Intel verkauft Wind River Gegen den Trend

Brian Krzanich, CEO von Intel: »Wir haben alle Produkte, die zum Aufbau der durchgängigen Vernetzung erforderlich sind und wir wandeln uns zum datenzentrierten Unternehmen.«
Brian Krzanich, CEO von Intel: »Wir wandeln uns zum datenzentrierten Unternehmen.«

Der Finanzinvestor TPG übernimmt Wind River von Intel. Jim Douglas, Präsident von Wind River, und sein bestehendes Management-Team werden nach Abschluss der Transaktion die Leitung der neuen, unabhängigen Wind River übernehmen.

Über Kaufpreis und weitere Bedingungen wurde Stillschweigen vereinbart – was freilich das Tor für Spekulationen öffnet.

Dies trifft besonders auf die Motivation von Intel zu, da aktuell die Embedded-Computing-Hardware-Anbieter erpicht sind, Software-Firmen zu übernehmen. So hat unlängst der Hardware-Anbieter congatec das Softwarehaus Real-Time Systems übernommen und Embedded-Computing-Schwergewicht Kontron hat den Willen geäußert, ebenfalls Software-Unternehmen zu übernehmen.

Auch deutschsprachige Finanzinvestoren liebäugeln nach Insiderangaben damit, ihr Embedded-Hardware-Engagement mit Investitionen in Embedded-Software-Unternehmen zu flankieren. Die gleiche Strategie verfolgen auch die fernöstlichen Embedded-Hardware-Anbieter, die sich unlängst ebenfalls im Softwarebereich stärkten. Allgemein sieht die Embedded-Branche die Zukunft in Edge-to-Cloud-Lösungen, die zu einem großen Anteil aus Software bestehen. Im Vergleich zur Hardware, die unter Preis-Erosion und Margenschwund leidet, ist die Software nicht von diesem Trend betroffen und daher wirtschaftlich von wachsender Bedeutung.

Auch Finanzinvestor TPG scheint den Markt für industrielle und Embedded-Software deutlich anders zu bewerten als Intel. »Unser Technologie-Team konzentriert sich darauf, starke, marktführende Unternehmen in Wachstumsbranchen zu unterstützen«, erklärt Nehal Raj, Partner und Head of Technology von TPG. »Wir sehen eine enorme Marktchance in der industriellen Software, die durch die Konvergenz von Internet der Dinge, intelligenten Geräten und Edge-Computing angetrieben wird.« Als Marktführer mit einem starken Produktportfolio sei Wind River gut positioniert, um von diesen Trends zu profitieren. Der Verkauf überrascht umso mehr, da Intel recht früh in Embedded-Software investierte. So wurde das bis dahin eigenständige Unternehmen Wind River bereits im Juli 2009 für den Kaufpreis von rund 884 Mio. Dollar übernommen und agierte seitdem als eigenständiges Tochterunternehmen.

Dieser Kauf kann auch als Auftakt einer Einkaufstour von Intel im Softwarebereich angesehen werden, die mit der Übernahme von McAfee im Jahr 2011 für 6,7 Mrd. Dollar ihren Höhepunkt fand. Später schien Intel das Vertrauen in die eigene Software-Vision verloren zu haben und verkaufte 2016 die Mehrheit von McAfee an TPG. Jetzt übernimmt TPG auch Wind River. Die Chance, dass Wind River als Braut hübsch gemacht wird, um sie profitabel weiter zu veräußern, scheint gering zu sein. »Wir freuen uns über die Aussichten für Wind River als unabhängiges Unternehmen und wollen mit Investitionen in organisches und anorganisches Wachstum auf dem starken Fundament des Unternehmens aufbauen«, erklärt Nehal Raj. Weitere Übernahmen im Embedded-Software-Bereich sind also wahrscheinlich – und das nicht nur von TPG.