Trends im Embedded Computing, Teil 3 Mischt Windows 8 die Embedded-Karten neu?

Steven Sinofsky, Microsoft: »Wir sind mit der Technologie an einem Punkt angekommen, an dem jedermann wirklich alles von seinem Rechner will.«
Steven Sinofsky, Microsoft: »Wir sind mit der Technologie an einem Punkt angekommen, an dem jedermann wirklich alles von seinem Rechner will.«

Die Ankündigung von Microsoft, die nächste Version seines Mainstream-Betriebssystems auch auf die ARM-Architektur zu portieren, hat für allgemeines Aufsehen gesorgt - wie wirkt es sich aber auf den Embedded-Bereich aus?

Der Erfolg des PCs in Industrie- und Embedded-Applikationen ist eng mit den Betriebssystemen von Microsoft verbunden: DOS und Windows stellten für viele Entwickler eine bekannte Umgebung dar, die mit gewohnten Entwicklungswerkzeugen einfach zu bedienen war. Zusätzlich wurde oftmals der Kundenwunsch vorgetragen - besonders aus dem Marketing -, die bekannte Fenster-Maus-Steuerung zu integrieren, um plakativ zu zeigen, dass das Produkt auf der Höhe der Zeit ist. Aufgrund von Forderungen nach einem »harten« Echtzeitverhalten brachten Drittanbieter dann Kombinationen aus Zusatz-Kernel und Windows auf den Markt, bevor sich Microsoft selbst des Themas annahm mit Windows CE.

Echtzeit und Unterstützung der ARM-Architektur

Windows CE bietet mittlerweile Echtzeit und unterstützt auch die ARM-Architektur, allerdings wird es von vielen aus dem Embedded-Bereich als Nischenprodukt gesehen - meist für Mobilanwendungen. Es scheint, dass Anwender die (Zukunfts-)Themen wie Multiprozessor, Internet und die Cloud doch oftmals lieber mit dem »echten« Windows, dem Mainstream, angehen wollen. Der Wunsch nach einer Alternative zu den x86-Prozessoren bleibt aber paradoxerweise erhalten.

Die nächste Generation von Microsofts Windows wird System-on-a-Chip-(SoC-)Architekturen von Intel und AMD wie auch ARM-basierte Systeme von Nvidia, Qualcomm und Texas Instruments unterstützen. Dies hat Microsoft im Rahmen der CES in Las Vegas angekündigt. Zielsetzung sei es, Windows 8 künftig in seinem vollen Leistungsumfang auf möglichst vielen Endgeräten verfügbar zu machen. »Wir wollen den Kunden die gewünschte Funktionalität mit der größten Vielfalt an Hardware-Plattformen und Formfaktoren liefern«, betont Steven Sinofsky, President Microsoft Windows and Windows Live Division. Er erklärt auch die Motivation dafür: »Wir sind mit der Technologie an einem Punkt angekommen, an dem jedermann wirklich alles von seinem Rechner will - die Leistung und Vielfalt an Software heutiger Laptops, die langen Batterielaufzeiten und die ständige Einsatzbereitschaft eines Handys und die Möglichkeiten, die von der neuen Tablet-PC-Generation geboten werden.« Um das alles unter einen Hut zu bekommen, benötigt es seiner Meinung nach Innovationen in der Hardware und eine entsprechend flexible Software.

Als Beispiele zeigte Microsoft bislang für ARM-Plattform einen hardwarebeschleunigten Media-Player, einen ebenfalls hardwarebeschleunigten Web-Browser, USB-Support, Druck und weitere übliche PC-Funktionen. Auch will der Softwareprimus sein »Office« im vollen Leistungsumfang für ARM portieren.

Microsoft geht damit ordentlich in Vorleistung. Wie bewertet die Embedded-Welt diese Bemühungen? »Die Kundenreaktionen sind bereits heute sehr positiv, in vielen Gesprächen ist die Erwartungshaltung wahrscheinlich sogar höher, als Microsoft dies Recht sein kann. Dabei spielen Zeitrahmen und Kompatibilität die größte Rolle«, berichtet Wolfgang Eisenbarth, Director of Marketing, Embedded Computer Technology der MSC Vertriebs GmbH. »Durch die dünnen Informationen zu diesem Thema gibt es natürlich viel Raum für Spekulationen, was die Fantasie des Einzelnen zusätzlich beflügelt.«