Stimmungsbild Embedded-Computing-Branche Heiter mit vereinzelten Abschattungen

Josef Fromberger, TQ Systems: »Die etwas flachere Konjunktur, insbesondere die Einbrüche in der Automobilindustrie, sind offensichtlich die Parameter, die wieder zu einer besseren Verfügbarkeit von Bauteilen führen.«

Auf sich ändernde Anforderungen zu reagieren ist fester Bestandteil des Embedded-Computing-Geschäfts. Neben technologischen Neuerungen kommen jetzt aber auch politische Herausforderungen auf die Branche zu.

Anpassungen an neue Bussysteme und Schnittstellen treiben die Entwicklung von Embedded-Computing-Baugruppen und der gesamten Branche seit Jahrzehnten voran – und das mit schöner Regelmäßigkeit. Jetzt scheinen aber USB und PCI Express aus dem Takt (spezifizieren, implementieren, Erfahrungen sammeln) zu kommen und Nachfolger zu spezifizieren, lang bevor der erste Vorgänger-Baustein verlötet ist. Nichts gegen ungebremste Innovationskraft; sind aber diese Entwicklungen für die Embedded-Branche sinnvoll?

Die Spezifikation für USB4 wurde Mitte dieses Jahres veröffentlicht und ist der gemeinsame Nachfolger von USB 3.2 und Thunderbolt 3. Dazu wurde Anfang des Jahres die Thunderbolt-Spezifikation an das USB-IF übergeben. Dieser Schritt erfolgte zur Vereinfachung der notwendig werdenden Topologie-Anpassung: Das Thunderbolt-Protokoll muss erweitert werden, um die baumartig verzweigende Struktur (Hub-Topologie) von USB zu unterstützen. Es ist aber keine höhere Übertragungsrate vorgesehen als bei Thunderbolt 3, also 40 Gbit/s. Ganz im Gegenteil: So müssen weder USB4-Hosts noch USB4-Geräte zwingend die von Thunderbolt 3 bekannten 40 Gbit/s unterstützen – die Minimalanforderung sind die von USB 3.2 gebotenen 20 Gbit/s. Geblieben ist auch die Vielfalt der optionalen Stromversorgungsprofile. In Summe wird es für die Anwender immer schwieriger abzuschätzen, was sich hinter der Typ-3-Buchse verbirgt – Datenblattstudium ist also angesagt.

»Das USB-Chaos bleibt. Für Anwender und Hersteller wird es immer schwieriger, die Variantenvielfalt mit Standardisierungen abzufangen«, betont Josef Fromberger, Geschäftsbereichsleitung Embedded von TQ Systems. »Für den industriellen Einsatz von Embedded-Computern ist es mehr Fluch als Segen. Die Industrie braucht nachhaltige und langzeitverfügbare Standards und dazugehörige Produkte.«

»Einfacher wird es leider nicht, da durch die neue Performance und die neuen Funktionen die Hub-Struktur wesentlich komplizierter ist«, bestätigt Christian Eder, Director Marketing von congatec. »Spannend ist es auch, wie Intel, AMD und Co. das Ganze in ihren zukünftigen Plattformen umsetzen werden. Knackpunkt wird die Kompatibilität sein. Da bei USB4 Thunderbold 3 nicht zwingend notwendig ist, kann es durchaus zu Problemen bei der Interoperabilität kommen.«

Für die Anwender kann USB4 viele Vorteile bieten. Mit nur einem Stecker kann ein extrem flexibler und leistungsfähiger Service-Port recht einfach implementiert werden. Durch die Implementierung eines Client-Mode könnten beispielsweise Messgeräte von einem Rechner gesteuert und auch gleich mit Strom versorgt werden.