Embedded-Expertenrunde CPU-Tempo ist nicht alles

Branchenspezifische Reaktionen

Je nach Branche scheint es Unterschiede im Entscheidungsprozess zu geben, wie Norbert Hauser, Vice President Marketing von Kontron, beobachtet hat: »Bei Casino-Gaming-, Digital-Signage-, Kiosk-Systemen hat sich AMD schon lange etabliert. Einzig der Bereich Automatisierung tut sich häufig noch schwer mit AMD. Das liegt an den doch sehr konservativen Kunden. Es liegt aber auch am zu geringen Angebot an Mainboards von etablierten Herstellern. Dadurch, dass über 90 % aller Industrie-Mainboards auf Intel-Technologie basieren, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Anwender auf einer Intel-Plattform testen, statistisch gesehen höher.«
Bei der Wahl der Prozessor-Architekturen zu helfen sieht Christian Eder als traditionelle Kernaufgabe für die Board-Hersteller: »Es sind die Embedded-Computing-Anbieter, die OEMs eine sanfte Migration in alle Richtungen ermöglichen. Dies ermöglichen unsere Standards und APIs, die unabhängig vom Prozessorhersteller immer die gleichen sind. Wechselwillige sollten also unsere Migrationsservices durchaus mal evaluieren – in welche Richtung auch immer.«
Einige Embedded-Board-Standards wie Qseven und Smarc vereinfachen sogar den Wechsel zwischen x86- und ARM-Architekturen. Letztere bietet von generischen Prozessoren bis hin zu applikationsspezifischen SoCs eine reiche Auswahl. Ein besonderer Branchenliebling ist NXP mit der i.MX-Serie gelungen – verwirrt die Vielfalt der Versionen aber nicht die potenziellen Anwender? »In der Tat ist das umfangreiche Portfolio und die unterschiedliche Performance eine echte Herausforderung«, bestätigt Dirk Finstel. »Ein intensives Training für Vertrieb und auch Kunden ist unumgänglich.«
Tendenziell verwirrend ist es nach Ansicht von Christian Eder nur auf den ersten Blick: »Bei Intel ist die Vielfalt mit Atom, Celeron, Pentium, Core und Xeon auch groß, aber daran haben wir uns über die Jahre ja gewöhnt. Bei NXP betrachte ich das ähnlich – es gibt unterschiedliche Stufen, und die haben dann jeweils einen etwas anderen Namen. Entscheidend ist, dass alle relevanten Prozessoren der i.MX8-Generation bei uns auf applikationsfertigen Computer-on-Modules verfügbar werden. Wer also skalieren will, kann das perfekt testen mit unserem 3,5-Zoll-Board mit Smarc-2.1-Steckplatz – satte 12 unterschiedliche Smarc-Module mit i.MX8 unterstützt es bereits.«
»Wenn sich Kunden bewusst sind, welche Prozessorkerne, Schnittstellen, Funktionen oder Arbeitsspeicher für ihre Anwendung passend sind, lässt sich auch hier schnell die korrekte Version finden« ergänzt Martin Stiborski, Geschäftsführer von Bressner Technology. »Im Zweifelsfall können wir unsere Kunden beraten und bieten auch i.MX8-basierte Entwicklungs-Kits an.« 
Die Ursache für die Versionsvielfalt erklärt Jens Plachetka, Manager Board Platforms von Avnet Integrated: »NXP hat sich bei der i.MX8-Serie von der i.MX6-Strategie – ein Package mit sechs bis sieben kompatiblen CPU-Varianten – abgewandt und kommt abhängig von den Zielmärkten, für die es jeweils große OEMs gibt, mit jeweils ganz speziellen optimierten Derivaten. Das betrifft Funktionen und verfügbare Packages. Dadurch ergibt sich eine sehr hohe Anzahl von verschiedenen Familien, die sich aber klar durch bestimmte Features unterscheiden.«