Embedded-Expertenrunde CPU-Tempo ist nicht alles

RISC-V

Neben den arrivierten Prozessorarchitekturen x86 und ARM genießt RISC-V eine wachsende Aufmerksamkeit von einer Reihe bekannter Unternehmen. RISC-V startete als ein universitäres Projekt und stellt eine CPU-Architektur dar, die auf einem unter BSD-Lizenz stehenden Befehlssatz beruht. Dieser kann im Prinzip ohne Kosten verwendet werden. »Offene Befehlssatzarchitekturen sind durchaus interessant. Tendenziell fühlt sich das ja ähnlich wie bei Linux an, das ja auch in den letzten beiden Dekaden einen immensen Marktanteil erobert hat«, bestätigt Christian Eder. »Alles braucht aber auch seine Zeit. Zwar sind namhafte Firmen wie AMD, Google, Microsoft, Nvidia, Oracle, Samsung, NXP oder Western Digital in der RISC-V Foundation aktiv, dennoch gibt es noch keine passenden, langzeitverfügbaren Angebote der Halbleiterindustrie, die mit Embed­ded-x86- oder ARM-Applikationsprozessoren vergleichbar wären. Bis wir offene Embedded-Systeme mit vollwertigem Betriebssystem sehen werden, die Langzeitverfügbarkeitsperspektiven bieten, die ähnlich wie die aktueller x86- und ARM-Applikationsprozessoren sind, braucht es vermutlich noch etwas Zeit.«
Bislang wenig überzeugt ist Dirk Finstel: »Ehrlich gesagt, es gibt schon so viele verschiedene Derivate an x86- und ARM-basierten SoCs, dass man schon jetzt den Überblick verliert. Eine weitere Architektur muss da schon einen echten Mehrwert liefern, der über bestimmte Nischen hinausgeht, um eine Marktdurchdringung zu erreichen. Und bekanntermaßen ist der Embedded-Markt eher konservativ und erfordert sowohl in Hardware als auch Software professionelle Unterstützung über den gesamten Lebenszyklus. Somit erwarte ich, solange keine bedeutenden Hersteller diese Plattform unterstützen, recht wenig Nachfrage. Zumindest liegen bisher seitens unserer Kunden keinerlei Anfragen vor. Aber man weiß ja nie, wir werden die Marktentwicklung wie immer genau beobachten.«
»Der Wert einer CPU ergibt sich immer aus den drei Ps – Preis, Performance, Power. Solange diese noch nicht eindeutig für diese Plattform klar sind, lässt sich schwer eine Aussage treffen«, bestätigt Norbert Hauser. »Der Open-Source-Ansatz ist für einige Kunden sicherlich ein großer Vorteil, um herstellerunabhängig zu werden. Um selber in die CPU-Entwicklung mit RISC-V einzusteigen, ist der Aufwand unseres Erachtens allerdings zu hoch. Wir beobachten den Markt allerdings kritisch – RISC-V mit Open Source könnte zukünftig in bestimmten Branchen wie Infotainment eine stärkere Rolle spielen.«
Deutlich optimistischer ist Silas Renner, Business Development Manager Embedded von Hy-Line Computer Components: »Für die ein oder andere Embedded-Sparte wird RISC-V in näherer Zukunft eine höchst attraktive Alternative zur bisherigen ARM-Plattform werden. Die Community auf der ganzen Welt wächst stetig, daher ist es nur eine Frage der Zeit, bis RISC-V Einzug in viele neue Produktdesigns nimmt.«
Die Embedded-Branche beobachtet die diversen Entwicklungen im Computing-Bereich sehr genau. In der Vergangenheit hatte es sich oftmals gezeigt, dass Technologien aus komplett anderen Geschäftsfeldern – zum Beispiels das Smartphone – in kürzester Zeit zum „State of the Art“ auch für Embedded-Anwendungen wurden.