Zukaufen oder selbst herstellen? Risiken bei der Entwicklung drahtloser Embedded-Modems

Risiken der Eigenentwicklung

Das erste zu berücksichtigen­de potenzielle Risiko ist eines, von dem man nur ungern spricht: das Entwicklungsrisiko. Entwick­ler für Embedded-Designs wer­den es nicht gern zugeben, aber es besteht immer die Gefahr, dass ein hauseigenes Entwicklungsteam es nicht schafft, auf Anhieb eine einwandfrei funktionierende Lösung zu erstellen. Besonders die HF-Entwicklung steckt voller Tücken, denn Störungen aus anderen Teilen des Systems können die Leistung des HF-Moduls oder der Antenne in einer Weise beeinflussen, die sich nur schwer vorhersagen oder diagnostizieren lässt. Erfahrene Teams von HF-Entwicklern sind sich dieser Probleme bewusst und vermeiden sie. Im Fall von Embedded Systemen, bei denen erstmals eine Konnektivität hinzugefügt oder eine bisher drahtgebundene durch drahtlose Kommunikation ersetzt werden soll, dürfen die Schwierigkeiten einer Implementierung von Mobiltelefon oder WLAN jedoch nicht unterschätzt werden.

Das zweite wichtige Risiko, das zu berücksichtigen ist, ist das Wettbewerbsrisiko. Die Geschäftsbereiche sollten sich fragen, welchen Anteil am Profit in einem gegebenen Marktsegment der erste Anbieter für sich beanspruchen kann. Wie hoch ist das Risiko, dass ein Mitbewerber früher in dem Marktbereich aktiv wird?

Jeder Hersteller macht seine eigenen Vorhersagen zur Entwicklungszeit. Insbesondere bei Anwendungen, die die Technik des Mobiltelefons nutzen, sind die Auswirkungen des Zulassungsverfahrens auf die Projektdauer erheblich. Hinzu kommt, dass sie sich weitgehend dem Einfluss des Herstellers entziehen.

Die Auswirkungen eines weiteren Risikos hängen teilweise von den Kunden ab: Es geht dabei um das Risiko, dass ein Hersteller Produktvarianten oder verbesserte Versionen des ursprünglichen Produkts entwickeln muss. Wenn z.B. das ursprüngliche Produkt erfolgreich ist, kann es aus Marketinggründen erforderlich werden, Varianten zu entwickeln, die auf der ursprünglichen Plattform aufsetzen. Das könnten z.B. kostengünstigere Versionen – Lite-Versionen – mit verringertem Funktionsumfang oder Premium-Versionen mit zusätzlichen Merkmalen sein.

Diese Varianten benötigen unter Umständen andere drahtlose Funktionen und ein anderes Modem. Falls im ursprünglichen Gerät ein im Haus entwickeltes Modem eingesetzt wird, kann jede neue Variante dazu führen, dass das Projektteam die ursprüngliche Entwicklung und die zur Herstellung eingesetzten Werkzeuge über Bord werfen muss, da sich bei einem anderen drahtlosen Chipsatz auch die umgebende Schaltung ändert.

Das vierte Risiko hängt mit dem gerade beschriebenen Risiko zusammen: Was passiert, wenn der Hersteller zu einer Überarbeitung der Entwicklung gezwungen wird, weil der bisherige drahtlose Chipsatz nicht mehr lieferbar ist? Die Hersteller von Chipsätzen für Mobiltelefone und WLAN unterliegen der Dynamik des Consumer-Markts und ersetzen daher ihre Produkte regelmäßig durch neue, verbesserte Versionen. Das Gleiche kann passieren, wenn Chiphersteller fusionieren oder übernommen werden. Hersteller von Embedded-Produkten mit erheblich längeren Produktlebenszyklen laufen daher Gefahr, vor Kosten für Überarbeitungen und Änderungen an Werkzeugen zu stehen, die durch die Zulieferkette verursacht werden.

