Expertenrunde zu Software-Trends Software zuverlässiger machen

Ein geflügeltes Wort beschreibt Software als eine grüne Banane, die beim Kunden reifen muss. Eine Haltung, die für Office-Applikationen ein Ärgernis ist, in kritischen Embedded-Bereichen – beispielsweise Luftfahrzeuge – leider auch fatale Folgen haben kann. Wie muss die Embedded-Branche reagieren?

Für Volkmar Kaufmann, Sales Director Central & East Europe von Aaeon Technology, ist klar: »Es gibt keine hundertprozentig fehlerfreie Software, sogar wenn sie als ausgereift betrachtet wird. Um die ständig steigende Komplexität von Embedded-Software in den Griff zu bekommen, ist ein mehrstufiger Plan erforderlich. Es muss in eine CI/CD-Pipeline (Continuous Integration/Continuous Delivery) investiert werden, in ausführliches und automatisiertes Testen sowie in die Definition einer Strategie oder eines Mechanismus, die Software zu organisieren und pre remote einzusetzen. Dies ist sowohl für regelmäßige Updates als auch für Sicherheits-Patches und Fehlerbehebung unabdingbar.« Anbieter von Cloud Services haben diese Maßnahmen bereits vor Längerem ergriffen, und es sei Zeit, dass dies auch im Industrie-Sektor Einzug finde und umgesetzt werde.
Auch Christian Blersch, Geschäftsführer von E.E.P.D., setzt auf einen konsequenten Ansatz: »Design for Test ist bei uns das Stichwort. Bevor man eine Software schreibt, sollte man den Testablauf, idealerweise automatisiert, gründlich durchplanen und parallel zur Softwareentwicklung die Testentwicklung und die dazugehörigen Testcases mitentwickeln und testen.«
Dieser Ansatz ist vielen Anwendern durchaus geläufig und wird sogar gelebt – allerdings nur in Hardware, wie Christian Eder, Director Marketing von congatec, berichtet: »Bei der Hardwareauswahl ist das Qualitätsbewusstsein für viele Kunden ja extrem wichtig. Bei der Software müsste dies ebenfalls etabliert werden.«
Dass dies Konsequenzen hat, betont Dirk Finstel, Associate Vice President Embedded IoT Europe von Advantech: »In vielen unserer Projekten sind die Zeiten für die Software-Validierung letztendlich bestimmend für das Time-to-Market. Viele unserer Kunden haben die Software-QA (Quality Assurance) auf die Lieferanten verteilt und es wird sicherlich noch mehr werden.«
Sind also Software Building Blocks vom Hardware-Anbieter der Ausweg? »Um den Qualitäts- und auch Haftungsgedanken ins Spiel zu bringen, kann man als Unternehmen nur diesen Weg beschreiten. Bei Advantech bieten wir maßgeschneiderte Software Building Blocks, die auf unsere Hardware zugeschnitten und gründlich validiert sind«, betont Dirk Finstel. 
»Sie können wichtige Funktionen abdecken, sind aber kein Allheilmittel für die Applikationsentwicklung«, entgegnet Christian Eder. »Das IPMI-Featureset ist beispielsweise ein wichtiger Baustein zum Management der Hardware für IoT-Applikationen, und Lösungen wie TPM helfen bei der Sicherheit. In puncto Applikationssoftware spielen jedoch viele weitere Dinge eine Rolle, die nicht alle durch Software Building Blocks von Hardwareanbietern umfassend adressiert werden können.«