Expansionspläne von S&T Kreative Ursuppe statt erodierende Marge

Baut das neue Geschäftsfeld Smart Energy massiv aus: CEO Hannes Niederhauser.
Hannes Niederhauser, S&T: »Ich glaube, als Technologiefirma muss man Technik mögen, und deshalb investieren wir in Engineering.«

Ihr Embedded-Computing-Geschäft will die S&T AG deutlich ausweiten – sowohl organisch als auch durch Firmenübernahmen. Die Strategie des österreichischen IT-Systemhauses und Smart-Energy-Technologieanbieters erklärt der CEO Hannes Niederhauser.

Als Embedded-Computing-Urgestein hat Hannes Niederhauser eine tiefe Verwurzelung mit der Branche. Der gebürtige Linzer hat zwischen 1999 und 2007 als Großaktionär und Vorstandsvorsitzender die Kontron AG zum damals weltweit größten Anbieter im Bereich Embedded Computing aufgebaut, bevor er sein Engagement in der S&T startete.

Markt&Technik: Wie würden Sie die Entwicklung der S&T in den letzten Jahren beschreiben?

Hannes Niederhauser: Als rasant. 2010 lagen wir irgendwo bei 60 Mio. Euro. Jedes folgende Jahr hatten wir ein gutes Wachstum – nicht nur organisch, sondern auch mit Übernahmen. Dieses Jahr werden wir die 500-Mio.-Euro-Grenze knacken. Unsere Gross Margin lag letztes Jahr bei 35%. Unser Ziel ist es, in den nächsten Jahren über 40% Gross Margin zu haben – die hatten wir 2000 bei Kontron übrigens auch, aktuell liegt sie dort bei so 25%.

Wie wollen Sie diese Wachstumsziele erreichen?

Zum einen wollen wir unseren Produktmix verbessern. Wir haben letztes Jahr rund 300 Mio. Euro mit Services und 170 Mio. Euro mit Appliances umgesetzt. Bei den Appliances erzielen wir über 50 Prozent Marge und bauen deshalb diesen Bereich aus.

Wie setzen sich diese Appliances zusammen?

Es sind Embedded Computer, die wir mit unserer eigenen Firewall und Software ausstatten. Hinzu kommt dann die Anbindung an das ERP des Kunden oder an unsere Cloud-Services. Mit der Hardware macht man dabei nicht so viel Gewinn, die Marge kommt mit unserem Know-how und unserer Technologie, die wir da draufsetzen.

Eine eigene Firewall – gibt es nicht schon genügend andere?

Wir haben eine eigene Firewall geschrieben, weil sie nicht für Menschen, sondern für Maschinen ist. Wenn man Daten an einen Menschen schickt, dann ist heute die Aufgabe der Firewall, möglichst viele MByte von möglichst vielen Viren zu befreien. Bei Maschinen sind die Anforderungen oft anderes. Sie müssen beispielsweise über eine deterministische Echtzeit verfügen. Es gibt auch Forderungen nach unterschiedlichen Sicherheitsklassen oder dass die Kommunikation nur in eine Richtung geht. Unsere Firewall ist nicht besser oder schneller als die führende aus Israel oder sogar sicherer, sondern sie kann sich einfacher an alle Maschinen- und IoT-Anwendungen anpassen.

Und wie geht es hinter der Firewall weiter?

Eine Stoßrichtung, von der ich viel für uns erwarte, ist das Total Quality Control Management. Diese Qualitätsdaten haben eine unheimliche Größe und Detailtiefe und entstehen in einem Embedded Computer, der eine Maschine steuert. Die laufen dann durch die Embedded Firewall raus in das Internet. Der Hersteller und der Anwender der Maschine sind aber überhaupt nicht vorbereitet, unendlich viele TByte an Daten täglich zu speichern – und noch weniger sind sie vorbereitet, diese Daten wieder zu finden, wenn es dann mal so weit ist. Das ist eine klassische Big-Data-Applikation und ein Dienstleistungsgeschäft, zu dem wir hin wollen – von der Maschine bis in die Cloud. Wir haben die Erfahrungen aus unserem Data-Center-Bereich und wollen das jetzt in die Embedded-Welt bringen.

Sie betreiben eigene Rechenzentren?

Ja, mehrere. Wir bekommen dort vier- bis zehnmal mehr Geld – im Vergleich zu anderen Anbietern –, weil wir Speziallösungen machen. Wir erfüllen den ISO-27000-Sicherheitsstandard, so dass die Daten nie auf NSA-Boden kommen. In Kroatien haben wir so ein Zentrum, da darf ich als Deutscher gar nicht rein, obwohl ich der Boss bin – damit fängt es schon mal an. So bekommt man höhere Margen. Reines Daten-Hosting ist ein Geschäft, das S&T nicht machen will. Eine Embedded und Private Cloud mit einer Maschine zu koppeln, ist aber sehr interessant. Es gibt Anwendungen, die wollen bewusst nicht konform zu Standards sein – das ist eine Nische, die mehr Spaß macht und höhere Margen bringt.