Den Kundenbedürfnissen rasch folgen SGET geht auf Kurs für schnelle Standards

Engelbert Hörmannsdorfer, SGET: »Unsere Vereinsmitglieder sind alles ausgesprochene Problemlöser, da wird ein Hindernis schnell ausgeräumt.«
Engelbert Hörmannsdorfer, SGET: »Wir wollen lieber am Puls des Marktes bleiben, als amtliche Normen zu zementieren.«

Mit SGET (Standardization Group for Embedded Technologies) hat sich eine neue Gruppierung formiert, die aus den Erfahrungen mit anderen Gremien einen neuen und schnelleren Standardisierungsweg gehen möchte. Engelbert Hörmannsdorfer, Vorstandsvorsitzender von SGET, erläutert die aktuellen Entwicklungen.

Markt&Technik: SGET wurde mit Verzögerungen als Verein gegründet. Woran lag das?

Engelbert Hörmannsdorfer: Das deutsche Vereinsrecht schafft es, im Gründungsprozess immer wieder zu überraschen. Wir hatten in unserer Vereinssatzung einen eingeschobenen Nebensatz, der nur der Verdeutlichung diente, der dem Vereinsgericht aber nicht gefiel. Wir haben ihn einfach gestrichen, mussten dafür aber eine Nachgründung durchführen. Diese Hindernisse haben wir jetzt beseitigt - wir sind auf Kurs.

Was machen Sie momentan?

Wir haben unter anderem unsere Web-Site www.sget.org gestartet. Zusätzlich haben wir, um die Arbeitprozesse zu beschleunigen, eine entsprechende Kommunikationsinfrastruktur aufgebaut, die jetzt die Arbeitgruppen nutzen können. Mit Qseven von Congatec und Kontrons neuem ARM-Modulkonzept stehen die ersten Nutzer bereit. Allerdings steht noch nicht fest, welche Gruppe als erstes unsere Infrastruktur testen wird. Die Erfahrungen, die sie machen, wollen wir dann sofort zu Optimierung nutzen und so für die nachfolgenden Gruppen den Weg ebnen.

Diese zwei Arbeitgruppen stand schon zur Vereinsgründung fest - wie sieht es mit neuen Gruppen aus?

Es gibt schon sehr interessante Ideen für neue Arbeitsgruppen. Man könnte beispielsweise Performance-Tests entwickeln, die es den Anwendern leichter machen, den richtigen Baustein aus der Fülle von ARM-Chips zu finden. Die Tests sollen dabei auf einzelne Applikationen und Branchen ausgerichtet werden, zum Beispiel die Ermittlung von Zykluszeiten von Soft-SPSen für die Automation, oder man ermittelt die Video-Performance für Digital-Signage-Anwendungen. Schlussendlich muss der Anwender immer eine Baugruppe evaluieren, aber mit den Tests als Richtschnur könnte er die Vorauswahl deutlich schneller treffen. Für die Entwicklung dieser Tests würden wir gerne auf das Know-how von Software-Firmen zurückgreifen. Bislang haben wir aber keine entsprechenden Mitglieder.

Wie sieht es mit einer Aufnahme dieser Firmen in den Verein aus?

Sie sind herzlich willkommen! Die Gründungsmitglieder zählen zwar zu den namhaftesten Hardware-Anbietern, wir wollen aber definitiv kein reiner Hardware- oder Modul-Verband sein. Wir sind offen für alle Embedded-Technologien und wollen für alle in der Embedded-Branche die Zusammenarbeit vereinfachen - denn was anderes als gute Zusammenarbeit bedeutet Embedded sonst?

Wie sieht es im Allgemeinen mit dem Interesse an neuen Mitgliedschaften aus?

Wir haben aktuell vier weitere unterschriebene Anträge vorliegen. Es sind allesamt Unternehmen aus Asien (Taiwan, China und Indien). Sie bekommen in diesen Tagen die Rechnung zugesandt und werden demnächst offiziell als Mitglieder aufgenommen. Darüber hinaus gab es etliche Vorgespräche, vor allem mit Chip-Herstellern. Ich gehe davon aus, dass wir hier in den nächsten Monaten offizielle Anträge bekommen.

Gibt es neben Software noch andere Arbeitsgebiete, die neue Mitglieder notwendig machen?

Das Thema Sicherheit gegen Fremdeinflusse, auch Security genannt, hat durch die »Stuxnet«- und »Flamer«-Viren zu einigem Nachdenken in der Embedded-Community geführt. Auch hier würden neue Mitglieder, die ihre entsprechenden Expertisen einbringen wollen, sehr großen Sinn machen.

Wie sieht es mit der Zusammenarbeit mit anderen Standardisierungsgremien aus?

Wenn andere Standardisierungsorganisationen an der Übernahme unserer ausgearbeiteten Standards interessiert sind, dann stehen wir für Gespräche offen. Wir wollen allerdings nicht in unserer Arbeit ausgebremst werden, denn bevor ein ISO- oder DIN-Standard ratifiziert ist, können die Bedürfnisse der Anwender schon wieder ganz andere sein. Wir wollen daher lieber am Puls des Marktes bleiben, als amtliche Normen zu zementieren. Das war ja schließlich auch der Hauptgrund für die Gründung unseres Vereins.

Gab es Reaktionen von anderen Gremien?

Es mag zwar die eine oder Organisation geben, die uns als Konkurrenz sieht, aber wir stehen mit denen nicht in Wettbewerb, denn wir wollen einfach nur den Nutzern von Embedded-Technologien die Arbeit erleichtern. Die diversen Standardisierungsgremien haben in der Vergangenheit gute Arbeit geleistet und die gesamte Branche deutlich voran gebracht. Sie sind aber Kinder einer Zeit, in der lange Projektlaufzeiten von 10 oder 20 Jahren keine Seltenheit waren. Zu diesen Märkten sind in den letzen Jahren aber neue hinzugekommen, die wesentlich schneller drehen und andere Bedürfnisse haben. Diesen Anwendern wollen wir helfen. Wir wollen nicht die etablierten und guten Standards wie VMEbus, PC/104 oder CompactPCI angehen, denn diese bedienen ihre Märkte ja bereits sehr ordentlich.

Das heißt, Sie sehen keine Konkurrenz zu VITA oder PICMG?

Nein. Denn viele unserer Mitglieder sind ja auch Mitglied in diesen Verbänden. Und ich denke, die meisten werden Parallel-Mitgliedschaften fahren. Unser Anspruch ist, etwas wendiger, schneller und flexibler zu sein. Das müssen wir freilich erst noch beweisen. Aber das erste Vierteljahr nach Vereinsgründung bedeutete nun mal ganz normale Basisarbeit. Aber das Vereinsdach ist jetzt fertig, die Schienen sind gelegt, der Dampf in der Lokomotive baut sich auf. Der Zug wird den Bahnhof bald verlassen.