Die Embedded-Branche bereitet sich vor Professional Maker sind Indikatoren des Wandels

Bei Start-up-Firmen und Professional Makern haben die klassischen Embedded-Computing-Anbieter keine Berührungsängste. Ganz im Gegenteil, denn die Szene verspricht nicht nur einen neuen Kundenkreis, sondern auch frische Konzepte und Talente – langfristig nehmen sie Einfluss auf das Geschäft.

Auf der embedded world 2016 stellten diverse Embedded-Computing-Firmen Produkte für die Zielgruppe der Professional Maker vor, rund vier Jahre nachdem dort der Raspberry PI erstmals zu sehen war und die Consumer-orientierte Maker-Szene beflügelte. Das Interesse der Professional Maker gibt es aber schon länger. »Sie wurden jedes Mal angelockt, wenn eine gewisse Integrationsdichte bestand, beispielsweise mit einem Starter-Kit aus Embedded-Hardware mit Embedded-Betriebssystem und der passenden Tool Chain. Das senkte die Einstiegshürden für das erste Projekt erheblich, und es sind so auch schon Produkte mit sehr professionellem Hintergrund entstanden«, berichtet Klaus-Dieter Walter, Geschäftsführer von SSV Software Systems. »Die Anbieterseite hat sich gewandelt und geht nun auf den Professional Maker viel intensiver zu, als das noch vor Jahren üblich war. Das ist jetzt auf eine viel breitere Basis gestellt worden, auch mit speziellen Distributionskanälen.«
Der Vertrieb stützt sich dabei ganz klar auf das Internet. »Man muss es den Professional Makern sehr einfach machen, an die Muster zu kommen – einfach über das Internet bestellen, statt einen Account und eine Kreditlinie bei einem Distributor zu öffnen«, erklärt Volkmar Kaufmann, Sales Director Central Europe von Aaeon Europe. »Im Internet bestellen und bezahlen, dann die Lieferung – fertig. Schon kann man loslegen. Das ist in meinen Augen ein Paradigmenwechsel.« Dieser Umbruch werde vor allem durch junge Entwickler getragen, die mit dem Internet groß geworden sind. Die technische Unterstützung erwarten und erhalten sie aus der Community heraus und nicht von einem FAE, wie es in der Embedded-Branche üblich ist.
Zum Teil liegt dieser Wandel auch am Konzept der Agilen (Software-)Entwicklung, die viele der jungen Entwickler in ihrer Ausbildung lernen. »Ein Professional Maker ist dadurch gekennzeichnet, dass er sich nicht am V-Modell orientiert – er will möglichst schnell eine Idee evaluieren, eine Machbarkeit prüfen«, verdeutlicht Walter. Rückenwind erhalten die jungen Talente durch das Internet der Dinge (IoT) und die Digitalisierung der Geschäftsmodelle. »Bei IoT laufen die Dinge oftmals anders herum, aus der Cloud heraus – wenn beispielsweise jemand sich mit der IBM-Cloud verbinden will, dann nutzt er einfach eines der Boards, die genau diese Softwareanbindung schon realisiert haben«, erläutert Walter.
Ob die Professional Maker eine neue Firma gründen oder als Berufseinsteiger in etablierten Unternehmen starten: Langfristig ist mit einer Beeinflussung des Embedded-Markts zu rechnen. »Das Einkaufsverhalten der Kunden wird sich verändern, und es wird einen Shift geben in der traditionellen Embedded-Industrie«, bestätigt Wolfgang Eisenbarth, Managing Director, Portwell Deutschland – auch wenn das noch etwas Zeit beanspruchen werde. »Doch wenn wir das IoT und einen Zeitrahmen nach 2020 anschauen, dann wird sich die Situation massiv verändern.«