Und schließlich stehen Hersteller, die ihre Produkte weltweit anbieten wollen, vor der komplizierten und zeitaufwändigen Frage der vielen Zulassungen: Zertifizierungen für HF-Produkte werden nicht global, sondern regional oder lokal entwickelt und vorgeschrieben. Einige Länder verlangen sogar jährliche Erneuerungen der Zertifizierung. Wenn eine Zertifizierung verfällt, muss das Produkt bis zur Erneuerung aus dem Handel genommen werden. Vorschriften können sich außerdem während der Lebensdauer eines bestimmten Modells ändern, und die existierenden Produkte können von einer Neuregelung nicht immer ausgenommen werden. Hersteller von Embedded- Modems verfügen über eigene Spezialistenteams, die die Entwicklung bei den Zertifizierungen auf der ganzen Welt ständig beobachten und dafür sorgen, dass ihre Produkte auch weiterhin zertifiziert bleiben. Hierzu ist bei Herstellern, die selbstentwickelte Modems einsetzen, ein großer und vom Umfang her nicht vorhersehbarer technischer und verwaltungsmäßiger Aufwand erforderlich.

Die oben beschriebenen Risiken lassen sich aufgrund ihrer Natur nur schwierig quantifizieren und in konkrete Kosten fassen. Es ist jedoch möglich, ihre Kosten unter Berücksichtigung der jeweiligen Umstände realistisch zu schätzen. Jeder Hersteller hat mehr oder weniger fähige HF-Entwickler, schnellere oder langsamere Mitbewerber, mehr oder weniger Anforderungen auf Seiten der Endanwender und einen mehr oder weniger langen Produktlebenszyklus. Auf dieser Grundlage kann jeder Hersteller die Wahrscheinlichkeit einschätzen, mit der die einzelnen Risiken eintreten, und die Kosten, die damit zusammenhängen. Wenn also die Wahrscheinlichkeit, dass eine hausinterne Entwicklung nicht funktioniert, 50% beträgt, und die Kosten einer fehlerhaften Entwicklung 100.000 Euro betragen, können die geschätzten Kosten für die Herstellung eines eigenen Modems um weitere 50.000 Euro erhöht werden.

Ein COTS-Modem verringert hingegen erheblich die Gefahr, die diese Risiken verursachen. Es lässt sich einfach auf eine Leiterplatte aufsetzen, und die gesamte Entwicklungszeit des Produkts fällt deutlich kürzer aus. Socket-Modems wie von Muli-Tech verringern außerdem die Risiken in den Bereichen Marketing und Zulieferkette. Alle einzelnen Socket-Modem-Produktserien bieten verschiedene Kombinationen von Kommunikationstechniken, einschließlich GSM, CDMA, WiFi und Bluetooth. Sie haben jedoch alle dieselbe Universal-Socket-Anschlussbelegung und nutzen – soweit möglich – das Multi-Tech-»Universal IP«-Protokoll.

Das heißt für den Entwickler, dass er die auf der Leiterplatte eingesetzten Technologien beliebig ändern kann, ohne seine Hardware oder die Werkzeuge überarbeiten zu müssen. Außerdem muss kein neues IP-Protokoll geschrieben werden, und die Änderungen auf der Ebene der Anwendungssoftware sind gering. Multi-Tech unterstützt mit jedem Socket-Modem-Produkt außerdem lange Lebenszyklen.

Die Fähigkeit des Socket-Modems oder ähnlicher COTS-Modems, die üblichen Risiken einer hauseigenen Entwicklung zu vermeiden, wiegen die Mühe bei der Einschätzung und Quantifizierung der Risiken mehr als auf. Wie die Analyse zeigt, wird der Break-Even-Point bei der Frage, eine Lösung selbst zu entwickeln oder zuzukaufen, nicht nur durch die Kosten für Material und Produktentwicklung beeinflusst.