SGET gegründet Neues Standardisierungsgremium für Embedded

Schneller neue Standards für Embedded-Hard- und -Software zu entwickeln, ist das erklärte Ziel der in Gründung befindlichen Organisation »Standardisation Group for Embedded Technology« (SGET). Mit Gründungsmitgliedern wie Advantech, congatec, Data Modul, Kontron, MSC und Seco kann das junge Gremium jetzt bereits sehr bekannte Embedded-Anbieter vorweisen.

Die Standardisierungsgremien im Embedded-Bereich, wie VITA und PICMG, waren in der Vergangenheit sehr erfolgreich und haben die Branche auch gut voran gebracht. Für etliche Embedded-Anbieter können sie allerdings mit den immer schneller werden Geschäfts- und Technologieveränderungen nicht mehr richtig mithalten. Teilweise kollidieren die zur Standardisierung anstehenden neuen Technologien auch mit dem Ursprungszweck der Vereinigungen: Beispielsweise hat eine PCI-Gruppe wie die PICMG nur wenig Motivation RapidIO oder Hypertransport in ihre Standards gleichberechtigt aufzunehmen. Auch Embedded-Software-Standards sind für die Hardware orientierten Vereinigungen ein Exotenthema, das nur zäh voran gebrachten werden kann.

Dies ist allerdings nicht im Sinne der Board-Hersteller, die ihren Kunden möglichst flexible und universelle Lösungen anbieten wollen. Auch kam es in der Vergangenheit aus Sicht der Board-Hersteller immer wieder zu Blockadehaltungen von Zulieferern aus dem Chip und Steckverbinderbereich, die einen Board- oder System-Standard so gestalten wollten, dass ihre Wettbewerber ausgeschlossen sind.

»Durch unterschiedliche Herstellerinteressen auf Bauelemente-Ebene werden die Standardisierungsarbeiten für Module verlangsamt. Aus diesem Grund freuen wir uns, dass das neue Board- und Module-Hersteller-Konsortium Regeln geschaffen hat, die mehr Raum für Innovationen bieten und die die Interessen von Anwendern in den Vordergrund stellen«, bestätigt Wolfgang Eisenbarth, VP Marketing von MSC.

»Das Ziel der Gründungsmitglieder der Standardization Group for Embedded Technologies ist es, einen weltweit schlagkräftigen neuen Träger für Embedded-Computer-Spezifikationen zu schaffen, der deutlich schneller und unbürokratischer agiert, als vergleichbare Organisationen. Hierzu bietet die SGET unter anderem vereinfachte Regeln und verkürzte Einspruchsfristen, um neue Spezifikationen schneller verabschieden zu können«, ergänzt Dirk Finstel, CTO von Kontron.

So erfolgt die Erarbeitung und Ratifizierung eines neuen Standards durch die Mitglieder der jeweiligen Arbeitsgruppe. Allerdings ist nur stimmberechtigt, wer auch hauptsächlich im Bereich des neuen Standards geschäftlich aktiv ist: So dürfen beispielsweise nur Board-Anbieter über Board-Standards abstimmen, Chip- oder Steckverbinderhersteller haben in diesem Fall kein Stimmrecht.

Die Aktivitäten der SGET soll sich ausdrücklich nicht nur auf Board-Standards konzentrieren, sondern auch Themen wie Software anpacken: So trägt die Software viel zur Kompatibilität und Austauschbarkeit der Boards bei und wird seit Jahren immer wichtiger bei der Systementscheidung. Egal in welchem Bereich eine Gruppe von Mitgliedern einen Handlungsbedarf sieht, sie kann die Arbeit aufnehmen, auch wenn Konkurrenzsituationen zwischen SGET-Standards aufkommen könnten. Dass dies nicht nur ein Lippenbekenntnis ist, zeigt die Bemühung der Gründungsmitglieder, den »Qseven«-Standard sowie Kontrons Ultra-Low-Power-CoM-Konzept für ARM-Prozessoren und SoCs als erste Arbeitsgruppen von SGET zu etablieren.

Da diese beiden Standards ARM-Prozessoren nutzen können, verdeutlicht es eine weitere Motivation der Gremiumsgründer: Die ARM-Architektur und das »Android«-Betriebssystem stellen eine hochinteressant Erweiterung der Geschäftsmöglichkeiten für bislang x86-fokusierte Unternehmen dar - die Blockade durch etablierte Interessensgruppen ist deshalb nicht erwünscht. Zugleich wird für die seit Jahren im ARM-Bereich aktiven Anbieter eine neue Plattform geschaffen, um auch ihren Bedürfnissen zu entsprechen.

„Die neuen Prozessortechnologien für Tablet-PCs und mobile Anwendungen in der Consumer-Elektronik haben auch auf den Embedded-Markt eine hohe Auswirkung. Es ist folglich sehr wichtig, dass wir hier von Anfang an mit vereinten Kräften an gemeinsamen Spezifikationen arbeiten, die schnellstmöglich weltweite Gültigkeit erlangen“, betont Gianluca Venere, Sales Director von Seco, das für ihn aktuell wichtigste Handlungsfeld.

Die Gründungsmitglieder gehen davon aus, dass sich binnen Jahresfrist weltweit über hundert Firmen und Organisationen der Gruppe angeschlossen haben werden, da ein großer Bedarf nach besserer Marktausrichtung und schneller Umsetzung in Spezifikationen besteht. Weitere Firmen und Institutionen, die sich mit dem Thema Embedded Computing beschäftigen, sind deshalb eingeladen, der neuen Standardization Group for Embedded Technologies beizutreten. Hierzu zählen insbesondere Embedded-Computer-Hersteller auf Board- und Systemlevel, Forschungs- und Bildungseinrichtungen sowie Embedded Systemintegratoren, OEM Solution Provider und industrielle Anwender.