Werkschließung und Mitarbeiterabbau Fujitsu-Aus und die Folgen

Fujitsu strukturiert weltweit um. Davon betroffen sind auch 2100 Personen in Deutschland und im Besonderen das Werk in Augsburg. Die Nachricht trifft nicht nur die Mitarbeiter hart, auch die Vertriebspartner.

»Natürlich sind auch wir total schockiert und völlig überrascht von dieser Nachricht«, bestätigt Karsten Kopka, Business Development und Produktmanager für Embedded-Boards von Hy-Line. Auch bei Bicker Elektronik traf die Mitteilung unerwartet ein: »Völlig überraschend und mit größtem Bedauern haben wir die Nachricht erhalten, dass die Fertigung von Fujitsu-Computern in Augsburg eingestellt wird. Damit endet auch die Ära von Fujitsu-Industrie-Mainboards, entwickelt und gefertigt ‚Made in Germany‘.«

Die Auswirkungen für die Kunden sind kurzfristig nicht so gravierend. Hier sind die Mitarbeiter von Fujitsu hochmotiviert: »So schnell gebe ich nicht auf und Kunden lasse ich definitiv nicht im Stich«, betont Peter Hoser, Director OEM-Sales Systemboard, Fujitsu Technology Solutions. Das weiterhin hohe Engagement der deutschen Fujitsu-Mitarbeiter bestätigt auch Kopka: »Aufgrund unserer sehr engen Kontakte zum Team der industriellen Motherboards sehen wir der Sache etwas gemäßigt entgegen, aufgrund dessen, dass erstmal bis Mitte 2020 keinerlei Effekte zu erwarten sind, da alles bis Mitte 2020 in den bekannten Bahnen weiter läuft. Das Team der Embedded-Motherboards von Fujitsu ist im Moment bemüht, eine Lösung über das Jahr 2020 hinaus zu finden, und ist sich sicher, dass eine entsprechende Lösung schnell gefunden wird, die es erlaubt, industrielle Motherboards von Fujitsu auf lange Sicht zu beziehen.«

Nicht ganz so optimistisch über die langfristige Perspektive ist man bei Bicker Elektronik: »Unser Team unterstützt die Kunden gerne beim Umstieg auf Industrie-Mainboards anderer Hersteller und versucht ein Redesign für die Kunden so einfach wie möglich zu gestalten. Hierzu zählt im ersten Schritt eine Resteindeckung (Last-Time Buy) der für die Übergangsphase benötigten Mengen an Fujitsu-Mainboards. Und im weiteren Verlauf die Vorstellung von alternativen Mainboards und natürlich unsere volle Unterstützung bei Auswahl und Design-in.«

Alternativen zu finden ist in einigen Produktbereichen aber keine Trivialität. Bei den industriellen Mini-ITX-Boards war Fujitsu bislang ein so dominierender Hersteller, dass praktisch alle anderen Anbieter mindestens eine Besonderheit auf ihren Boards verbauten, um sich den direkten Vergleich zu ersparen. Fujitsus Embedded-Boards profitierten dabei klar von den Skalierungseffekten aus der vollautomatisieren Großserienfertigung von Server- und Desktop-Motherboards. Diese Nähe zum Massenmarkt ist jetzt aber zum Verhängnis geworden – so sind weltweit die Margen bei Server-Mainboards nicht berauschend und im Desktop-Bereich kaum noch vorhanden. Entsprechend wirkte sich dies auch auf die Gewinnmarge von Fujitsu aus, die für das Fiskaljahr 2018 bei rund 4 Prozent liegt und die Umstrukturierungspläne in Gang brachte: Bis 2022 will Fujitsu 10 Prozent Gewinnmarge im Konzern aufweisen können.

Neben Augsburg mit seinen 500 Mitarbeitern im Bereich F&E, 400 in Vertrieb und Marketing, 550 in der Fertigung sowie 300 Leiharbeitern ist auch München mit 300 Mitarbeitern betroffen. Aber auch in Japan müssen sich rund 5000 Mitarbeiter auf die geänderten Zeiten einstellen. In der aktuellen Strategiepräsentation von Fujitsu heißt es dazu lapidar, dass es »Unterstützung gibt, die Karriere zu ändern oder deren Richtung innerhalb und außerhalb des Unternehmens weiterzuführen«.