Apple kickt Intel Graue Eminenz Chipsatz

Die Firmenzentrale von Apple in Cupertino.
Die Firmenzentrale von Apple in Cupertino.

Mit einem eigenen SoC gewinnt man als Hardware-Hersteller auch mehr Freiheit beim Systemdesign.

Über die Beweggründe, warum Apple nicht mehr Intel-Prozessoren einsetzen will, wird viel spekuliert. Dabei stehen meist die Rechenleistung und der Stromverbrauch im Mittelpunkt der Betrachtung, bzw. es wird die Kompatibilität zu iPhone- und iPad-Apps angeführt.

Diese CPU-zentrische Sicht hat sicher auch ihre Berechtigung, spiegelt aber nur einen Teil der „Intel-Architektur“ wieder, denn zu jedem Prozessor gehört der passende Chipsatz. Um genau zu sein: Zu jedem Chipsatz gibt es passende Prozessoren und Ankündigungen von weiteren Prozessoren, denn hier verlaufen die Innovationszyklen nicht so schnell, wie bei den CPUs. Dabei ist der Chipsatz ganz entscheidend für den Systemaufbau, vom Bus über Speicher bis hin zu den Schnittstellen.

Der SoC-Ansatz von ARM bietet hier für den Systemdesigner größere Freiheiten, denn die CPU-Cores lassen sich um die gewünschten Funktionalitäten on-chip erweitern bzw. nicht gewünschte Teile auch weglassen. Es hat für Hardware-Hersteller durchaus seinen Reiz, über die gesamte Produktpalette auch einheitliche Funktionen wie Kryptographie und KI-Beschleuniger zu integrieren und so den Software-Entwicklern eine einheitliche Programmierschnittstelle anzubieten.

Es ist aber auch von Vorteil, wenn ein Systemanbieter einen Flaschenhals identifiziert hat, den man – zumindest für einige Zeit – exklusiv beseitigen kann und so einen Wettbewerbsvorteil hat. Mit SoC, Tool-Chain und Betriebssystem aus einer Hand, kann man auch einfacher alte Zöpfe abschneiden und Neuerungen einführen.

Beispiele dafür liefern zum Jahresende Sony mit der Playstation 5 und Microsoft mit seiner neuen Xbox. Beide Unternehmen setzen dabei auf AMD-SoCs mit den gleichen Core- (Zen-2) und GPU-Architekturen (RDNA2). Obwohl die SoCs x86-basiert sind, entfernen sich beide Unternehmen von der üblichen PC-Architektur: Statt DDR4-Speicher kommt GDDR6 zum Einsatz und statt NVME-SSDs nutzen beide Custom-SSD-Logik für mehr Bandbreite für die grafikintensiven Anwendungen.

Mit einem eigenen SoC hat Apple sogar noch mehr Möglichkeiten für Systemoptimierungen, als es Sony und Microsoft vormachen. Zudem lässt sich Performance/Watt nicht nur auf CPU-, sondern auch auf Systemebene steigern.