RTOS-Trends Offenheit für Sicherheit

John Blevins, Lynx Software Technologies: »Es ist für die Unternehmen viel einfacher, sich auf einen Standard zu einigen, der auf allseits beliebter Programmierpraxis basiert, als Neues oder vormals Proprietäres aufzusetzen.«

Standards aus der Avionik gelten für viele Branchen als Richtschnur für Safety und Security.Wie dieses Know-how und offene Standards in andere Branchen übertragen werden können, erklärt John Blevins, Director, Software Tools Development von Lynx Software Technologies.

Markt&Technik: Welche entscheidenden Dinge gewährleisten, dass offene Standards einem breiten Anwendungsspektrum nutzen?

John Blevins: RTOS-Anbieter müssen sich in die Entwicklung und Pflege der bestehenden Normenausschüsse wie POSIX, ARINC und FACE einbringen. Für Unternehmen bedeutet es zwar eine erhebliche Investition, auf „Open Standards“ gerichtete Standardisierungsbemühungen finanziell zu unterstützen und Organisationen wie der OpenGroup beizutreten, doch ohne dieses Engagement dürfte die Idee, das Ideal der offenen Standards, scheitern.

Müssen offene Standards eigentlich immer etwas Neues bringen?

Um erfolgreich zu sein, sollten offene Standards auf APIs basieren, die am Markt den meisten Schwung bekamen und am erfolgreichsten sind. Es ist für die Unternehmen viel einfacher, sich auf einen Standard zu einigen, der auf allseits beliebter Programmierpraxis basiert, als Neues oder vormals Proprietäres aufzusetzen.

Haben sich die Gründe, ein Verfechter offener Standards zu sein, in den letzten Jahren geändert?

Kostengünstige Kundenschulungen zu den Vorzügen und Kosteneinsparungen durch offene Standards erweisen sich als überaus hilfreich. Wir unterstützen offene Standards von Anfang an, seit fast 30 Jahren. Heute sorgen offene Standards dafür, die Entwicklungskosten des Kunden zu senken und es ihm zu vereinfachen, Anwendungen über unterschiedliche Betriebssysteme, Plattformen und Architekturen hinweg zu verteilen. Angesichts der aktuellen Explosion Netzwerk-basierter Geräte auf dem Markt und immer komplexerer Software wird es auch immer wichtiger, offene Standards für Sicherheit, Vernetzung und Kommunikation zu etablieren, so dass Geräte einer Vielzahl unterschiedlicher Hersteller nahtlos miteinander funktionieren können.

Besonders das Thema Sicherheit hat in den letzter Zeit erheblich an Bedeutung gewonnen.

Ja, in den letzten Jahren konnten wir beobachten, dass unsere langjährigen Embedded-Kunden sich zunehmend Sorge um die Sicherheit machen. Angesichts der antizipierten Milliarden von IoT-Geräte, die in die Netzwerke drängen, müssen auch Entwickler von Anwendungen mit Echtzeitbetriebssystem den Faktor Sicherheit in ihre Produktdesigns bringen. In Vorwegnahme des zu erwartenden Sicherheitsbooms bei Embedded-Geräten haben wir das RTOS LynxOS mit zahlreichen erweiterten Sicherheitseigenschaften ausgestattet, um die Entwicklungsingenieure bei dieser Aufgabe von Anfang an zu unterstützen.

Ist die Sicherheit dabei eher eine Zusatzfunktion oder integraler Bestandteil?

Eigenschaften wie Discretionary Access Control, Rollen und Fähigkeiten, Audit Logging, Identifikation und Authentifizierung, Quoten, Kryptographie, Selbsttest, Trusted Path und Residual Information Protection erlauben die Entwicklung von Anwendungen mit mehrschichtiger Sicherheit, anstatt nur Sicherheit im Nachhinein „draufzuschrauben“. Das trifft auf existierende und neue Lynx-Kunden in allen Marktsegmenten zu. Wir haben viele Jahre lang gesehen, dass Technologien, die ursprünglich für Regierungsprogramme vorangetrieben wurden, letztendlich auch dem kommerziellen Sektor zugute kamen.

Sie setzten dabei auf Programme der Luftfahrt.

Ja, so bieten wir das DO178-sicherheitszertifizierte Echtzeitbetriebssystem (RTOS) LynxOS-178. Es unterstützt offene Standards wie POSIX und ARINC 653 und verfügt über APIs für alle drei FACE-Profile: Security, Safety Basic und Safety Extended.