Probieren statt Diskutieren »Das ganze Kopfzerbrechen muss weg vom Kunden«

Tim Jensen, Avnet Integrated: »Wir als Industrie sprachen zu viel über die Technologie und zu wenig über die Vorteile und den Wert für den Kunden.«

Die Diskussion über neue Embedded-Projekte kann sich schnell in Details verlieren. Was man dagegen machen kann, erklärt Tim Jensen, Senior Director Embedded Innovation Unit EMEA von Avnet Integrated.

Markt&Technik: Wie sieht die neue Strategie von Avnet Integrated aus?

Tim Jensen: Wir haben drei neue Innovation Units: Embedded – also alles, was mit Computern zu tun hat, vom Modul bis zum Komplettsystem, auch von Partnerfirmen. Dann haben wir die Display-Sektion. Und noch Data Center, wo wir Branded-Produkte von HP, Dell, Lenovo und White Boxes haben. Sie sind eigentlich nicht für Rechenzentren, der Name ist etwas irreführend, sondern es geht um Embedded-Server. Es sind nicht die Standard-Produkte von HP und Dell, es sind erweiterte Systeme, auch für erweiterte Temperaturbereiche mit speziellen Kühllösungen sowie speziellen I/Os.

Viele assoziieren Avnet Integrated mit Computer-on-Modules …

Ja, unsere Core-IPs sind weiterhin unsere Module. Wir nutzen sie auch im nächsten Schritt, den kundenspezifischen Lösungen. In 98 Prozent der Fälle verwenden wir so unsere IP wieder – für Custom-Boards, Custom-PCs und Custom-Lösungen. Unser nächster und neuester Schritt werden funktionale Plattformen sein. Die vom Markt geforderte Funktionalität steht dabei im Vordergrund.

Können Sie das verdeutlichen?

Nehmen wir als Beispiel Machine Vision und KI. Viele Leute suchen nach einer Objekterkennung. Es gibt dafür zahlreiche Technologien, aber welche soll man verwenden? Nvidia oder Intel oder...? Wir wollen daher den Kunden die Vorteile der unterschiedlichen Plattformen für ihre Anwendungen näher bringen.

Wie sieht es dabei mit den Entwicklungs-Tools aus?

Die sind Teil unserer Matrix. Wir fragen nach dem Interface der Kunden für ihre Entwicklungswerkzeuge. Und dann fragen wir sie, was sie erreichen wollen. Unsere Tests haben klar ergeben, dass jeder KI-Beschleuniger Vorteile in einer gewissen Nische hat. Was in einem Szenario mit Intels Movidius phantastisch funktioniert, kann in einem anderen sehr ineffizient sein. Daher wollen wir den Kunden Plattformen anbieten, die es ihnen einfacher machen, ihre spezifischen Ziele zu erreichen. Sie müssen dabei die ganzen Vorarbeiten nicht selbst leisten. Sie können einen Test auf einer Plattform fahren und dann auf einer anderen, und so herausfinden, was am besten für sie arbeitet – mit ihren Tools und ihrem Setup.

Es geht also um einfacheres und schnelleres Evaluieren.

Ja! Besonders junge Ingenieure wollen nicht 6, 12 oder 18 Monate warten, um Dinge auf den Markt zu bringen. Sie sind es gewohnt, um 2 Uhr nachts Entscheidungen zu treffen und was zu bestellen. Am nächsten Tag haben sie es dann auf dem Schreibtisch und können damit loslegen. Das ist ihre Art, die leider nicht zur bisherigen Herangehensweise passt. Wir versuchen daher, es dem Kunden einfacher zu machen, seinen Weg zu wählen und seine Entscheidung zu treffen.