Open-Source- und Maker-Community Sind Maker-Boards reif fürs Serien-Design?

Zur Serienreife bringen

Auch die Entwicklung des 3D-Drucks war ein entscheidender Wegbereiter dafür, ein Einzelprojekt zu einem unternehmerischen Erfolg werden zu lassen. So gab beispielsweise 2008 der taiwanesische Board- und Systemhersteller VIA Technology ein Open-Source-Design für ein Laptop-Gehäuse heraus (auf Basis des hauseigenen x86-Boards), das von den Benutzern modifiziert werden konnte. Durchschlagender Erfolg war dieser Idee damals jedoch nicht beschieden. Inzwischen gibt es riesige Bibliotheken mit 3D-gedruckten Open-Source-Designs, die Entwickler am Desktop ausdrucken und für eigene Projekte nutzen können.

Die Besonderheiten eines Open-Source-Ansatzes können sich an späterer Stelle im Entwicklungszyklus zeigen. Betriebssysteme sind nicht mehr statisch und müssen regelmäßig aktualisiert werden, um Sicherheitslücken zu schließen. Diese können sich negativ auf Gerätetreiber auswirken, und die neuen Kombinationen aus OS und Treibern müssen getestet werden, um sicherzustellen, dass ihr Zusammenspiel funktioniert und sie nicht unter bestimmten Umständen ausfallen. Diese Ebene des Testens von Software ist in der Regel nicht Bestandteil eines Open-Source-Prozesses.

Sicherheit galt so manchem als die Schwachstelle von Open-Source-Designs. Inzwischen hat sich aber klar gezeigt, dass dies nicht der Fall ist. Als Bestandteil der Open-Source-Community, die sich die Schwachstellen des gesamten Ökosystems anschaut, ist stets auch Sicherheitssoftware verfügbar. Statt von wenigen, relativ kleinen Teams, die sich um das Testen eines proprietären Produkts kümmern, werden die Bestandteile von Open-Source-Software von Tausenden geprüft. So werden potenzielle Probleme gefunden, lange bevor sie in einer Kundeninstallation auftauchen.

Vom Prototypen oder sogar Produkt bis hin zu einem tragfähigen Geschäft ist es natürlich ein langer Weg. Der Prototyp mag vielleicht auf Crowdfunding-Websites viele Kleininvestoren anziehen, aber es sind Folgekosten zu stemmen und Produktionsprobleme zu meistern. Ein Fremdhersteller kann eine gewisse Zahl an Boards produzieren, aber wenn das Produkt kommerziell durchstartet, muss auf Massenfertigung umgestellt werden – und das hat seine Tücken.

Über die Schaltpläne zu verfügen ist ein guter Anfang, aber in der Fertigung lauern zahlreiche Fallstricke: von der Beschaffung der Bauteile über Toleranzen bis hin zu Qualitätsfragen. Zudem muss sich das Jungunternehmen mit Zertifizierungsfragen für die verschiedenen globalen Märkte auseinandersetzen. Das neue Board durch alle Tests zu bringen kann viel Zeit und Geld kosten.

Die Spannungsversorgung der Boards erfolgt zudem über externe Module, die von einem Hersteller beschafft sowie als sicher und konform für Märkte in aller Welt zertifiziert werden müssen. Das erhöht die Komplexität beim Übergang zum Massenproduzenten. Außerdem ist der 3D-Druck bei hohen Produktionsmengen nicht wirklich kostengünstig. Also wird ein Anbieter gebraucht, der die richtigen Werkzeuge in der gewünschten Qualität und zu akzeptablen Kosten entwickeln kann. Im schlimmsten Fall lässt sich das Produkt gar nicht in großen Stückzahlen produzieren. Kurz gesagt: Die Wahl eines coolen Designs von einer Open-Source-Website ist nur der allererste Schritt. Das ist einer der Gründe dafür, dass sich Firmen auf Peripheriekarten für bestehende Plattformen konzentrieren, statt Vollprodukte wie IoT-Gateways oder Sensorknoten zu entwickeln. Zielt das Produkt auf das IoT ab, ist zudem die Aktualisierung der Software zu bedenken. OTA-Updates (OTA: Over the Air) müssen sorgsam gehandhabt werden, damit die Endgeräte keinen Schaden nehmen. Im schlimmsten Fall macht ein Update das Gerät zu Elektroschrott.

Nach der erfolgreichen Realisierung des Produkts sind unter Umständen noch weitere lizenzierungs- oder vermarktungsrechtliche Anforderungen zu berücksichtigen. Die Raspberry Pi Foundation schreibt lediglich vor, dass in der Dokumentation „Powered by Raspberry Pi“ zu vermerken ist. Andere Open-Source-Anbieter haben jedoch Geschäftsbedingungen, die eine Berücksichtigung der hier beschriebenen Probleme einschließen können. Das Ethos der Open-Source-Community verlangt es zudem, dass Entwicklungen, die auf der Basis der Software und Hardware getätigt werden, später wieder der Community zugute kommen. Das kann schlussendlich Einfluss auf die Rechte am geistigen Eigentum eines Produktes mit Open-Source-Technologie haben.