Kommentar Professional Maker gefunden – Lotsen gesucht

Manne Kreuzer, Markt&Technik
Manne Kreuzer, Markt&Technik

Mit einer neuen Generation von Kunden erwächst der Embedded-Computing-Branche möglicherweise auch eine neue Aufgabenstellung und Verantwortung.

»Die größten Talente liegen oft im Verborgenen« wusste schon der römische Dramatiker Titus Maccius Plautus – und das lange vor der Zeitenwende. Daran hat sich bis heute leider nichts geändert und es zählt immer noch zu den größten Herausforderungen, Begabungen und Begabte zu finden und fördern. Interessanterweise hat die Embedded-Branche mit Raspberry Pi und Co. eine spannende Möglichkeit gefunden, Talentierte anzulocken, die man als jetzt »Maker« nennt. Viele Maker nutzen die Boards für eine kreative Gestaltung ihrer Freizeit und heizen auch schon mal den Lötkolben an. Nach gefühlten Dekaden des Mausklickens und »Frickeln« in Programmen, sind die Elektronikbastler endlich wieder da – war doch nicht alles so »nerdig«, was ich in meiner Jugend gemacht habe.

Einige dieser Maker entwickeln Ambitionen und wollen ihre Ideen und Produkte professionalisieren und rücken damit auf zum Professional Maker. Damit verlassen sie die Verborgenheit, werden für die Embedded-Branche sichtbar und wecken bei den Etablierten Hoffnungen für neue Märkte und neue Mitarbeiter – das Thema Talentfindung ist damit geschickt gelöst. Aber leider bleibt das Thema Förderung weiterhin schwierig, denn die talentierten und motivierten Professional Maker knallen bislang unvorbereitet auf die hässliche, juristische Welt der Zulassungsbestimmungen, Zertifizierungen, REACH und anderen unkreativen Pflichten - der Frust ist also vorprogrammiert.

Die Embedded-Branche hat aber nicht nur interessante Produkte, sondern auch das Know-how, die Professional Maker um diese Klippen zu schiffen. Sie können Lotsen sein, ganz im Sinne des Wortursprungs leid-sögu-madr (Altwestnordisch »Weg-sage-Mann«) und nicht in der Bedeutung des international gebräuchlichen nautischen »pilot« (der englische Begriff loadsman, der den gleichen Ursprung hat, ist leider von pilot abgelöst worden) - sie sollen Lösungswege zeigen und nicht das Ruder übernehmen.

Vielleicht muss sich die Embedded-Branche über eine »Lotsenbrüderschaft« Gedanken machen – bei den Standardisierungsgremien hat sich die Zusammenarbeit bereits für Kunden und Unternehmen bewährt. Auf der Investorenseite gibt ja auch schon lange die Business Angels und ihre Netzwerke, die Start-Ups unterstützen – auch wenn Professional Maker das Konzept des Crowdfundings scheinbar bevorzugen.

Hier möchte ich gerne erneut Titus Maccius Plautus bemühen: »Nichts ist einem Menschen willkommener, als ein Freund zur rechten Zeit.«