embedded world 2019 Embedded-Welt - jetzt geht‘s um Feintuning

Dominierte letztes Jahr noch das Thema künstliche Intelligenz die embedded world in Nürnberg, haben viele Hersteller dieses Jahr praxisnahe Verbesserungen der etablierten Produkte und Technologien präsentiert – und damit das Kerngeschäft weiter gestärkt.

Das Thema KI beschäftigt die Unternehmen und Kunden weiterhin, allerdings sehen sich noch viele am Anfang der Lernkurve. Daher heißt es Kompetenzen bündeln und Lösungspakete für die Kunden schnüren, um sie schneller voran zu bringen. So arbeiten beispielsweise Advantech, AMD und Mentor an einer gemeinsamen KI-Plattform, bestehend aus AMDs Ryzen-Prozessoren auf Advantechs Boards und Modulen mit der Software von Mentor.

Wie sich das Zusammenspiel von Prozessoren, FPGAs und Software-Werkzeugen weiter verfeinern lässt, zeigte Intel am Beispiel eines Bilderkennungssystems: Ein auf Basis des Xeon-Prozessors arbeitendes System in Caffee-MKL-Umgebung kommt auf 35 Frames pro Sekunde (fps), mit OpenVino von Intel steigert sich die Leistung auf 240 fps. Unterstüzten zusätzlich FPGAs das System, erreicht es 760 fps. »Dann kann der Anwender plötzich 24 der ursprünglichen Datenströme parallel laufen lassen!«, so Jonathan Luse, General Manager, Product Planning und Product Line Management der Intel Internet of Things Group. Deshalb konzentriere sich Intel jetzt auf die Edge-Geräte, »ein nicht zu vernachlässigender Strategiewechsel.«

Die gute Nachricht für Intel: Dazu sind möglichst leistungsfähige Chips erforderlich, und damit kenne Intel sich aus, von den Prozessoren für Datenzentren über die Prozessoren für Edge-Geräte bis zu den FPGAs und KI-Beschleunigern, an denen Intel intensiv arbeite. Es müsse eben viel Intelligenz an den Rand wandern, um das Netzwerk nicht zu sehr zu belasten. Ein weiterer Vorteil: Es wären weniger Software-Defined-Systeme erforderlich als bisher, die Workload lasse sich besser über die Geräte verteilen, sie könnten damit energieeffizienter arbeiten.

Ein Beispiel für Intelligenz am Edge gaben auch Analog Devices, Arrow und Shiratech: Die gemeinsam entwickelte »iCoMoX«-Box auf Basis eines ARM Cortex M4FI von ADI lässt sich auf Elektromotoren schrauben, nimmt die Motordaten über verschiedene Sensoren auf und wertet sie vor Ort aus, etwa um vorausschauende Wartung durchzuführen. Die Karlsruher Firma Knowtion hat zudem ein einfaches Neuronales Netz entwickelt, das das System lernfähig macht. »Wenn nicht genau bekannt ist, wie die Zusammenhänge in einer komplexen Maschine im Einzelnen funktionieren, und eine ausreichende Datenbasis für den Lernprozess vorhanden ist, dann ist es vorteilhaft, die Version auf Basis der neuronalen Netze heran zu ziehen«, erklärt Vesa Klumpp, Geschäftsführer von Knowtion. Weil es sich um ein offenes System handelt, müssen die Anwender sich nicht an ein bestimmtes System binden, sondern sie können es selber auf ihre jeweiligen Bedürfnisse zuschneiden, wie Dzianis Kukashevich, Business Solutions Director von ADI, erklärt.

Im klassischen und sehr erfolgreichen Board- und Modul-Geschäft gab es neben der Integration neuer CPUs auch den Einstieg einiger Hersteller in Neuformate zu sehen. So bietet congatec erstmals auch Boards im klassischen 3,5-Zoll-Format an. Kontron hingegen stellte erstmalig ein 4,3-Zoll-Board vor und dokumentiert damit gleichzeitig eine Veränderung im Embedded-Markt: Bezogen sich die Anbieter bislang bei ihren Größenangaben wie 5,25 Zoll und 3,5 Zoll auf die Abmessungen entsprechender Festplatten – die allerdings immer mehr von Flash-Speichern verdrängt werden –, bezieht sich Kontron nun auf die Diagonale entsprechend den Displays, hinter denen die Baugruppen angebracht werden können.