auch schon seit Jahren auf der langen Bank.

Erste Konsequenzen sind deshalb schon zu beobachten. So macht Intel mit der Atom-Prozessorserie rund ein Drittel weniger Umsatz als im Vorjahr, was aber wie erwähnt nicht die Milliardengewinne des Konzerns schmäleren. Für die Messebesucher der SPS/IPC/Drives hingegen gibt es deutlich weniger Intel-basierte Neuerungen zu entdecken, als in den Vorjahren - jedenfalls offiziell. Inoffiziell gibt es schon neue Boards zu sehen, da die meisten Designs schon seit geraumer Zeit abgeschlossen sind, die Hersteller aber von Intel einen Maulkorb verpasst bekommen haben und nichts zeigen dürfen, bis zum offiziellen Intel-Ankündigungstermin - das Consumer-Geschäft könnte ja leiden.

Diese Verzögerungen kommen aber Einigen ganz recht. So fühlen sich etliche Systemintegratoren nicht genötigt, schon wieder ein "Update" ihrer Produktpalette zu machen, um scheinbar auf der Höhe der Zeit zu sein. Auch vielen Industriekunden reicht schon seit geraumer Zeit die gebotene Rechenleistung vollkommen aus und nur ein paar Megahertz mehr, sind auch schon lange kein Argument mehr. Auch AMD freut sich über Intels Verzögerungen, da sie mit der "Embedded G-Series" Prozessoren anbieten kann, die von der Leistungsfähigkeit her - speziell bei der Grafik - die Lücke zwischen Intels "Atom" und "i3" schließen. Solange Intel nichts Vergleichbares liefern kann, bleibt das Alleinstellungsmerkmal erhalten.

Die größten Gewinner kommen aber aus dem Nicht-x86-Lager, speziell ARM rückt mit seinen Designs dem "Atom" immer näher und hat auch gleich einen starken Verbündeten im Gepäck: Das Betriebssystem "Android". Geringerer Preis, geringere Leistungsaufnahme und Kühlaufwand sowie ein modernes Betriebssystem, das schon die neuesten Bedienkonzepte anbietet, überzeugt viele und macht Lust auf mehr. Nicht verwunderlich also, dass jetzt zur Messe Board-Anbieter ihre neuen ARM-Strategien vorstellen. Die Welt wartet auf niemanden, auch nicht auf Intel.

Ihr Manne Kreuzer