Professionelle versus Maker-Boards Proof-of-Concept ist möglich, mehr aber auch nicht

Uwe Bröckelmann, Analog Devices

»Für RF-Anwendungen gibt es viele speziellen Anwenderkarten, die zum Beispiel direkt an FPGA-Plattformen angeschlossen werden können. Die dazu nötigen Leistungsdaten wären mit 
Maker-Boards nicht zu schaffen.«
Uwe Bröckelmann, Analog Devices: »Für RF-Anwendungen gibt es viele speziellen Anwenderkarten, die zum Beispiel direkt an FPGA-Plattformen angeschlossen werden können. Die dazu nötigen Leistungsdaten wären mit Maker-Boards nicht zu schaffen.«

Maker-Boards wie Arduino, Raspberry Pi und Co. gibt es zuhauf. Seit Februar ist mit dem »Raspberry Pi 3« ein Board mit vier ARMv8-Kernen verfügbar – also viel Leistung für wenig Geld. Werden dadurch professionelle Entwicklungs-Boards überflüssig?

Die Vorteile der Maker-Boards sind vielfältig. Uwe Bröckelmann, Technischer Direktor EMEA von Analog Devices, nennt einige: »Der größte Unterschied zwischen Maker-Boards und professionellen Entwicklungsboards liegt natürlich in erster Linie in den Kosten, der Verfügbarkeit von Open-Source-Tools und Support auf der einen Seite und den Leistungsdaten auf der anderen Seite.« Dazu kommt noch ein weiterer entscheidender Vorteil: Es ist für die Entwickler typischerweise deutlich einfacher, ein Maker-Board zu kaufen. Braucht er ein teures Entwicklungsboard, muss er meist erst einmal eine Genehmigung vom Vorgesetzten einholen. Außerdem ist die Maker-Gemeinschaft groß, so dass man fast zu jedem möglichen Problem in einem Forum eine Lösung finden kann. Bröckelmann weiter: »Durch den Open-Source Charakter können viele Zulieferer eine kompatible Lösung entwickeln. Es gibt zum Beispiel bereits über 5000 Arduino-basierende Boards auf dem Markt. So findet sich schnell eine Hardware-Plattform, um eine Schaltungsidee auszuprobieren.«

Und nachdem die Maker-Szene eine beachtliche Größe erreicht hat, interessieren sich auch alle Halbleiterhersteller für sie. Magnus Nordseth, Senior Product Manager Hardware Tools von Silicon Labs, bringt es auf den Punkt: »Die Maker-Szene wird immer wichtiger. Es gibt viele Innovationen rund um neue Anwendungen, die aus dieser Bewegung kommen.« Um hier partizipieren zu können, arbeite Silicon Labs stetig daran, die Nutzung seiner Tools möglichst einfach zu machen, damit sie auch attraktiv für die Maker-Szene sind. Das Unternehmen hat außerdem an der Preisschraube gedreht, um die Tools billiger zu machen. »Wir planen, in diesem Jahr noch neue Entwicklungs-Kits auf den Markt zu bringen, mit denen ein einfaches Prototyping von Wearables und Sensorknoten realisierbar ist.« Hinzu kommen kosteneffektive Barebone-Kits.

Damit steht Silicon Labs natürlich nicht allein. Es gibt keinen Halbleiterhersteller, der die Maker-Szene nicht mit eigenen Boards unterstützt. So erklärt beispielsweise Bröckelmann: »Analog Devices bietet Boards im Arduino-Format an, wie z.B. die Cortex-M3-Entwicklungsplattform EVAL-ADICUP360.« Und obwohl alle Halbleiterhersteller die Maker-Szene unterstützen, halten sie gleichzeitig an ihren professionellen Entwicklungs-Tools fest. Denn auch dafür gibt es handfeste Gründe. Bröckelmann erklärt, dass professionelle Entwicklungsboards dann zum Einsatz kommen müssen, wenn es darum geht, eine Komponente in optimaler Umgebung zu testen. Deshalb bietet Analog Devices diverse Lösungen an, die auch zu anderen Industriestandards kompatibel sind (z.B. FMC). Die System Demonstration Platform (SDP) besteht aus vielfältigen Rechnerboards, Interposer und Daughter-Boards, um kostengünstig ADI-Komponenten und Referenzschaltungen testen zu können. Die Circuits from the Lab (CFTL) zeigen Schaltungsbeispiele aus der realen Anwenderwelt und können 1:1 von Kunden getestet und übernommen werden.

Atmel ist bekanntermaßen mit seinen AVRs und anderen MCUs auf den Arduino-Boards vertreten. Jens Kahrweg, Director Field Application Engineering EMEA bei Atmel (mittlerweile Microchip), erklärt, dass Atmel in fast jedem 3D-Drucker am Markt mit seinen Controllern vertreten ist. Aber auch Kahrweg sieht Einschränkungen bei den Maker-Boards. So weist er beispielsweise darauf hin, dass bei Arduino die Tools Einschränkungen aufweisen, beispielsweise bei der Debuggging-Unterstützung. Kahrweg ist der Überzeugung, dass Maker-Boards nicht ausreichen, um ein Projekt den ganzen Weg von der Idee bis zur Produktion zu tragen. Auch wenn ein professioneller Entwickler mit einem Maker-Board anfängt, steigt er irgendwann auf eine professionelle Entwicklungsumgebung um. Deshalb hat Atmel seine integrierte Entwicklungsumgebung so ausgelegt, dass Arduino-Programme inkl. C++-Projekte problemlos in ein Atmel-Studio-Projekt umgewandelt werden können.