Kommentar High-Touch definiert High-Tech neu

Manne Kreuzer, Leitender Redakteur Markt&Technik
Manne Kreuzer, Leitender Redakteur Markt&Technik

Die Menschen wollen wieder Hand anlegen - was modern ist, entscheidet die Bedienung und nicht mehr die Taktfrequenz.

Diese Situation ist auf vielen Messeständen zu beobachten: Ist ein Bildschirm für die Besucher zugänglich, werden Wischbewegungen und Fingerspreizen ausprobiert. Läuft für den Neugieren alles wie erwartet, ist häufig ein zustimmendes Nicken oder manchmal auch ein Schmunzeln zu beobachten. Also fast immer eine emotionale Reaktion - diese ist aber besonders stark, wenn nichts anderes passiert, als ein hektisch herum springender Mauszeiger.

Keine Frage, es gibt sehr gelungene Benutzerführungen auch ohne Multitouch und Gesten, allerdings ist die menschliche Wahrnehmung oftmals darauf beschränkt, nur jenes zu erkennen, was auch bekannt ist. Dem Kenner (kommt von Kenntnis) erschließt sich auch ein konventionelleres Konzept recht schnell, die Laien aber - und die sind nun mal in der wachsenden Überzahl - scheut die Einarbeitung und will eine intuitive Benutzerführung.

Ja, der der Begriff "intuitiv" wird schon seit Urzeiten genutzt, ungefähr seit es mehr als einen Knopf gibt (der eigentlich unmissverständlich ist und das Maximum an Intuitivität bedeutet). Jede (Produkt-)Generation ist einfacher zu bedienen als die Vorhergegangene - deutliche Fortschritte gibt es aber nur alle paar Dekaden.

Der neueste Zug, auf den alle aufspringen, ist Multitouch und diesmal eröffnen sich auch neue Möglichkeiten im Geräte-Design: So ist beispielsweise eine durchgängige Frontplatte nicht nur hübsch anzusehen, sondern lässt sich auch gut reinigen und schließt dichter als ein Platte mit Ausbrüchen für Tastatur, Maus und Monitor - es sieht einfach moderner aus. Diese Ästhetik wurde uns wohl über zahlreiche Science-Fiction-Filme näher gebracht, ist vermutlich aber trotzdem dem Zeitgeist unterworfen. In Zeiten mit Gläsernen Fabriken sind die Optik und das Image des Modernen noch mehr gefordert als bei früheren Werksbesuchen - besonders wenn man gegen Produktionsstätten voller Heerscharen asiatischer Wanderarbeiter antreten muss.

Aber selbst in den letztgenannten Fabrikstandorten sind komplexere Automationslösungen dank steigender Lohnkosten immer gefragter. Auch hier punktet Multitouch, kann es doch die exotischen Tastaturen für die diversen asiatischen Schriftzeichen einsparen.

Zurück zu unserem Sprachraum: Niemand wird sich beschweren, wenn er Ihre Automatisierungslösung im Griff hat - also nehmen Sie es in die Hand.

 Ihr Manne Kreuzer