Kommentar Modul-Standards für ARM - die Quadratur des Kreises?

Manne Kreuzer, Markt&Technik

Welches Modulkonzept ist das richtige? Keine einfache Frage, für die ARM-Architektur gilt es zusätzlich noch einige Soft-Faktoren zu berücksichtigen.

Kostengünstig, niedriger Stromverbrauch, geringe Abwärme und mit Android und Windows RT zwei bekannte Betriebssysteme, die das beliebte Multitouch-Bedienkonzept nativ unterstützen - das sind die Hauptargumente für die ARM-Architekturen. Haben sich Entwickler von diesem Paket überzeugen lassen, kommt eine wichtige Entscheidungen auf sie zu: Welcher Chip aus der unzähligen Vielfalt an ARM-Derivaten soll es denn werden?

Stehen in der x86-Welt die Entwickler vor solch einer Entscheidung, dann bieten sich diverse Modul-Standards an: Die Trägerplatine bleibt gleich und mit den Modulen kann man sich durch die ganzen x86-Familien schnell durchevaluieren - von der Rechenleistung bis zur Abwärme hat man die für das Projekt entscheidenden Parameter schnell getestet.

In der ARM-Welt ist man noch weit davon entfernt. Zwar gibt es bereits erste Standards wie Qseven, nanoRISC oder ULP-COM, die Zahl der angebotenen Module bzw. ARM-Derivate ist, im Vergleich zu der Gesamtauswahl von ARM-Chips, verschwindend gering. Hier hat es die x86-Welt einfacher, da sie deutlich überschaubarer ist und praktisch jedes Modul - egal welcher Prozessor verbaut ist - nur ein PC mit den üblichen PC-Schnittstellen ist.

Aber gerade die Schnittstellen sind es, die die ARM-Bausteine unterscheiden, denn die Cores einer Familie sind ja alle gleich und die Chiphersteller suchen händeringend nach Alleinstellungsmerkmalen. Ein Modul-Standard bedeutet jedoch immer eine Einschränkung in der Schnittstellenauswahl. Hunderte von Pins am Steckverbinder helfen weder beim Preis noch bei der Montage des Moduls.

Wird das Problem gelöst? Sind Standard-Module für ARM-Chips sinnvoll?

Ein klares Jein! Denn es kommt auf die jeweilige Anwendung an. Kommt die Applikation beispielsweise mit einer Hand voll üblicher Schnittstellen wie USB oder LVDS aus oder wird eine Skalierbarkeit über mehrere Leistungsklassen bzw. Generationen hinweg gefordert oder soll es eine Second Source geben, dann punkten standardisierte ARM-Module. Soll das Maximum aus einem ARM-Chip herausgeholt werden - und das möglicherweise nur für eine Gerätegeneration - dann liegen die proprietären Module wieder vorn.

Liegt man mit seinem Anforderungsprofil irgendwo dazwischen, dann muss man sich an die Quadratur des Kreises herantrauen: Eine exakte Lösung kann es nicht geben, aber eine passende Näherung ist durchaus möglich. Hier können Modulanbieter helfen, die ihre bestehenden Lösungen an die Kundenbedürfnisse anpassen - egal ob sie auf offizielle Standards setzen oder nicht - und für den jeweiligen Kunden seinen eigenen Hausstandard entwickeln.

Der Aufwand steckt dabei häufig in der Software, denn es gilt die entsprechenden Treiber oder Middleware für das gewünschte Betriebssystem zur Verfügung zu stellen. Auch wenn der Kunde auf proprietäre Module setzt, so hat es sich bei der Software schon längst auf einen "Standard" festgelegt. Nicht verwunderlich also, dass bei den Hardware-Modulanbietern die Softwareabteilungen beständig wachsen.

So sexy momentan die ARM-Architekturen auch sind, wer bei seinem Projekt darauf setzen will, muss mehr Parameter berücksichtigen als in der x86-Welt. Mehr denn je ist es also wichtig, die richtigen Partner zu haben - die Austauschbarkeit bei Modulen ist nur ein Teil der Gleichung.